1000 Flüchtlinge nach Heiligensee: Notunterkunft öffnet später

Diese Bändchen sind für die Flüchtlinge die Eintrittskarte zum Asylverfahren in der Bundesallee.
Newsblog: Flüchtlinge in Berlin Lage vor dem Lageso entspannt sich

Die neue Erstaufnahmestelle an der Bundesallee wurde eröffnet, an der Turmstraße weiter gewartet (wenn auch in einer etwas kürzeren Schlange), zwischen SPD und CDU gibt es in Berlin Streit wegen der Flüchtlingspolitik. Die Ereignisse vom Donnerstag lesen Sie hier:

21.45 Uhr - Charlottenburg-Wilmersdorf beherbergt die meisten Flüchtlinge. Mit 3.448 in Not- und Gemeinschaftsunterkünften lebenden Flüchtlingen steht die westliche Innenstadt neuerdings auf dem Spitzenplatz in Berlin, dahinter folgen Spandau und Lichtenberg. Das hat der Charlottenburg-Wilmersdorfer Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) soeben in der Sitzung der BVV bekanntgegeben. Im Internationalen Congress-Center (ICC) und in der ehemaligen Poelchau-Schule könnten bald noch bis zu 1.000 Plätze im Bezirk hinzukommen. Zur neuen Registrierungsstelle an der Bundesallee soll es Anfang November einen zweiten Informationsabend für Wilmersdorfer Anwohner geben, der erste hatte im September stattgefunden.

21.15 Uhr - Notunterkunft öffnet später. Die neue Flüchtlingsunterkunft in Heiligensee im Bezirk Reinickendorf wird nach Tagesspiegel-Informationen nicht wie geplant am Freitag öffnen. Grund sind offenbar erhebliche Widerstände gegen das Heim aus der Bevölkerung. Auch der Reinickendorfer Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) hatte sich kritisch zu den Plänen des Senats geäußert, auf dem ehemaligen Gelände der Firma Tetra Pak an der Hennigsdorfer Straße rund 1000 Flüchtlinge unterzubringen. Bei Twitter kursierten auch Gerüchte, es sollten bis zu 3000 Flüchtlinge einziehen. Unklar ist, ob die sanitären Anlagen und die Brandschutztechnik noch intakt sind.

20.00 Uhr - Die Situation vor dem Lageso hat sich vorerst entspannt. Und so sieht der Ablauf dort derzeit aus: Die Neuankömmlinge werden zunächst in das beheizte Wartezelt an der Turmstraße gelotst. Viele setzten sich dort heute auf den Boden. Im zweiten Zelt nehmen dann derzeit zehn Mitarbeiter, unterstützt von 15 Sprachmittlern, die Personal- und Kontaktdaten der Flüchtlinge auf. Dort werden die mit Plastikfolie beschichteten Papierbändchen samt Registriernummer vergeben. Nur mit so einem Band kommt man zur Registrierung in die alte Landesbank hinein. Entsprechend der fortlaufenden Nummern am Handgelenk sollen Flüchtlinge, in Gruppen eingeteilt, von ihren Transferunterkünften künftig gezielt zur Bundesallee gebracht werden. Dort werden sie registriert und ihre Anträge bearbeitet.

19.10 Uhr - Flüchtlinge in Zehlendorf. Eine Oma besucht die Notunterkunft in der Turnhalle der Onkel-Tom-Straße und ist betrübt über die Zustände, in denen die Flüchtlinge leben müssen. 200 Schlafgelegenheiten auf engstem Raum. Ähnlich widrige Bedingungen finden sich auch in anderen Unterkünften des Bezirks. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin sagt: „Manche Betreiber setzen darauf, dass freiwillig geholfen wird, das spart Personal.“ Lesen Sie mehr dazu in unserem Zehlendorf-Blog.

Auch bei Regen in der Schlange stehen: Bei kühlen Temperaturen warten Flüchtlinge vor dem Lageso auf die Registrierung und die Zuweisung eines Schlafplatzes. dpa Vergrößern
Auch bei Regen in der Schlange stehen: Bei kühlen Temperaturen warten Flüchtlinge vor dem Lageso auf die Registrierung und die Zuweisung eines Schlafplatzes. © Kay Nietfeld/ dpa

18.35 Uhr - Bernd Szczepanski fordert Beschleunigung von Einstellungen. Der Senat hat zwar 145 neue Stellen genehmigt, um die Flüchtlingswelle in Griff zu bekommen, aber das seien zu wenige, erklärt Bernd Szczepanski (Grüne). Und von den 551 Personen aus den Bezirken, darunter 130 Pensionäre, die sich freiwillig für die Arbeit mit Flüchtlingen gemeldet hätten, seien erst 219 Personen von den zuständigen Stellen „untergebracht worden“, kritisiert der Grünenpolitiker.

