Ihre Östrogenwerte sind hoch: Die Panda-Dame Meng Meng im Zoo Berlin. Foto: Paul Zinken/dpa
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Panda-Paarung im Berliner Zoo Er hat keine Lust

Nora Tschepe-Wiesinger

Bei den Pandas im Zoo stehen die Zeichen auf Fortpflanzung. Das haben zumindest die Experten festgestellt. Nur einer will davon erst einmal nichts wissen.

„Sie quiekt wie ein Schweinchen, es ist zuckersüß.“ Seit zehn Tagen signalisiert das fünfjährige Panda-Weibchen Meng Meng im Zoo mit solchen Lauten ihre Paarungsbereitschaft und versetzt damit nicht nur Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem in Aufregung. „Ich habe kaum geschlafen“, entschuldigt sich Panda-Revierleiter Norbert Zahmel zu Beginn des Pressetermins am Freitagvormittag.

Zahmel und Knieriem betreuen mit vier weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Zoologischen Garten sowie zwei extra aus China eingeflogenen Panda- Experten derzeit rund um die Uhr die paarungswillige Meng Meng und ihren bisher eher zurückhaltenden Gehege-Nachbarn, den achtjährigen Jiao Qing. Zahmel und sein Team nehmen mehrmals täglich und auch nachts Urinproben des Panda-Weibchens, die dann im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ausgewertet werden.

Die jüngsten Ergebnisse der Hormon-Analysen verursachten weitere Aufregung: Meng Mengs Östrogenwerte sind hoch – so hoch, wie sie bei Pandabärinnen nur ein Mal im Jahr sind, wenn sie für gerade mal 24 bis 72 Stunden empfängnisbereit sind. Dann muss es schnell gehen und ein Panda-Männchen zur Stelle sein. Was in der Natur eine echte Herausforderung ist, lässt sich im Zoo leicht realisieren. Seit ihrer Ankunft aus China im Juni 2015 sind Meng Meng und Jiao Qing nur durch eine Glasscheibe getrennt.

Seitdem Meng Meng vor ein paar Tagen ihre Paarungsbereitschaft signalisiert hatte, waren die beiden Bären sich erstmals an einem engmaschigen Zaun nahegekommen. Am Freitagmorgen kam es dann zu einem ersten Treffen im Gehege der Bärin. „Mengs Mengs Verhalten und ihre Östrogenwerte sind eindeutig. Wir mussten sie jetzt zusammenlassen“, sagte Knieriem. Dabei sei dann aber enttäuschend wenig passiert.

Die Tiere hätten zwar positiv aufeinander reagiert, aber deutlich zur Sache ging es bisher nicht. Die dominante Meng Meng habe dem zurückhaltenden Jiao Qing deutliche Avancen gemacht und ihn laut Panda-Revierleiter Norbert Zahmel regelrecht zur Kopulation aufgefordert, doch dieser habe bisher verhalten reagiert. „Meng Meng hat definitiv die Hosen an und Jiao Qing traut sich noch nicht so richtig“, berichtete Zahmel.

Nach wenigen Minuten gab Meng Meng ihm eine Backpfeife

Beide Tiere seien noch jungfräulich und daher unerfahren in Sachen Fortpflanzung. „Jiao Qing tut bisher nicht das, was Meng Meng ihm abverlangt“, sagte auch Zoodirektor Knieriem. Das Männchen habe sich beim ersten Treffen sogar so ungeschickt angestellt, dass Meng Meng ihm nach wenigen Minuten eine Backpfeife verpasst hätte. Bereits nach 20 Minuten hätten die beiden Bären dann das Interesse aneinander verloren und wurden wieder getrennt.

Um 12 Uhr Mittag liegt Jiao Qing rücklings in seinem Gehege, das schwarz- weiße Fell an die Glasscheibe gedrückt, gut sichtbar für die vielen Besucherinnen und Besucher. Wann es zu einem nächsten Annäherungsversuch zwischen den beiden Bären kommen soll, konnten Knieriem und Zahmel am Freitag noch nicht sagen. Meng Mengs Östrogenwerte werden weiterhin überprüft.

Sobald die Werte abfallen und die Progesteronwerte steigen, ist es für eine natürliche Befruchtung aber schon zu spät. Im Zoo strebe man zwar mit allen Mitteln einen „Natursprung“ an, aber sollte das nicht klappen, stehe in der im Panda-Garden integrierten Tierklinik vorsorglich schon alles breit für eine künstliche Befruchtung.

Ob Meng Meng trächtig ist, lässt sich erst im Juni feststellen

Im chinesischen Panda-Aufzucht- und Forschungszentrum in Chengdun, aus dem auch Meng Meng und Jiao Qing kommen, wurden bisher bei 60 künstlichen nur drei natürliche Befruchtungen „durchgeführt“, ließ der Berliner Zoo wissen. Außerhalb Chinas gelte es als großer Vertrauensbeweis seitens der chinesischen Experten, eine natürliche Paarung versuchen zu dürfen.

Ob Meng Meng trächtig ist, ließe sich ohnehin erst frühestens im Juni, also vier Wochen vor einer Geburt des Nachwuchs, feststellen. Denn nach der Befruchtung setzt bei Großen Pandas genau wie bei Eisbären eine sogenannte Embryonale Diapause ein, „eine unterschiedlich lang dauernde Keimruhe, in der sich die befruchtete Eizelle nicht weiterentwickelt“, erläuterte der Zoologische Leiter Ragnar Kühne.

Es wäre das deutschlandweit erste Panda-Kind

Danach beträgt die eigentliche Entwicklungszeit noch 45 bis 60 Tage. Auf Panda-Nachwuchs dürfte der Zoo Berlin also frühestens im Juli/August hoffen. Es wäre deutschlandweit der erste. Mit dem letzten Großen Panda Berlins, Bao Bao, und seinen Gefährtinnen wollte es mit der Fortpflanzung partout nicht klappen.

Bao Bao war 1980 als Staatsgeschenk an Bundeskanzler Helmut Schmidt in den Berliner Zoo gekommen. Am 22. August 2012 starb er im hohen Alter von 34 Jahren – sein Sperma wird tiefgefroren aufbewahrt und steht noch immer für künstliche Befruchtungen zur Verfügung.

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