Fotograf einer Ära. Mehr als zwei Millionen Fotos hat Pete Souza von Barack Obama gemacht, ein kleiner  Teil davon ist nun im Museum „The Kennedys“ zu sehen. Foto: Mike Wolff
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Obamas Fotograf Privat, aber nicht zu privat

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Unzählige Aufnahmen hat Barack Obamas Fotograf Pete Souza geschossen. Im Museum „The Kennedys“ stellte er sein Buch über den Ex-Präsidenten vor.

Der Mann steht in irgendeiner sonnendurchglühten Steinwüste, behängt mit Kameras, wohl während einer der zahlreichen Dienstreisen seines Chefs. Ein Foto, wie es jeder Tourist hinbekäme. Nur war die Person hinter dem Sucher nicht irgendein Ferienreisender, sondern Barack Obama, seinerzeit US-amerikanischer Präsident.

Insgesamt 352 Aufnahmen enthält der Fotoband „Barack Obama: Bilder einer Ära“ des ehemaligen Cheffotografen des Weißen Hauses, Pete Souza. Eine winzige Auswahl nur aus der Menge von mehr als zwei Millionen Fotos, 500 bis 2000 pro Tag, die Souza während Obamas Präsidentschaft schoss. Das allerletzte im Buch aber hat der Präsident höchstpersönlich angefertigt: Souza in der Wüste. Ob Obama gut fotografiere? Souza schüttelt den Kopf. Sorry, Mr. President.

Am Sonntag war Souza im Museum „The Kennedys“ in der Auguststraße, das eine Auswahl seines Obama-Bilderbogens in einer Sonderausstellung zeigt – passender Rahmen für den Fotografen, über seine Arbeit zu sprechen, die ihn in offizieller Funktion schon lange vor Obamas Präsidentschaft nach Berlin führte. Auch Ronald Reagan hatte Souza als Cheffotograf gedient, er war auch dabei, als dieser seine berühmte Forderung stellte: „Mr. Gorbachev, tear down this wall!“

Zu Obama bekam er als Washingtoner Fotograf der „Chicago Tribune“ Kontakt, begleitete dessen politische Laufbahn, seit er 2005 Senator für Illinois wurde, zog dann mit ihm drei Jahre später ins Weiße Haus. „Obama mochte eben die Art, wie ich arbeite.“

Wozu stets ein Bemühen um etwas gehörte, was für Souza gute Bilder ausmacht und was er „Authentizität“ nennt. Und bei aller Nähe zum mächtigsten Mann der Welt, der eben auch in vielen privaten Situationen gezeigt wurde – zu intim durfte diese Nähe nicht werden. Dabei habe es keine schriftlich festgelegte Linie gegeben, wo diese Grenze zwischen „privat“ und „zu privat“ liege. Das Wissen darum gründe in Intuition, erzählt Souza und erzählt auch gleich von einer Szene, als eine der beiden Töchter Obamas ihrem Vater abends von ihrem Tag erzählen wollte: Das hat er kurz dokumentiert, sich aber rasch zurückgezogen, Vater und Tochter sich selbst überlassen.

Trump? Den hat er nur einmal fotografiert, als er nach der Wahl Obama im Weißen Haus besuchte.

Die Ausstellung von Pete Souza ist im Museum „The Kennedys“, Auguststraße 11–13 in Mitte, noch bis 29. April zu sehen. Mehr Infos unter www.thekennedys.de. Das im Prestel-Verlag erschienene Fotobuch kostet 42 Euro.

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