"Rabenmutter" oder zärtlich und besorgt? Bei allen Vermenschlichungen und Zuschreibungen bleibt Pandamutter Meng Meng ein Tier. Foto: Berlin Zoo/REUTERS TV
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Pandanachwuchs Tierisch begeistert

Die Berliner Pandababys rühren und begeistern viele Menschen. Sigrid Kneist kann das verstehen – mahnt aber dazu, an das Tier im Tier zu denken. Eine Glosse.

Keine Frage, das vom Zoo veröffentlichte Video von Meng Meng und ihrem Nachwuchs rührt die meisten Menschen. Und wenn die Pandababys erst einmal die fast unbehaarte Nacktmullphase überwunden und zu Fellknäueln herangewachsen sind, werden sie supersüß aussehen. Da muss man schon ziemlich hartgesotten sein, um sich nicht über Bilder von den schwarz-weißen Wesen zu freuen. Auch im Zusammenspiel mit Meng Meng, ihrer Mutter. Aber trotz alledem – Bärchen und Mutterbär sind keine Menschen, sie sind Tiere.

Deswegen ist bei sämtlicher Faszination und Begeisterung ein wenig Nüchternheit nicht verkehrt, auch sprachlich. Das ist nicht leicht, wenn selbst der Zoo und seine erfahrenen Biologen sich damit schwer tun. Das war bei den Berliner Pandas schon immer so: Als vor zwölf Jahren das Pandaweibchen Yan Yan an einem Tag plötzlich tot im Käfig lag, antwortete der Bärenkurator auf die Journalistenfrage, woran das Tier verendet sei, beinahe tadelnd und mit belegter Stimme: „Yan Yan ist nicht verendet, sie ist gestorben, sie war eine Persönlichkeit.“

In der vergangenen Woche verbreitete der Zoo nach der Ultraschalluntersuchung Meng Mengs die frohe Botschaft vom „schönsten Herzklopfen Berlins“. Da war auch schnell von der Hebammenstation im Bärengehege die Rede. Wird Meng Meng jetzt eigentlich als Wöchnerin betreut? Wir werden von ihr als liebevolle, zärtliche, besorgte Mutter lesen oder als Rabenmutter, sollte sie sich nicht um ihre Jungen kümmern. Unsere Emotionen kennt ein Tier jedoch nicht; es folgt seinen Instinkten.

Aber eine Frage hätte ich da noch. Was macht eigentlich Jiao Qing, der Herr Papa? Platzt er nicht vor Vaterstolz über die berühmtesten Zwillinge der Stadt?

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