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Die Flamme brennt noch: Die Zukunft der PCK-Raffinerie in Schwedt wird derzeit auf vielen Ebenen verhandelt. Foto: REUTERS/Hannibal Hanschke
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Update Öl-Raffinerie von russischem Rosneft-Konzern Steigt ein Brandenburger Unternehmen bei PCK in Schwedt ein?

Die Zukunft der mehrheitlich russischen Raffinerie Schwedt ist ein zentrales Problem bei den Planungen für ein Öl-Embargo. Jetzt zeigt die Enertrag Interesse.

Gibt es eine regionale Lösung für die Zukunft der PCK-Raffinerie in Schwedt? Das brandenburgische Energieunternehmen Enertrag SE führt derzeit Gespräche über einen Einstieg bei dem ölverarbeitenden Betrieb - beide sind in der Uckermark beheimatet. Einen entsprechenden Bericht des „Handelsblatt“ bestätigte Enertrag-Sprecher Matthias Philippi am Mittwoch.

„Uns liegt als in Brandenburg ansässiges und dort auch lange Jahre verwurzeltes Unternehmen am Herzen, dass der Standort erhalten bleibt.“ Deswegen werde die Möglichkeit geprüft, PCK auf einen „grünen Betrieb“ auf Basis von grünem Wasserstoff umzustellen, sagte der Sprecher.

Das gehe nicht von heute auf morgen, aber Enertrag sei in Gesprächen mit dem Werk und versuche zu einer Lösung beizutragen. Weitere Einzelheiten wollte der Sprecher mit Verweis auf die laufenden Gespräche nicht nennen. Dem „Handelsblatt“ hatte er zudem mitgeteilt: Man befinde sich aktuell im Austausch mit der Landesregierung sowie dem Bundeswirtschaftsministerium.

Die Enertrag SE erzeugt Strom und Wärme ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben 772 Windenergieanlagen und kann mit dem erzeugten Strom den Energiebedarf von 1,9 Millionen Menschen klimaneutral decken. Bei der Produktion von grünem Wasserstoff zählt Enertrag zu den Vorreitern.

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Das Bundeswirtschaftsministerium wollte diese Entwicklung nicht kommentieren. „Die Bundesregierung kennt die Komplexität der Raffinerie Schwedt und arbeitet intensiv an einer Lösung“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Details dazu nannte sie nicht.

Allerdings hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne), der auch seinen Wahlkreis in der Uckermark hat, sich bereits Anfang Juni zuversichtlich gezeigt, dass in Schwedt eine „grüne Raffinerie“ entwickelt werden könne. Viel grüner Strom sei vorhanden, es gebe viel Platz und eine Bevölkerung, die Industrieansiedlung wolle, sagte Kellner. Zudem sei hochkompetentes Personal vor Ort.

Verstaatlichung von PCK Schwedt? Sorge vor russischer Vergeltung

Auch das Energieunternehmen Alcmene zeigt laut „Handelsblatt“ Interesse an der Übernahme der PCK-Raffinerie, die bisher mehrheitlich zum russischen Staatskonzern Rosneft gehört und russisches Öl verarbeitet. Zudem hat dem Blatt zufolge auch Biokraftstoff-Unternehmer Claus Sauter, Vorstandschef der Verbio, Interesse an PCK angemeldet.

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Die Bundesregierung sucht seit Wochen nach einer Lösung für die Zukunft der Schwedter Raffinerie. Insidern zufolge ist es das Ziel, die viertgrößte Raffinerie in Deutschland der Kontrolle durch Russland zu entziehen. Dazu gehöre auch eine mögliche Verstaatlichung. Die Sorge sei aber groß, dass ein solcher Schritt von Russland mit Vergeltung beantwortet würde, etwa durch geringere Gaslieferungen.

Schwedt spielt eine große Rolle für die Versorgung von Berlin und dem Umland der Hauptstadt. Neben Frage nach dem künftigen Eigentümer gibt es derzeit auch Planungen, wie die Raffinerie übergangsweise mit Öl versorgt werden kann, wenn ein Embargo für russisches Öl in der EU kommt.

Im Gespräch sind zwei neue Lieferwege, das Öl käme dabei jeweils per Tanker: über den Hafen Rostock und eine bereits existierende Pipeline nach Schwedt sowie über den Hafen im polnischen Danzig, ebenfalls über existierende Leitungen. (Tsp, dpa, Reuters)

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