Die Charité in Berlin koordiniert die Verteilung der Coronavirus-Patienten. Foto: REUTERS/Michele Tantussi
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Notfallkonzept für Coronavirus-Pandemie Wie sich Berlins Kliniken auf viele Schwerkranke vorbereiten

Für Berlin gibt es nun ein Notfallkonzept – demnach koordiniert die Charité die Verteilung der Coronavirus-Patienten. Vier Eskalationsstufen sind eingeplant.

Die Berliner Krankenhauslandschaft bereitet sich auf einen Ansturm von schwer kranken Patienten vor, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Dazu haben Intensivmediziner der Stadt einen Maßnahmenkatalog zur „Sicherstellung der akuten, intensivmedizinischen Versorgung im Epidemiefall Covid-19 für das Land Berlin“ verfasst.

Das Notfallkonzept, das dem Tagesspiegel vorliegt, war am Dienstag auch Thema im Senat. Nach diesem Konzept werden die Berliner Krankenhäuser, die über Intensivbetten verfügen, in drei Level eingeteilt.

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Das Level-1-Zentrum, das die gesamte Intensivversorgung von Covid-19-Patienten koordiniert, ist die Charité.

Dort gibt es ein Zentrum, das auf die Therapie von Patienten mit akutem Lungenversagen spezialisiert ist, das ein Symptom einer besonders schwer verlaufenden Covid-19-Erkrankung ist. Dieses ARDS/ECMO-Zentrum verfügt nach eigenen Angaben über 56 Behandlungsplätze.

Experten erwarten, dass rund 5 Prozent intensivmedizinische Versorgung brauchen

Nach den Erfahrungen aus China und Italien erwarten die Verfasser des Papiers, dass rund fünf Prozent der Coronavirus-Infizierten eine intensivmedizinische Versorgung benötigen und von diesen wiederum die Hälfte sterben wird.

Eine weitere Erfahrung aus den beiden besonders vom Coronavirus betroffenen Ländern sei, dass sich rund 30 Prozent des medizinischen Personals mit dem Coronavirus infiziere.

Da für die Intensivbehandlung und Beatmung speziell geschultes Personal nötig ist, sei die Personalausstattung ein stark limitierender Faktor für die Behandlungskapazitäten. Deshalb sei jetzt die Zeit, das dann dringend nötige Personal nachzuschulen.

16 weitere Krankenhäuser in Berlin dienen als Level-2-Kliniken

Laut dem Konzept sollen Patienten, die wegen einer Erkrankung mit Covid-19 intensivmedizinisch behandelt werden müssen, in einer ersten Eskalationsstufe vor allem am Universitätsklinikum konzentriert oder zumindest deren Behandlung mit ihm eng abgestimmt werden, und das auch mithilfe von telemedizinischen Konferenzen.

Das Charité-Zentrum koordiniert die Verlegung von Covid-19-Patienten an die weiteren dafür vorgesehenen 16 Krankenhäuser in Berlin – sogenannte Level-2-Kliniken. Dazu gehören zum Beispiel das Unfallkrankenhaus in Marzahn, mehrere Vivantes-Standorte, das St. Joseph- und das Sankt Gertraudenkrankenhaus, das Helios Klinikum Berlin-Buch und die Caritas Klinik Pankow.

Die Level-3-Kliniken sollen zunächst keine Covid-19-Patienten behandeln

Eine dritte Kategorie von Krankenhäusern, die ebenfalls über Intensivbetten verfügen – sogenannte Level-3-Kliniken – sollen zunächst keine Covid-19-Patienten behandeln, sondern sich auf die Versorgung anderer Intensivpatienten konzentrieren. Dazu zählen rund 20 weitere Krankenhäuser der Stadt, die ebenfalls eine Notaufnahme haben.

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Laut Senat stehen in den Kliniken Berlins normalerweise 1045 Intensivbetten mit einem angeschlossenen Beatmungsgerät zur Verfügung, die im Durchschnitt zu 80 Prozent ausgelastet sind.

Die Verfasser des Papiers gehen davon aus, dass in den Level-1- und Level-2-Kliniken bereits jetzt mehr Intensivbehandlungskapazitäten zur Verfügung stehen als vor der Krise. Vor allem deshalb, weil die Krankenhäuser vom Senat aufgefordert wurden, planbare Operationen – soweit medizinisch möglich – zu verschieben.

Hintergrund-Informationen zum Coronavirus:

Erste Eskalationsstufe

Derzeit befinde man sich in der ersten von vier Eskalationsstufen der Pandemie. Insgesamt werden von den 1425 mit dem Coronavirus infizierten Berlinerinnen und Berlinern derzeit 112 im Krankenhaus versorgt, davon 26 intensivmedizinisch (Stand der Senatsgesundheitsverwaltung von Dienstag, 21 Uhr). Drei Corona-Patienten sind gestorben, darunter ein 42-jähriger Mann.

Zweite Eskalationsstufe

Die Patienten können bislang noch gut in Level-1- und Level-2-Kliniken behandelt werden, wie derzeit zum Beispiel in der Charité oder im Unfallkrankenhaus. Sollten in einer zweiten Eskalationsstufe die bisherigen Kapazitäten nicht mehr ausreichen, werden weitere Intensivbetten freigemacht und dort bisher behandelte Intensivpatienten, die nicht an Covid-19 erkrankt sind, in Level-3-Kliniken verlegt.

Um die allgemeine Notfallversorgung nicht zu gefährden, sollen jedoch mindestens 40 Prozent der Kapazitäten zur Intensivbehandlung in den Level-1- und Level-2-Krankenhäusern für Patienten ohne Covid-19 erhalten bleiben.

Dritte und vierte Eskalationsstufe

In der drittem Stufe müssen dann auch die Level-3-Klinken Covid-19-Patienten versorgen. Für eine vierte und letzte Stufe, in der die Klinikkapazitäten für den Patientenansturm nicht mehr ausreichen, müsse man zusätzliche Beatmungskapazitäten außerhalb der Intensivstationen der Berliner Aufnahmekrankenhäuser schaffen.

Das könnten Aufwachräume, Normalstationen oder neu geschaffene Einrichtungen sein. Auch wenn das im Konzept nicht explizit erwähnt ist, gehört das Covid-19-Krankenhaus, das derzeit unter der Leitung des Ex-Landesbranddirektors Albrecht Broemme auf dem Messegelände entstehen soll, zu solchen zusätzlichen Einrichtungen. 

„Um mögliche Engpässe in der klinischen Versorgung zu verringern, soll in Berlin die Kapazität der stationären Versorgung so um bis zu 1000 zusätzliche Betten erweitert werden“, sagt Lena Högemann, Sprecherin von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

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