Heilige Hits. Die „Altar Boyz“ treten in der Bar jeder Vernunft auf. Foto: Sarah Murrenhoff
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Off-Musical in Berlin Boybands back again - Musical-Comedy mit den "Altar Boyz"

Sarah Murrenhoff
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Neunziger, Boybands und ein bisschen Fanatismus. Am 15. Januar feiert die deutschsprachige Version der Musical-Comedy „Altar Boyz“ in Berlin Premiere.

Jetzt wird’s ernst. Ernsthaft albern. Denn die „Altar Boyz“, eine fiktive Boygroup aus den Vereinigten Staaten, feiern ihr Comeback und boomen sich direkt aus den Neunzigern ins Jahr 2019, um Berlinerinnen und Berliner beim Dernièrenabend ihrer „Sensation Christ Tour“ um den Verstand zu singen.

So weit die Handlung der Musical-Comedy-Show aus den Seitenstraßen des Broadway, die am 15. Januar in der Bar jeder Vernunft in Berlin-Wilmersdorf ihre deutschsprachige Erstaufführung feiert.

Altar Boyz – das weckt Erinnerungen an die bekannteste Boy Band aller Zeiten rund um Nick Carter. Es ist außerdem das englische Wort für Messdiener.

Sie heißen wie Evangelisten

Denn die fünf fiktiven Bandmitglieder haben eine Mission: Mit ihren silberglänzenden Hosen, weißen Turnschuhen und Tennissocken, Stirn- und Schweißbändern, Nietengürteln und Paillettenwesten entführen sie die Zuschauer in die funkelnde Welt der Boybands – mit religiösem Touch. Nicht umsonst lautet der Untertitel des Musicals „Am achten Tag schuf Gott die Boyband“. Die Songtexte der Altar Boyz verkünden nichts Geringeres als die frohe Botschaft selbst. So sind vier der fünf Mitglieder nach den Evangelisten benannt: Matthew (Matthäus), Mark (Markus), Luke (Lukas) und Juan (Johannes).

Matthew (Tobias Bieri), der blondgelockte Frontmann und Mädchenheld, gründete die Band. Mark (Martin Mulders) ist ein einfühlsamer Junge mit einem Geheimnis und einem Faible für Cher. Luke (Christopher Bolam) ist der Bad Boy der Gruppe, hat aber trotzdem ein großes Herz. Juan (Daniel Tejede) ist ein lateinamerikanischer Waisenjunge, der Frauenherzen höher schlagen lässt. Und dann ist da noch Abraham (Tom Schimon), der sich als Jude nicht so ganz sicher ist, wieso er überhaupt in dieser Band ist, aber dennoch fleißig die Songs für die Band schreibt. Und die Geschichte dieser Jungs, erzählt „Altar Boyz“.

Zwischen Hommage und Persiflage

Die von einer vierköpfigen Band unter der musikalischen Leitung von Lidia Kalendareva produzierten Songs bewegen sich zwischen Pop, Jazz, Rap, Blues und Hip-Hop und haben Lyrics wie „Jesus folgte mir auf Insta... er sagte: Mach Shoutout und poste mein Wort!“

Das Heilsversprechen des Showabends, der sich irgendwo zwischen Hommage und Persiflage bewegt: Am Ende soll es keine einzige „belastete“ Seele im Publikum mehr geben. Auf dem Programm stehen die zentralen Themen der Jugend. Liebe, Solidarität, Freundschaft und die Angst vor Außenseitertum. Und der Himmel gab ihnen den Beat dazu.

OFFstage Germany bringt Off-Musicals nach Deutschland

Die Gruppe rund um Regisseur und Choreographen Michael Heller bringt noch etwas anderes nach Deutschland – das Phänomen des Off-Musicals. Während in New York am Broadway oder in London am West End Low-Budget-Produktionen schon lange etabliert sind, ist das Genre in Deutschland noch kaum vertreten.

Der gemeinnützige Verein „OFFstage Germany e.V.“, der das Musical inszeniert, möchte das ändern. 2017 schlossen sich drei Musical-Absolventen unterschiedlicher Kunsthochschulen zusammen, um auch in Deutschland Stücke jenseits des Mainstreams auf die Bühne zu bringen.

Nach „Thrill Me“, einem Zwei-Personen-Kammermusical, ist „Altar Boyz“ die zweite Produktion von OFFstage Germany. Der große Unterschied zur wirklichen Boyband: Ob Darsteller, Choreograph, Regisseur oder musikalische Leiterin – sie arbeiten alle ehrenamtlich. Gar kein Problem - As long, as you love them.

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