Nur noch von außen bunt: der „Club der Visionäre“ am Flutgraben des Landwehrkanals. Foto: Thilo Rückeis
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Update „Abenteuerliche Strominstallationen“ Feuerwehr bemängelt Brandschutz im „Club der Visionäre“

Der „Club der Visionäre“ an der Grenze zwischen Kreuzberg und Treptow ist teilweise ausgebrannt. Die Betreiber sehen bei sich keine Fehler.

Großeinsatz für die Berliner Feuerwehr am Sonnabend: Einer der beliebtesten und bekanntesten Berliner Musik-Clubs, der Club der Visionäre in der Straße "Am Flutgraben" ist am frühen Morgen durch ein Feuer zerstört worden. Verletzt wurde laut Polizei niemand. Zum Zeitpunkt des Brandausbruchs gegen 8.15 Uhr hätten sich noch rund 100 Gäste im Club aufgehalten, viele seien alleine, andere von Polizisten begleitet ins Freie geflüchtet. Die Feuerwehr hatte nach dem Brand zunächst von drei Leichtverletzten gesprochen.

Die Ursache des Feuers war bis Samstagabend noch unklar. Eine Brandkommission des Landeskriminalamtes nahm die Ermittlungen auf. Technisches Versagen oder Brandstiftung? Man ermittle in alle Richtungen, teilte die Polizei mit.

Die Betreiber des Clubs erklärten am Samstagabend, man hoffe auf eine "baldige Wiedereröffnung" nach entsprechenden Abstimmungen mit den Behörden. Zuvor könnte es allerdings Diskussionen über die Brandschutzvorkehrungen im Club der Visionäre geben.

Nach den erfolgreichen Löscharbeiten erklärte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr gegenüber der rbb-Abendschau, man beurteile die bisherigen Vorkehrungen des Clubs "kritisch". Glücklicherweise seien die oft übervollen Räume zu Beginn des Brandes nur noch mäßig besucht gewesen.

"Bei einem vollen Club mitten in der Nacht hätten die Brandschutzvorkehrungen wie Fluchtwege und Elektroschutz im Falle eines Feuers nicht ausgereicht", sagte der Sprecher und bemängelte "teilweise abenteuerliche Strominstallationen".

Die Clubbetreiber betonten hingegen am Samstag auf ihrer Facebookseite, man habe "alle erforderlichen und verlangten Brandschutzmaßnahmen" umgesetzt. Der Brandschutz im Club sei abgenommen. Die Mitarbeiter seien zu Ersthelfern und Brandschutzhelfern ausgebildet, sie würden in allen relevanten Sicherheitsfragen fortlaufend geschult. Der Club sei "ruhig und kontrolliert" geräumt worden. Das Brandschutzkonzept habe funktioniert. Zugleich bedankten sich die Clubbetreiber bei der Polizei und Feuerwehr "für die schnelle und professionelle Hilfe".

Nach Darstellung der Clubverantwortlichen seien die ersten Schilderungen des Brands in den sozialen Netzwerken unzutreffend gewesen. Das Lokal sei keineswegs nahezu komplett abgebrannt – die Berliner Feuerwehr hatte das am Morgen berichtet. Die Flammen hätten "nur einen kleinen Teil des Freiluftbereichs" zerstört, erklärten die Betreiber hingegen. Dieses Areal sei bei Ausbruch des Feuers bereits geschlossen gewesen. Den zentralen Gästebereich des Clubs sowie die Terrassen am Flutgraben und die Mauern habe der Brand gar nicht angegriffen.

Besucher entsetzt: „Ich habe bis 5.30 Uhr dort noch getanzt“

Im Netz drückten am Samstag zahlreiche Fans des Clubs der Visionäre ihr großes Bedauern aus. "Ich habe bis 5.30 Uhr dort noch getanzt - und am Morgen dann diese schreckliche Nachricht erfahren", schreibt ein häufiger Besucher. Viele Gäste äußerten zugleich die Hoffnung, dass die beliebte Location rasch wieder aufgebaut und neu eröffnet wird. Der Berliner Grünen-Abgeordnete Georg P. Kössler bedauerte die Zerstörung: „Der Club der Visionäre gehört einfach zur Berliner Clublandschaft – genauso wie Bretterbauten und das Unfertige“, schrieb er bei Twitter. „Ich hatte viele nette Abende da und hoffe auf einen Neuaufbau mit verbessertem Brand- & Lärmschutz, aber altem Ambiente.“ Sogar ein Spendenaufruf zum Wiederaufbau kursiert bereits im Netz.

In ihrem Facebook-Post kündigten die Betreiber an, das Programm des Clubs werde schon ab Sonntag auf dem nahegelegenen Restaurantschiff "Hoppetosse" der "Arena Berlin" fortgesetzt.

So sieht die Kult-Location nach dem Brand aus

Wie eine Insel im Flutgraben: der Außenbereich des Clubs auf der rechten Seite. Foto: Thilo Rückeis Vergrößern
Wie eine Insel im Flutgraben: der Außenbereich des Clubs auf der rechten Seite. © Thilo Rückeis

In einer ersten Meldung war lediglich von einem Brand in einem 400 Quadratmeter großen „Holzverschlag“ die Rede gewesen.

Für die Feuerwehr ein Holzverschlag, für Technofreunde die Bretter, die ihre Welt bedeuteten. Foto: Thilo Rückeis Vergrößern
Für die Feuerwehr ein Holzverschlag, für Technofreunde die Bretter, die ihre Welt bedeuteten. © Thilo Rückeis

Bunt ist der Verschlag bloß noch von außen. Ein Blick ins Innere zeigt nur noch die verkohlten Reste der Partylocation.

Hier ist nichts mehr zu retten. Foto: Thilo Rückeis Vergrößern
Hier ist nichts mehr zu retten. © Thilo Rückeis

Im Laufe des Tages blieben immer wieder Passanten auf der Kanalbrücke stehen und schauten fassungslos auf den Ort, der vielen Leuten so lange Freude bereitet hat.

Ein wehmütiger Blick auf den ausgebrannten Club. Foto: Thilo Rückeis Vergrößern
Ein wehmütiger Blick auf den ausgebrannten Club. © Thilo Rückeis

Vor Ausbruch des Feuers hatte im Club unter dem Motto „Kisses from Tokyo“ von Freitag auf Sonnabend eine Japanparty mit mehrere DJs stattgefunden. Anlass war der Geburtstag des Berliner DJs James Dean Brown, der auch als Hauptact angekündigt war (hier die Ankündigung bei Facebook).

Der Club der Visionäre war seit fast zwei Jahrzehnten eine feste, geradezu legendäre Größe in der Berliner Clubszene, beliebt wegen seines aktuellen Musikangebotes zu Elektro, House und Techno sowie wegen der romantischen Atmosphäre am grün umwucherten Kanal nahe der Spree - dem Flutgraben. Auch zahlreiche Touristen besuchten den Club. Er wurde international beachtet und war erst jüngst als einer der besten Clubs weltweit bewertet worden.

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