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Durchschnittlich 80 Bäume säumen jeden Berliner Straßenkilometer. Aber es werden immer weniger. Foto: imago stock&people
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Nur ein Bezirk pflanzt mehr, als gefällt wird Berlin verliert seine Straßenbäume

Der Schwund der Straßenbäume ist gebremst, aber nicht gestoppt. Manche Bezirke schließen bewusst nicht jede Lücke, die Unwetter reißen.

Der Schwund der Straßenbäume in Berlin ist noch immer nicht gestoppt - und die Nachwirkungen der drei rekordwarmen und extrem trockenen Jahre seit 2018 lassen weitere große Verluste befürchten. Eine Aufstellung der Umweltverwaltung nennt für Ende 2020 die Gesamtzahl von 430.358 Straßenbäumen. Das sind 743 weniger als ein Jahr davor. Im Vergleich zu 2016, dem Beginn der rot-rot-grünen Legislaturperiode, beträgt der Verlust sogar 7567 Bäume.

Der Rückgang entspricht einem schon länger vorhandenen Trend, den die Koalition aus SPD, Grünen und Linke stoppen wollte. Zumindest konnte sie ihn bremsen, denn seit 2017 sinken die Zahlen langsamer als in den Jahren davor – und die Budgets, die die Bezirksämter für die Baumpflege erhalten, wurden deutlich erhöht.

Auf Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (fraktionslos) teilte die Umweltverwaltung jetzt mit Verweis auf die Bezirksämter mit, dass im vergangenen Jahr insgesamt 5833 Bäume gefällt worden seien. Zur Frage, ob die Verluste ausgeglichen worden seien, heißt es aus zehn von elf Bezirken (Spandau fehlt in der Antwortliste): Nein. Mehrere Bezirksämter fügen hinzu, dass Ersatz nicht überall sinnvoll sei, weil es beispielsweise an Licht und Platz für die Wurzeln mangele.

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Der Friedrichshain-Kreuzberger Grünflächenamtsleiter Felix Weisbrich hatte kürzlich erklärt, in Berlin seien jahrelang "mit wenig Geld viele Bäume gepflanzt" worden, was nun Probleme mache, weil die Wurzeln sich nicht entwickeln können und Gehwege ramponieren. Aber auch von finanziellen und personellen Engpässen ist in der Antwort auf Luthes Anfrage mehrfach die Rede.

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Als einziger Bezirk weist Mitte für die Zeitspanne von 2017 bis Anfang 2021 eine positive Bilanz aus – mit einem Plus von 290 Bäumen.

Dagegen wurden seit 2017 in Treptow-Köpenick 3559 Bäume gefällt und nur 2028 nachgepflanzt. Von denen wiederum stammen 620 aus der Stadtbaumkampagne des Senats, die eigentlich frühere Verluste kompensieren und nicht die desaströse Bilanz einzelner Bezirke aufbessern sollte. Über diese Kampagne wurden seit Ende 2012 rund 12.000 Bäume finanziert.

Andere Bezirke lieferten keine so detaillierten Aufstellungen wie Treptow-Köpenick. Aus Friedrichshain-Kreuzberg hieß es, eine aussagefähige Statistik existiere erst seit 2019. Das dortige Bezirksamt hatte vor kurzem massive Fällungen fürs nächste Jahr angekündigt, weil hunderte Bäume die Stürme, Hitze und Dürre der vergangenen Jahre nicht überstanden hätten.

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