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Leerlauf in Tegel. Die Tage des Flughafens sind gezählt, in weiten Teilen des Geländes ist jetzt schon Stillstand. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
© Kitty Kleist-Heinrich

Obere Luftfahrtbehörde prüft Antrag Noch ist die Tegel-Schließung nicht sicher

Bürgerinitiativen und Flughafengesellschaft planen schon eine Abschiedsfeier für Tegel. Doch für eine Schließung müssen 300 Beteiligte zustimmen.

Helmut Möller klingt am Telefon erleichtert. Seit Wochen hat er endlich Ruhe in seiner Wohnung am Rande der Einflugschneise in Reinickendorf. Die Corona-Pandemie hat den Flugverkehr einbrechen lassen, im Schnitt landen in Tegel nicht mal mehr ein Dutzend Flugzeuge am Tag.

Seit sich am Mittwoch die Gesellschafter darauf geeinigt haben, Tegel temporär schließen zu wollen, weiß er, dass er wohl auch in Zukunft nicht mehr mit dem Lärm leben muss. „Das ist schon eine Genugtuung. Es hat gefruchtet, dass wir hartnäckig geblieben sind“, sagt Möller.

Seit Jahren kämpft er mit anderen Anwohner gegen die Offenhaltung von Tegel, 2011 gründete er die Bürgerinitiative „Tegel endlich schließen“ mit. Nun wähnt er sich am Ziel – und will das auch feiern. „Wir haben noch nichts geplant, aber wir werden definitiv was machen.“

Auch die Flughafengesellschaft FBB will Tegel würdig verabschieden. „Dieser Flughafen ist uns wichtig. Wir werden Tegel nicht sang- und klanglos schließen“, sagte eine Sprecherin. Bislang sei für den 31. Oktober die Eröffnungsfeier für den BER und für den 8. November eine Abschiedszeremonie für Tegel geplant.

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Doch wegen der Coronavirus-Pandemie dürften die Feierlichkeiten anders ablaufen als ursprünglich geplant. Eigentlich hätten sich die Berlinerinnen und Berliner vor Ort vom Hexagon verabschieden dürfen, das ist jetzt noch unklar.

"Es wird zeitnah eine Entscheidung geben"

Dabei ist die Entscheidung noch gar nicht gefallen, ob Tegel endgültig schließt. Bislang hat sich lediglich die Gesellschafterversammlung des Flughafens – also Bund, Berlin und Brandenburg – auf eine temporäre Schließung zum 15. Juni verständigt. Nun liegt der Antrag bei der Oberen Luftfahrtbehörde, die in der Verkehrsverwaltung angesiedelt ist. Dort müssen nun Antrag und Einsprüche geprüft werden, rund 300 Beteiligte wurden dafür kontaktiert. Jeder Ladenbesitzer im Terminal, jede Fluggesellschaft und auch die verschiedenen Bundesministerien hatten Zeit, Einwände einzureichen.

Nur für Mitarbeiter: Terminal A wird bereits seit Wochen nicht mehr genutzt. Foto: REUTERS Vergrößern
Nur für Mitarbeiter: Terminal A wird bereits seit Wochen nicht mehr genutzt. © REUTERS

Vor allem die Fluggesellschaften haben davon offenbar Gebrauch gemacht, da sie wegen eines Umzugs nach Schönefeld mit Mehrkosten rechnen und zudem auf steigende Fluggastzahlen in den Sommerferien spekulieren. Nun muss die Behörde die Einsprüche prüfen, damit eine temporäre Schließung nicht rechtlich anfechtbar ist. „Es wird zeitnah eine Entscheidung geben“, hieß es aus der Verkehrsverwaltung.

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Erst wenn die Obere Luftfahrtbehörde den Antrag zum temporären Erlass der Betriebspflicht genehmigt hat, kann die Flughafengesellschaft FBB Tegel schließen. Rund eine Woche benötige man dafür, war von Seiten der FBB zu hören.

Bei der Berliner FDP will man nichts von Abschiedsfeiern wissen. „Die FDP macht sich im Moment nur Gedanken darüber, wie Tegel am Netz bleiben kann“, sagte Fraktionschef Sebastian Czaja. Wegen der geltenden Abstandsregeln und steigender Fluggastzahlen werde Schönefeld allein nicht reichen. Experten würden ihm dies bescheinigen. „Ich meine das nicht ideologisch, sondern pragmatisch“, versichert Czaja.

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