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"Spree-Athen": Ein Ausflugsschiff der Reederei Riedel auf dem Landwehrkanal. Foto: imago/Schöning
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Partyschiffe und der Traum von Tesla Das plant ein Ex-Banker mit Berlins zweitgrößter Reederei

Salonschiffe hat er schon, Solarschiffe will er noch kaufen: Uwe Fabich steuert die Riedel-Flotte durch die Krise – und hofft auf Events und Tesla am Funkhaus.

Die Flotte der Reederei Riedel liegt vertäut im Hafen, eine Gruppe Handwerker läuft über das Gelände, ansonsten wirkt der Betrieb fast ausgestorben. Kein Wunder in Zeiten von Corona. Auch die Konkurrenz schickt wegen der Pandemie kaum noch Schiffe über Spree und Havel. Beim Branchenführer Stern-und-Kreis fahren derzeit 15 von 31 Fahrgastschiffen, sagt Geschäftsführer Andreas Behrens, nur bei den größeren Schiffen würden sich die Fahrten wegen der Abstandsregeln noch lohnen.

Bei Riedel, der zweitgrößten Berliner Reederei, sorgt aber nicht nur die Pandemie für Unruhe. Im vergangenen Jahr haben die langjährigen Eigentümer Lutz und Stefan Freise an die Immobilienentwickler Uwe Fabich und Holger Jackisch verkauft. An der Reederei waren die Investoren weniger interessiert als an dem vier Hektar großen Hafen-Grundstück, sagt Lutz Freise. Das stand ihren Plänen für ein Kongresszentrum mit Hotel und weitläufigen Veranstaltungsflächen im Weg.

Zunächst hieß es, die Freises würden die Reederei vorerst weiterführen, schließlich hätten die Investoren wenig Expertise in der Fahrgastschifffahrt. Doch davon ist jetzt keine Rede mehr.

Uwe Fabich, ein ehrgeiziger Ex-Banker, unkonventionell im Auftreten und international vernetzt, manchmal schroff im Ton, steckt seine Millionen gerne in historische Immobilien wie das Funkhaus Berlin, den Postbahnhof am Ostbahnhof oder das Alte Kraftwerk Rummelsburg. Diese Backsteintempel lagen jahrzehntelang vergessen zwischen Tankstellen, Brachen und Industrieflächen, gewinnen in der wachsenden Stadt aber zunehmend an Reputation. Fabich hat große Pläne mit den Denkmälern aus der Kaiserzeit und genug eigenes Geld, sie nach und nach zu sanieren. Er spekuliert nicht wie viele ausländische Investoren und gilt bei den Denkmalbehörden als verlässlicher Partner.

Die Coronakrise hat aber auch Fabich kalt erwischt. Der Veranstaltungsbetrieb mit Konzerten und Messen im legendären Funkhaus liegt am Boden.

In Oberschöneweide begegnet man Geschichte. In dem hinteren Gebäude residierte von 1956 bis 1990 der Rundfunk der DDR. Foto: Thomas Loy Vergrößern
In Oberschöneweide begegnet man Geschichte. In dem hinteren Gebäude residierte von 1956 bis 1990 der Rundfunk der DDR. © Thomas Loy

Von den Riedel-Schiffen seien nur drei unterwegs, sagt Fabich, der sich jetzt selber um die Reederei kümmert. In der Branche wird spekuliert, er könne die Krise nutzen, um die Reederei möglichst geräuschlos abzuwickeln. Mehr als Hälfte der Riedel-Belegschaft – in früheren Jahren rund 60 Mitarbeiter – sei schon gekündigt. Doch der Mittvierziger hält dagegen. „Reederei Riedel gegen die Wand fahren? Blödsinn“, mailt er auf Anfrage. Er wisse nur von vier Kündigungen.

