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Der scheidende Amtsinhaber Jann Jakobs von der SPD muss bald auch den echten Schlüssel zum Rathaus abgeben. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
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Oberbürgermeisterwahl Machtverschiebungen in Potsdam

Die erste Runde der Oberbürgermeisterwahl ist vorbei. SPD und Linke gehen in die Stichwahl. Alles wie immer in Potsdam? Keineswegs, wie die Analyse zeigt.

Potsdam hat gewählt: Der Kandidat der SPD, Mike Schubert, liegt vor der Bewerberin der Linken, Martina Trauth. Es kommt zur Stichwahl. Alles wie immer? Nein, es gibt durchaus deutliche Machtverschiebungen. Ein Überblick.

Wo wurde die Wahl entschieden?

Potsdam wächst zwar im Norden, entschieden wurde die Wahl aber im Süden der Stadt. Ausschlaggebend dafür waren in erster Linie die auffälligen Verschiebungen in den Plattenbauvierteln. Die früheren Hochburgen der Linken fielen diesmal alle an die SPD. Für die parteilose Linke-Kandidatin Martina Trauth blieb in diesen Stadtteilen immer nur der zweite Platz, mit Werten zwischen 22 und 26 Prozent. Schubert konnte hingegen jeweils um die 30 Prozent gewinnen und blieb damit nur leicht unter dem SPD-Niveau von 2010.

Was zeigt die Wahl noch?

Zweierlei. Einmal ist offenbar nur wenig Wechselstimmung in Potsdam vorhanden. So kamen die Kandidaten der Parteien der jahrelang regierenden Rathauskooperation – also SPD, Grüne und CDU/ANW – auf knapp 60 Prozent. Noch größer ist allerdings der Wählerwillen für eine linkere, liberalere Politik: SPD, Linke, Grüne und Die Andere kommen zusammen auf mehr als 70 Prozent.

Wo gibt es Hochburgen?

Im Vergleich zu 2010 hat Schubert für die SPD zwar insgesamt rund zehn Prozent eingebüßt. Gleichwohl gelang es ihm, alle Stadtteile zu gewinnen. Vor ihm gelang das nur Matthias Platzeck, der 1998 sogar in allen Stadtteilen die absolute Mehrheit erreichte, was eine Stichwahl überflüssig machte. Mehr als 35 Prozent erhielt Schubert etwa im Kirchsteigfeld, in Sacrow und in der Templiner Vorstadt. Trauth hatte ihre besten Ergebnisse – trotz aller Verluste – in den Plattenbaugebieten. Auch in der Brandenburger Vorstadt und der südlichen Innenstadt holte sie um die 20 Prozent. CDU-Kandidat Friederich war besonders stark im Norden, etwa mit 29,2 Prozent in Groß Glienicke. Dennoch lag Schubert dort ebenso vorn wie in der mondänen Berliner Vorstadt. Der rechtspopulistische AfD-Kandidat Dennis Hohloch war besonders stark am Schlaatz – mit 23,4 Prozent bekam er dort so viele Stimmen wie Trauth.

Die Kandidaten von SPD und Linke liegen zwar vorn, haben jedoch beide im Vergleich zur Wahl 2010 Stimmenanteile verloren. Woran liegt das?

Womöglich vor allem an der Bekanntheit – Trauth war als Gleichstellungsbeauftragte im Rathaus vor ihrer Kandidatur ein politisch unbeschriebenes Blatt. Und auch Schubert war zwar als früherer SPD-Chef und jetziger Sozialdezernent durchaus bekannt geworden. Allerdings hatte er unter anderem mit dem Malus zu kämpfen, schon zwei Landtagswahlen verloren zu haben.

Gibt es Erkenntnisse, wie der hohe Zuzug nach Potsdam sich ausgewirkt hat?

Ja. Beispiel: Das schnell wachsende Bornstedter Feld. Von 10727 Wahlberechtigten gingen 44,5 Prozent zur Wahl – und wahrscheinlich sogar noch mehr, weil die Briefwähler hier nicht eingerechnet sind. Auch hier setzte sich Schubert mit 33,6 Prozent durch – es folgte CDU-Kandidat Friederich mit 21,4 Prozent, erst dann kam Trauth mit 16,5 Prozent. Eine ähnliche Rangfolge lässt sich in Zuzugsgebieten wie Bornim und Golm feststellen. Daran zeigt sich: Bei weiterem Zuzug könnte die CDU durchaus profitieren.

Wie geht es jetzt weiter?

Die SPD will vor der Stichwahl am 14. Oktober mit ihren Wahlkampfbemühungen nicht nachlassen. „Wir müssen deutlich machen, dass es noch einmal auf jede Stimme ankommt“, sagte Parteichef David Kolesnyk am Montag. Ebenso wolle man mit den unterlegenen Parteien – außer der AfD – sprechen, ob diese eine Wahlempfehlung für Schubert abgeben.

Doch vor allem müssen nun die Linken zulegen, wollen sie noch eine Chance haben. Der frühere Oberbürgermeister-Kandidat und Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sagte, so eine Stichwahl habe mit ihrer Zuspitzung ihre eigenen Gesetze. „Und Frau Trauth ist eine echte Alternative“, sagte Scharfenberg seine Unterstützung zu. Mit Blick auf die Verluste der Linken sagte Scharfenberg auf Nachfrage, er behalte sich auch vor, zur Kommunalwahl im Mai einmal mehr anzutreten. Ob Grüne oder CDU Wahlempfehlungen abgeben, wird noch beraten. Die Fraktion Die Andere unterstützt die Linke nicht.

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