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Beim Bewundern der Elefanten fällt es sichtlich schwer, die Abstandsregeln einzuhalten. Thomas Loy
© Thomas Loy

Pandas kontra Pandemie Besucher im Berliner Zoo bleiben nicht auf Abstand

Eigentlich wäre genug Platz im Zoo für alle. Doch viele Besucher drängen sich vor beliebten Gehegen.

„Tiere hautnah“, so wirbt der Zoo, doch auf Tuchfühlung kommen sich vor allem die Besucher. Besondere Highlights wie das Pandahaus sind deswegen am Wochenende und an Feiertagen geschlossen. Das gehört zum Pandemie-Sicherheitskonzept. Am Samstagmittag stehen trotzdem ein paar Mütter mit ihren Kindern vor dem verschlossenen Tor des Pandahauses und warten darauf, dass es endlich aufgeht.

Kann der Zoo mit seinem begrenzten Platzangebot die Corona-Regeln durchsetzen? Einige Besucher hatten vergangene Woche den Eindruck, es sei zu voll auf den schmalen Wegen. Die Abstandsregeln könnten nicht eingehalten werden. Nach Angaben des Zoos haben die Berliner auf die Wiedereröffnung von Zoo und Tierpark in den ersten zwei Wochen eher „verhalten“ reagiert, insgesamt wurden nur 100.000 Tickets verkauft, erst seit ein paar Tagen verzeichne man einen wachsenden Zulauf, sagt Sprecherin Katharina Sperling. Um Überfüllung zu vermeiden, werden im Zoo täglich maximal 6500 Tickets verkauft, in normalen Jahren kämen im Mai bis zu 20.000 Besucher am Tag.

Die Tickets können nur online gekauft werden und sind zeitlich begrenzt. Das Vormittagsticket reicht von 9 bis 13 Uhr, das Mittagsticket von 11 bis 15 Uhr, für den Nachmittag gibt es zwei weitere Vierstunden-Tickets. Der Zoo begrenzt die Ticketverkäufe zwar, kontrolliert aber nicht, ob die Besucher vor Ablauf ihres Zeittickets den Zoo wieder verlassen haben. „Wir haben eine Besucherumfrage gemacht, vor Corona. Danach halten sich die meisten Besucher zwei bis drei Stunden im Zoo auf“, sagt Sperling.

Das Pandemiekonzept funktioniere bislang. Neben etlichen Schildern, auf denen an Mindestabstand und Niesetikette erinnert wird, gebe es Guides, die Besucher gezielt ansprechen und je einen „Schlangenmanager“ für Zoo und Tierpark.
Am Samstag ist von Warteschlangen keine Spur, auch nicht an den Eingängen - „zu kalt“, sagt Sperling. Sie rechnet nicht damit, dass es noch eng werden könnte. Dennoch sind bis zum frühen Nachmittag schon 6000 Tickets verkauft.

Es ist genug Platz für alle im Zoo, selbst der Gebirgspfad am Bärengehege ist jetzt kein Engpass. Dennoch kommt es vor einigen Gehegen zu Pulkbildungen. Die Erdmännchen sind einfach „zu süß“, wenn sie Männchen machen, sagte eine junge Frau. Da muss sie die Lücke am Geländer einfach kurz zum Fotografieren nutzen – die Corona-Hinweisschilder bleiben unbeachtet.

Die süßen Erdmännchen! Wer kann da auf Abstand bleiben? Foto: Thomas Loy Vergrößern
Die süßen Erdmännchen! Wer kann da auf Abstand bleiben? © Thomas Loy

Bisher gab es keine Corona-Fälle in Zoo und Tierpark

Das mit den Abstandsregeln werde schon etwas lockerer genommen, gibt Sperling zu, das sei im Zoo nicht anders als außerhalb. Immerhin habe die Polizei heute schon ihre Runde gedreht, zusammen mit dem Schlangenmanager, und nichts beanstandet. Einen Corona-Fall habe man bisher nicht registriert, weder unter den Besuchern noch beim Personal. Sollte sich die Situation ändern, wenn wieder mehr Touristen kommen, könne man bei den Regeln nachjustieren.

Eine Frau aus Lausanne, zu Besuch bei ihrem Sohn, hat das schon getan. Sie trägt eine Maske, „vielleicht nur, weil man sich wohler fühlt“. Aber auch, weil die Abstände im Pulk am Pandagehege nicht stimmen. Hier ist die Sorge, einen Blick auf die Bären zu verpassen, deutlich größer als die Angst vor Ansteckung. Das Außengehege der Pandas ist nicht gesperrt, dafür sind sie hier selten zu sehen. Der Pulk löst sich so schnell wieder auf wie er entstanden ist. Solange sich die Bären verstecken, hat das Virus keine Chance.

Inzwischen ist auch im Zoo die Zwei-Haushalte-Regel verbreitet. Einige Gruppen bestehen aus vier Erwachsenen und einer unübersichtlichen Zahl von Kindern. Eine Familie aus Hohen Neuendorf hat Freunde aus Thüringen mitgebracht. Dass zu viele Menschen im Zoo sind, finden sie nicht. „Im Supermarkt ist es gefährlicher“, sagt die Sprecherin der Gruppe, und kramt ihre Maske aus dem Rucksack – für alle Fälle. Maskenpflicht gilt ja auch in den Zooshops. Die begleitenden Männer nicken und lächeln.

Es scheint, dass alle gute Laune haben im Zoo und sehr locker sind. Es ist wie Urlaub von der Pandemie und ihren nervenden Regeln.

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