Das Tesla-Design-Zentrum hätte er gerne

Keines der 16 Schiffe stehe zum Verkauf, sagt Fabich. Im Gegenteil. Er wolle noch Solarschiffe hinzukaufen. Zwei Riedel-Schiffe hat er zu Salonschiffen für private Events umgebaut, im Retro-Design der 1950er Jahre, das soll die zahlungskräftige Kreativszene bedienen. Mit einem anderen Teil der Flotte werde er auch wieder klassische Rundfahrten veranstalten, wenn die Zeit dafür gekommen ist, „und wir werden natürlich nach wie vor unser Hauptgeschäft mit den Linienschiffen machen, auf denen wir den netten Omis und Touris aus aller Welt das schöne Berlin näherbringen.“

Was Uwe Fabich, der übrigens kein Foto von sich veröffentlicht sehen möchte, noch fehlt, ist ein großer Name, ein Ankermieter für seinen Szene-Campus an der Spree. Das geplante Design-Zentrum von Tesla würde er gerne haben. Doch bis zu Elon Musk reichen seine internationalen Kontakte noch nicht. Vom Unternehmertyp her würden Fabich und Musk gut harmonieren. Beiden sind Bürokratien und Bedenkenträger ein Graus. Entscheidungen fallen entweder sofort oder gar nicht. Und was nach alten Zöpfen aussieht, wird abgeschnitten.

Ein langjähriger Kunde von Riedel, Jürgen Karwelat, hat das am eigenen Leib erfahren. Er streitet sich mit Fabich über Verträge zu historischen Stadtrundfahrten. Seit 36 Jahren gebe es diese Kooperation zwischen Riedel und der Berliner Geschichtswerkstatt. Eine Mitarbeiterin von Riedel hatte diese Verträge nach dem Verkauf der Reederei zu den üblichen, für die Geschichtswerkstatt recht günstigen Konditionen unterzeichnet, doch Fabich erkennt sie nicht an. Die Mitarbeiterin habe keine Prokura mehr gehabt, außerdem seien die Fahrten Verlustbringer für die Riedel-Reederei.

Für die Freise-Brüder war der Verkauf ein Glücksfall

Für die Freise-Brüder war der Verkauf aus heutiger Sicht ein Glücksfall. Rechtzeitig vor der Coronakrise konnten sie das ohnehin schwächelnde Reederei-Geschäft abgeben, zu einem sehr attraktiven Kaufpreis. „Ihm (Fabich) ist das enorm viel Geld wert gewesen, die Lücke (zwischen Funkhaus und Altem Kraftwerk) zu schließen“, sagt Lutz Freise.

Die Freises hatten das mit Mineralöl verseuchte Grundstück in Oberschöneweide erst vor zehn Jahren gekauft und rund zehn Millionen Euro in die Sanierung und den Hafenausbau investiert. In den vergangenen Jahren sei das Geschäft mit den Ausflugsfahrten aber „immer anstrengender geworden“, sagt Freise, die Rendite immer kleiner. Da habe Fabichs Angebot „einen gewissen Reiz“ ausgeübt, „so einen Investor findet man kein zweites Mal.“ Für das Funkhaus soll Fabich zwölf Millionen Euro gezahlt haben, der Preis für die Reederei dürfte sich in ähnlicher Höhe bewegen.

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Dass Fabich die Reederei gegen die Wand fahren werde, glaubt Freise nicht. Fabich sei ein „sehr forscher Investor mit sehr hohem Anspruch, ein Workaholic mit vielen Ideen.“ Etwa einem Schiff als Studentenunterkunft oder einem Shuttle-Service für die Clubs an der Spree. Das „Hafenambiente“ passe gut zum Veranstaltungsbetrieb.

Dass Fabich Personal entlassen habe, tue ihm „extrem Leid für die Mitarbeiter“, sagt Freise, sei aber in der Coronakrise verständlich. Fabich verschlanke die Verwaltung, digitalisiere viele Vorgänge. Er selbst hätte als Chef in der Krise so nicht agieren können, sagt der ehemalige Reeder.

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