Animation des neuen Universitären Herzzentrums. Der Bau soll 2021 beginnen. Foto: promo/HDR GmbH
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Neues Herzzentrum an der Charité Bund fördert Medizinmetropole Berlin mit 100 Millionen Euro

Michael Müller gelingt erneut ein Coup für den Gesundheitsstandort Berlin. Der Bund unterstützt das neue Herzzentrum finanziell.

Für Patienten und Forscher ist es eine gute Nachricht, denn Herz-Erkrankungen zählen seit Jahrzehnten zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Nun hat der Senat die Bundespolitik davon überzeugt, in die Berliner Herzmedizin zu investieren und die Hauptstadt so als Wissenschaftszentrum auszubauen: Die große Koalition wird das in Wedding geplante Universitäre Herzzentrum Berlin mit 100 Millionen Euro kofinanzieren.

Dies hat der Haushaltsausschuss im Bundestag in der Nacht zu Freitag beschlossen. Maßgeblich die Berliner SPD-Abgeordneten hatten für diesen Schritt geworben. Die Bundesregierung erkennt damit den Anspruch des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) an, Berlin zur internationalen Medizinmetropole aufzurüsten.

Berlin soll europaweit Spitze in der Kardiologie werden

In den Plänen, die Stadt zum Silicon Valley der Gesundheitswirtschaft zu machen, spielt die landeseigene Universitätsklinik Charité die entscheidende Rolle: An deren Weddinger Virchow-Campus ist das Deutschen Herzzentrum (DHZB) angegliedert, das von einer Stiftung getragen wird.

Müller, der auch Wissenschaftssenator ist, will dieses DHZB in die Charité integrieren. Bald soll es dann Universitäres Herzzentrum (UHZB) heißen und Berlin europaweit an die Spitze der Kardiologie führen.

"Gleichzeitig soll das UHZB eine digitale Modellklinik werden, die das volle Potenzial datengestützter Medizin in allen Säulen der klinischen Medizin nutzt und vorantreibt: präventiv, diagnostisch, therapeutisch und rehabilitativ", heißt es in der Vorlage für die Bundeshaushälter. Diese ließen sich überzeugen – und nun soll es schnell gehen: Der "Start des Vorhabens soll 2021 sein", sagt der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz, der das Vorhaben ein „Aushängeschild der deutschen Gesundheitsforschung" nennt.

Neun OP-Säle, acht Katheterlabore

Geplant sind neun OP-Säle, acht Katheterlabore, vier Hybrid-Eingriffsräume. Das kostet zusammen – bei gestiegenen Baukosten – 390 Millionen Euro. Davon will das Land 290 Millionen Euro zahlen. Die restlichen 100 Millionen Euro muss Berlin nun nicht über Kredite aufbringen, sondern kommen von der Bundesregierung.

Das Herzzentrum, auch in seiner bisherigen Form, ist über Berlin hinaus bekannt: Russlands früherer Präsident Boris Jelzin wurde hier 2001 operiert. Chef der Einrichtung ist Volkmar Falk, der wohl auch das neue Zentrum leiten wird.

Im Herzzentrum am Charité-Virchow-Campus wird ein Katheter gelegt und ein Stent gesetzt. Kai-Uwe Heinrich Vergrößern
Im Herzzentrum am Charité-Virchow-Campus wird ein Katheter gelegt und ein Stent gesetzt. © Kai-Uwe Heinrich

Der 28.000 Quadratmeter große Neubau mit neuester Medizintechnik kostet rund ein Viertel mehr als einst geplant. Der Senat hatte ursprünglich Kosten von rund 300 Millionen Euro genannt, wobei der Tagesspiegel im März einen Anstieg der Kosten von zwölf Prozent gemeldet hatte.

Nun sind es erheblich höhere Gesamtkosten. In der Gesundheitsbranche wird die Entscheidung noch in der Nacht zu Freitag mit Wohlwollen aufgenommen. Offenbar, heißt es unter Ärzten, meine es Müller ernst.

Charité profitiert zum zweiten Mal von Bundesmitteln

Michael Müller hatte zuletzt den Wissenschaftsetat aufgestockt und 2018 die Kommission "Gesundheitsstadt Berlin 2030" eingesetzt. Dem elfköpfigen Gremium gehörten Ärzte, Krankenkassen-Chefs, Pflegeexperten an, SPD-Bundespolitiker Karl Lauterbach saß der Kommission vor.

Knapp zusammengefasst empfahl sie: mehr Synergien zwischen den Kliniken nutzen, Forscher und Pharmafirmen besser vernetzen. Müller ist infolge der "Gesundheitsstadt Berlin 2030" im Sommer dieses Jahres schon in einem anderen Fall gelungen, Bundesmittel nach Berlin zu holen. Das ebenfalls der Charité angegliedert Berliner Institut für Gesundheitsforschung erhält nun 70 Millionen Euro jährlich aus Bundesmitteln.

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