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Im Unterricht gelten strenge Regeln. Jeder Schüler muss eine Maske tragen. Foto: Matthias Balk/ dpa
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Offener Brief zum Schutz der Kinder Eltern, Mediziner und Psychologen protestieren gegen Corona-Schulpolitik

Am Montag wollen Eltern der Bildungssenatorin in Berlin einen Protestbrief überreichen. Sie fordern einen Infektionsschutz, der weniger zulasten der Kinder geht.

Mehr als 5000 Eltern sowie zahlreiche Mediziner und Psychologen haben einen Offenen Brief an die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsidenten und die Bundestagsabgeordneten geschrieben, um erneut auf die Situation der Kinder und Jugendlichen in der Pandemie aufmerksam zu machen. Überreicht werden soll der Brief am Montag an Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

In dem Brief kritisieren die Eltern die aktuelle Entwicklung bei Kitas und Schulen aufgrund des neuen Infektionsschutzgesetzes. Die Kitas sind derzeit wieder im Notbetreib, den Schulen droht bei steigender Inzidenz (ab 165) eine erneute Schließung. Beanstandet werden außerdem "automatische Gruppensportverbote" in Abhängigkeit von "Melde-Inzidenzen".

"Die Solidarität, die wir Kindern bereits seit Monaten abverlangen, geht auf Kosten ihrer Bildungs- und Entwicklungschancen, ihrer psychischen Gesundheit und ihrer körperlichen Unversehrtheit", heißt es in dem Brief. Gefordert wird ein Infektionsschutz, der mehr die Welt der Erwachsenen in den Blick nimmt und weniger die Rechte der Kinder einschränkt.

Hinter der Aktion steht der Verein Initiative Familie, der sich deutschlandweit aufgrund der Corona-Einschränkungen in Kitas und Schulen gegründet hat.

Mitunterzeichnet haben den Brief mehr als 300 Lehrer oder Pädagoginnen. Außerdem mehr als 40 Experten aus Medizin und Wissenschaft, darunter Kinderärzte, Virologen, Psychologen. Zu den bekanntesten Unterzeichnern zählen unter anderem der Charité-Epidemiologe Stefan Willich, die Virologen Jonas Schmidt-Chanasit, Klaus Stöhr und Detlev Krüger (der ehemalige Direktor des Instituts für Virologie, und Vorgänger von Christian Drosten) sowie der Berliner Kinderarzt Jakob Maske, der außerdem Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ist.

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"Uns stößt immer wieder übel auf, dass für Erwachsene deutlich weniger strenge Maßnahmen, insbesondere im Berufsleben, gelten als für Kinder und Jugendliche", heißt es weiter in dem Brief. Bemängelt wird dass trotz Impffortschritts bei Lehrerinnen und Erziehern sowie eines umfassenden Testsystems in den Schulen bald wieder die Schließung drohe.

Die Eltern wollen der Senatorin den Rücken stärken

Am Montag um 16 Uhr soll der Offene Brief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres übergeben werden. Entgegennehmen soll ihn ihr Pressestellenleiter Thorsten Metter bei einem Treffen in der Senatsverwaltung in Mitte.

Überreichen wird ihn der Sprecher der Initiative Familie, Milan Renner, gemeinsam mit Christine Busch, Kinderärztin im St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Tempelhof.

„Wir sehen die Übergabe nicht als Konfrontation mit der SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres, sondern wollen ihr mit dem Brief den Rücken stärken, damit sie sich weiterhin für die Kinder und Jugendlichen in Berlin einsetzt“, sagt Milan Renner.

Am liebsten würden sie den Brief direkt im Kanzleramt übergeben, doch dort hätte man bislang keinen Termin. 

Bildungssenatorin Scheeres hatte vergangene Woche den Inzidenzwert für Schulschließungen von 165 als „willkürlich“ bezeichnet, „die für Schülerinnen und Schüler auch problematische Auswirkungen haben“ werde. Zudem hatte sie kritisiert, dass man Schulen früher schließe als Bereiche aus der Wirtschaft, obwohl es an den Schulen eine viel umfänglichere Teststrategie gebe. In Berlin liegt die Inzidenz derzeit bei 135,4.

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