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Die Charité in Berlin koordiniert die Verteilung der Coronavirus-Patienten. Foto: REUTERS/Michele Tantussi
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Notfallkonzept für Coronavirus-Pandemie So bereiten sich Berlins Kliniken auf viele Schwerkranke vor

Für Berlin gibt es nun ein Notfallkonzept – demnach koordiniert die Charité die Verteilung der Coronavirus-Patienten. Vier Eskalationsstufen sind eingeplant.

Die Berliner Krankenhauslandschaft ist nach Meinung externer Fachleute gut auf einen möglichen Ansturm von schwer kranken Patienten vorbereitet, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. So lobt Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), das Konzept, das im März entstand, als die erste Spitze der Pandemie in Deutschland registriert wurde, als "bundesweit vorbildlich".

Nach diesem Konzept zur „Sicherstellung der akuten, intensivmedizinischen Versorgung im Epidemiefall Covid-19 für das Land Berlin“ werden die Berliner Krankenhäuser, die über Intensivbetten verfügen, in drei Level eingeteilt.

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Das Level-1-Zentrum, das die gesamte Intensivversorgung von Covid-19-Patienten koordiniert, ist die Charité.

Dort gibt es ein Zentrum, das auf die Therapie von Patienten mit akutem Lungenversagen spezialisiert ist, das ein Symptom einer besonders schwer verlaufenden Covid-19-Erkrankung ist. Dieses ARDS/ECMO-Zentrum verfügt nach eigenen Angaben über 56 Behandlungsplätze.

Experten erwarten, dass rund fünf Prozent intensivmedizinische Versorgung brauchen

Nach den Erfahrungen aus China und Italien erwarten die Verfasser des Papiers, dass rund fünf Prozent der Coronavirus-Infizierten eine intensivmedizinische Versorgung benötigen und von diesen wiederum die Hälfte sterben wird.

Eine weitere Erfahrung aus den beiden besonders vom Coronavirus betroffenen Ländern sei, dass sich rund 30 Prozent des medizinischen Personals mit dem Coronavirus infiziere.

16 weitere Krankenhäuser in Berlin dienen als Level-2-Kliniken

Laut dem Konzept sollen Patienten, die wegen einer Erkrankung mit Covid-19 intensivmedizinisch behandelt werden müssen, in einer ersten Eskalationsstufe vor allem am Universitätsklinikum konzentriert oder zumindest deren Behandlung mit ihm eng abgestimmt werden, und das auch mithilfe von telemedizinischen Konferenzen.

Das Charité-Zentrum koordiniert die Verlegung von Covid-19-Patienten an die weiteren dafür vorgesehenen 16 Krankenhäuser in Berlin – sogenannte Level-2-Kliniken. Dazu gehören zum Beispiel das Unfallkrankenhaus in Marzahn, mehrere Vivantes-Standorte, das St. Joseph- und das Sankt Gertraudenkrankenhaus, das Helios Klinikum Berlin-Buch und die Caritas Klinik Pankow.

Die Level-3-Kliniken sollen zunächst keine Covid-19-Patienten behandeln

Eine dritte Kategorie von Krankenhäusern, die ebenfalls über Intensivbetten verfügen – sogenannte Level-3-Kliniken – sollen zunächst keine Covid-19-Patienten behandeln, sondern sich auf die Versorgung anderer Intensivpatienten konzentrieren. Dazu zählen rund 20 weitere Krankenhäuser der Stadt, die ebenfalls eine Notaufnahme haben.

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Hintergrund-Informationen zum Coronavirus:

Erste Eskalationsstufe

Derzeit, also im Oktober, befinde man sich immer noch in der ersten von vier Eskalationsstufen der Pandemie, sagt Steffen Weber-Carstens, der das Konzept gemeinsam mit anderen Intensivmedizinern erarbeitet hat, dem Tagesspiegel. Weber-Carstens ist leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité.

Heute ist der Intensivmediziner für die zentrale Steuerung der Zuweisung von Covid-19-Patienten in die Berliner Kliniken verantwortlich. Seit Anfang Oktober habe die zentrale Koordinierungsstelle ihre seit Juni ruhende Aufgabe wieder aufgenommen und verteile die Covid-19-Patienten zentral auf die dafür vorgesehenen Berliner Krankenhäuser.

Die Patienten können bislang noch gut in Level-1- und Level-2-Kliniken behandelt werden, wie derzeit zum Beispiel in der Charité oder im Unfallkrankenhaus. Von den derzeit gut 40 Covid-19-Patienten wird die Hälfte in der Charité versorgt, vor allem Schwerstkranke, die intensiv beatmet werden müssen. Die anderen 50 Prozent verteilen sich auf zwölf weitere Level-2-Kliniken.

Zweite, dritte und vierte Eskalationsstufe

Sollten in einer zweiten Eskalationsstufe die bisherigen Kapazitäten nicht mehr ausreichen, werden weitere Intensivbetten freigemacht und dort bisher behandelte Intensivpatienten, die nicht an Covid-19 erkrankt sind, in Level-3-Kliniken verlegt.

Um die allgemeine Notfallversorgung nicht zu gefährden, sollen jedoch mindestens 40 Prozent der Kapazitäten zur Intensivbehandlung in den Level-1- und Level-2-Krankenhäusern für Patienten ohne Covid-19 erhalten bleiben.

In der drittem Stufe müssen dann auch die Level-3-Klinken Covid-19-Patienten versorgen. Für eine vierte und letzte Stufe, in der die Klinikkapazitäten für den Patientenansturm nicht mehr ausreichen, hat man schließlich auf dem Messegelände die sogenannte "Covid-19-Klinik" als Reserve mit zusätzlichen Beatmungskapazitäten außerhalb der Intensivstationen der Berliner Aufnahmekrankenhäuser geschaffen.

Hinweis: In einer früheren Fassung des Textes stand irrtümlich, Steffen Weber-Carstens leite die Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité. Richtig ist, dass Weber-Carstens leitender Oberarzt und Mitglied der erweiterten Leitung der Klinik ist.

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