17.48 Uhr - Pirat Martin Delius sieht keine echte Verbesserung für Flüchtlinge. Auch wenn die Situation am ersten Tag in der neuen Erstaufnahmestelle an der Bundesallee im Vergleich zur Turmstraße in Moabit "luxuriös" sei - das eigentliche Problem liegt seiner Ansicht nach woanders. Ein Interview mit dem Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus auch zur Zusammenarbeit mit dem Lageso lesen Sie hier.

16.50 Uhr - Grünen beklagen Bürokratismus. „Die Zusammenarbeit zwischen Lageso und den Bezirken funktioniert nicht“, sagte Bernd Szczepanski, Bezirksstadtrat für Soziales in Neukölln. Bezirksstadträte der Grünen und die Landesvorsitzende Bettina Jarasch stellten am Donnerstag Vorschläge für die Integration von Flüchtlingen vor. "Wir benötigen ein Projekt-Management“, schlug Jarasch unter anderem vor. Bezirksstadtrat Szczepanski möchte hingegen „sofort die Freigabe, dass ich 20 Leute einstellen kann, und dass der Bezirk für diese Leute Räume anmieten darf“. In wenigen Monaten stünden tausende Flüchtlinge in den Sozialämtern, damit werde der Betrieb lahmgelegt.

Willkommen in Berlin! Diese Zettel werden Flüchtlingen in die Hand gedrückt. Foto: Tsp Vergrößern
Willkommen in Berlin! Diese Zettel werden Flüchtlingen in die Hand gedrückt. © Tsp

16.05 Uhr - 100 Menschen alleine bis zum Mittag registriert. Bis zum Mittag wurden in der Bundesallee bereits rund 100 Menschen registriert, sagte die Sprecherin der Berliner Senatssozialverwaltung, Regina Kneiding, dem Evangelischem Pressedienst (epd). Die Arbeit in dem neuen Gebäude sei „sehr gut und geordnet angelaufen“. Kneiding sprach von einem "Quantensprung", der nun geschafft sei, um die Aufnahme und Registrierung von Flüchtlingen in Berlin zu verbessern. Das Zusammenspiel zwischen Lageso, Ausländerbehörde, Bundesagentur für Arbeit und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sei gut gestartet. Das Bamf habe aktuell bereits 25 Mitarbeiter vor Ort, auch die anderen Behörden seien mit Mitarbeitern präsent. In dem Gebäude arbeiten insgesamt bis zu 100 Behördenvertreter.

15.30 Uhr - Neue Wohnungen für bessere Integration. Um die Integration der Flüchtlinge voranzubringen, will der Senat so schnell wie möglich 24.000 Wohnplätze in „modularer Bauweise“ an 60 verschiedenen Standorten errichten. Die ersten drei- bis fünfgeschossigen Module wurden ausgeschrieben. Die Wohnungen würden „quer über die Stadt verteilt“, kündigte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel am Donnerstag an. Möglichst dort, wo die notwendige Infrastruktur (Kitas, Schulen usw.) schon vorhanden sei. „Wir wollen keine Banlieues“, sagte er unter Anspielung auf die Pariser Vororte, die sich zu Brennpunkten des sozialen Elends und der Gewalt entwickelt haben.

13.45 Uhr - So kommt man hier an. Tagesspiegel-Kollegin Annette Kögel reicht gerade den Zettel rein, der den Flüchtlingen vor der neuen Lageso-Außenstelle in die Hand gedrückt wird in unterschiedlichen Sprachen. Eine Handreichung ("Herzlich Willkommen in Berlin") in acht Punkten. Punkt 5: "Bändchen bitte auf keinen Fall vom Handgelenk entfernen." Punkt 6.: "Bei der Registrierung müssen alle Familienmitglieder anwesend sein". Ach, lesen Sie selbst.

13.15 Uhr - Mittes Jugendstadträtin setzt Sozialsenator eine Frist. Die Jugendstadträtin von Mitte, Sabine Smentek (SPD), hat jetzt einen Beschwerdebrief an Sozialsenator Mario Cazaja (CDU) geschrieben. Es sei den Amtsmitarbeitern angekündigt worden, die Lage vorm Lageso für Mütter, Schwangere und Kleinkinder zu verbessern. Dies sei bislang nicht geschehen. Es müssten bis 26. Oktober nun etwa beheizte Warteräume angeboten werden

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