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Am Samstagnachmittag hatten Polizei und Eigentümer das besetzte Haus betreten. Schließlich wurde geräumt. Foto: REUTERS/Christian Mang
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Update Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruch Besetztes Hostel in Berlin-Mitte geräumt

Aktivisten besetzen ein leerstehendes Hostel, um eine Flüchtlingsunterkunft einzurichten. Am selben Tag wird geräumt, sechs Menschen müssen das Haus verlassen.

Die Polizei hat das am Samstag besetzte Hostel in Berlin-Mitte geräumt. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden sechs Personen im Haus angetroffen, das Gebäude sei nun leer.

Gegen die sechs Menschen werde wegen Hausfriedensbruch ermittelt, der Hauseigentümer habe einen Strafantrag gestellt. Widerstand gab es laut der Sprecherin nicht.

Am Nachmittag hatten Polizei und Eigentümer das Haus betreten, um mit den Besetzern zu sprechen.

Vor dem Gebäude hatten sich Dutzende Menschen zu einer spontanen Kundgebung versammelt. Nach Angaben der Polizei war die Stimmung friedlich.

Die Initiative "Hotels to Housing", die sich für selbstverwalteten Wohnraum für Geflüchtete einsetzt, hatte am Samstag das seit 2019 leerstehende Wombat’s City Hostel in der Alten Schönhauser Straße 2 in Mitte besetzt.

"Gebäude wieder mit Leben füllen"

Mio Decker von der Initiative erklärte, das Haus sei um zehn Uhr besetzt worden. Man wolle darin eine Unterkunft für Geflüchtete einrichten, weil gerade Tausende Geflüchtete nach Berlin kämen und in Massenunterkünften untergebracht würden, andere wiederum aus diesen vertrieben würden. "Wir sagen, es gibt genug Platz in dieser Stadt, genug Leerstand, zum Beispiel dieses Hotel, und deswegen haben wir es heute besetzt, um selbstverwalteten Wohnraum für geflüchtete zu schaffen", sagte Decker.

Vor den Fenstern des Hostels waren am Samstagvormittag Transparente zu sehen mit Aufschriften wie "Open all Borders" oder "Wohnraum für alle statt Cappuccino für 5 Euro".

Vor dem Hostel versammelten sich viele Personen. Manche setzten sich auf die Straßenbahngleise, aus einer Box wurde Musik abgespielt. Einige verteilten Flyer. Darauf schrieben "Eure Lieblings-Besetzer*innen", dass sie das Haus besetzt hätten. Ziel sei es, "eine selbstverwaltete Unterkunft für Geflüchtete zu schaffen".

Man wolle das verlassene Gebäude wieder mit Leben füllen - "und zwar mit Menschen, die auf eine Unterkunft angewiesen sind und nicht mit weiteren Tourist*innen der Generation Z", wie es der Plan für das Haus sei.

Das Wombat City Hostel in der Alten Schönhauser Straße. Foto: Constanze Nauhaus Vergrößern
Das Wombat City Hostel in der Alten Schönhauser Straße. © Constanze Nauhaus

Die Initiative "Hotels to Housing" schrieb am Vormittag auf Twitter: "Während Tausende Menschen in miesen Massenunterkünften leben müssen, gegeneinander ausgespielt werden und kein sicheres Zuhause haben, stehen hier seit Jahren 80 Zimmer leer!".

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Deshalb forderten sie, "eine menschenwürdige und selbstverwaltete Unterkunft für Geflüchtete, einen Nutzungsvertrag mit der Hotelkette Selina - oder die Beschlagnahmung des Hauses, außerdem Bleiberecht und sichere Fluchtwege für alle".

Das zur Wombat’s-Kette gehörende Hostel wurde 2019 trotz Profits geschlossen, nachdem Mitarbeiter einen Betriebsrat gegründet und mehr Mitbestimmung gefordert hatten.

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