Außenansicht 1954 der Komödie am Ku'damm. Foto: Harry Croner © Stadtmuseum Berlin
p

Neue Ausstellung Die bewegte Geschichte der Komödie am Ku'damm

Jonas Lange
1 Kommentare

Die Komödie am Ku´damm verabschiedet sich mit einem fotografischen Rückblick von dem Gebäude, in dem sie seit 1924 beheimatet ist.

Gnädig geht die Erinnerung zuweilen mit der Vergangenheit um. Im Fall der Komödie am Ku’damm betrifft das die Arithmetik: In ihrem 94. Jahr lädt sie zur Ausstellung „Boulevard Berlin – Ein Jahrhundert Komödie am Kurfürstendamm“.

Doch das Aufrunden der Jahreszahl ist nur allzu verständlich: Den 100. Geburtstag ihres 1924 erbauten Zuhauses wird die Komödie am Ku’damm nicht mehr feiern können. Am 27. Mai fällt zum letzten Mal der Vorhang; danach folgt der Abriss des traditionsreichen Gebäudes im Ku’damm Karree. Im Juni zieht die Berliner Institution ins Schillertheater an der Bismarckstraße, wo ab September wieder gespielt werden soll. Frühestens 2021 soll das Exil enden: mit einer Ku’damm-Rückkehr in die unterirdische Ersatz-Spielstätte im dann umgebauten Ku’damm-Karree. Bei der Konzeption des neuen Theaters wird Intendant Martin Woellfer federführend beteiligt sein.

Wie ein Sinnbild für dieses kommende Kapitel begrüßt nun Schauspielerin Dolly Haas den Besucher im Foyer auf einer Aufnahme von „Wie werde ich reich und glücklich?“ aus dem Jahr 1930. Herausfordernden Blickes hält sie ein Schild in den Händen, auf dem „Pause“ steht – ein Zeichen gleichermaßen des Aufbruchs und des Durchhaltens und eine Ankündigung der Wiederkehr.

Dolly Haas 1930 in "Wie werde ich reich und glücklich?". Die Vergangenheit blickt in die Zukunft. Der Komödie steht eine Zwangspause vom Ku'damm bevor. Foto: Joseph Schmidt, Copyright: Stadtmuseum Berlin
p

Und so ermöglicht die Ausstellung nochmal einen Rundblick in die bewegte Geschichte der Komödie am Ku’damm. Initiiert und unterstützt von der Theatergemeinde Berlin zeigt die Ausstellung Bilder aus dem Archiv der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Viele davon wurden restauriert, digitalisiert und sind nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich. Martin Woellfer schwärmt von den Beständen der Stiftung Stadtmuseum, in denen sich die Geschichte Berlins spiegele.

Das erste Berliner Boulevardtheater

Die Portraits und Außenaufnahmen im Vorderbereich des Foyers erinnern an die Anfangszeit des Hauses, die im Jahre 1924 beginnt: Max Reinhardt leitet bereits das Deutsche Theater, die Kammerspiele und das Große Schauspielhaus, doch er will etwas Neues schaffen in Berlin – ein Boulevardtheater. Ein Novum im deutschsprachigen Raum. Genauso neu ist der Standort, das aufstrebende Charlottenburg. Oskar Kaufmann baut das intime Logentheater. Zur Eröffnung erschienen sogar Reichskanzler Wilhelm Marx und Außenminister Gustav Stresemann.

Der Schwerpunkt der Fotos, die überwiegend Szenenbilder aus Aufführungen zeigen, liegt denn auch in der Vorkriegszeit. Und so bemerkt Jürgen Wölffer, der die Hausleitung 2004 an seinen Sohn Martin abgab, dass die große Zeit seiner Intendanz, die 60er bis 80er Jahre, etwas zu kurz komme.

Szenen einer Bühnengeschichte

Die linke Seite im Foyer widmet sich in nicht-chronologischer Reihenfolge den Traumpaaren der Bühne. Hilde Hildebrand und Theo Lingen sind 1933 in einer Aufführung von „Der Mann mit dem Kuckuck“ zu sehen und ein Bild aus Carl Sternheims „Die Kassette“ von 1928 zeigt Jacob Tiedtke und Adele Sandrock. Auf der rechten Seite sind Einzelaufnahmen aus der Nachkriegszeit zu sehen: Harald Juhnke etwa 1977 in „L’Arc de Triomphe“ von Marcel Mithois. Oder Michael Degen 1995 in „Ein Glas Wasser“ von Eugène Scribe.

Margo Lion und Marlene Dietrich in der Revue „Es liegt in der Luft“ von Marcellus Schiffer und Mischa Spoliansky, welche 1928 Premiere feierte. Foto: Joseph Schmidt © Stadtmuseum Berlin
p

Die verschiedenen Außenansichten bezeugen insbesondere den Wandel der Zeit und des Berliner Westens. Sie machen augenfällig, dass sich die architektonischen Nachbarn der Komödie stets wandelten – etwa als nach dem Krieg Opel zum Nachbar wurde.

Die Textur der Vergangenheit

Die Exponate sind jedoch nicht nur auf Fotos beschränkt: Im Rang befinden sich mehrere Vitrinen, die etwa Bühnenbildentwürfe zeigen und einen Theatersessel aus der Erstausstattung der Komödie. Eine Vitrine erinnert an Hans Wölffers wegweisende Inszenierung von „My Fair Lady“ im Oktober 1961, zwei Monate nach dem Beginn des Mauerbaus. Das Stück ist so erfolgreich, dass eine Luftbrücke eingerichtet wird: Bürger der Bundesrepublik fliegen mit Pan Am nach Berlin, residieren im Hilton Hotel und besuchen eine Vorstellung des Musicals. Ganze Schulklassen werden eingeflogen, erinnert sich Jürgen Wölffer.

Zu sehen sind in der Schau auch die Goldene Schallplatte, die bereits ein Jahr nach der deutschen Uraufführung verliehen wird, und Ingeborg Wölffers weißes Seidenkleid, das sie zur Premiere trug. Die Textur der Vergangenheit, sie wird hier sichtbar. Eine andere Vitrine zeigt Kostümfigurinen, die George Grosz für die Aufführung von John Latouches „Bilderbogen aus Amerika“ entwarf.

Die Vergangenheit blickt in die Zukunft

Eines der wichtigsten Exponate und eines der bedeutendsten Zeugnisse der Theatergeschichte ist jedoch der Ausstellungsort selbst. Und so ist es auch nur folgerichtig, dass die Bilder am Ort ihrer Entstehung ausgestellt werden. Es sind Schlaglichter auf die Vergangenheit, die diese Ausstellung wirft. Der Blick in die Vergangenheit, vielleicht schärft er auch die Aussicht auf die Zukunft der Bühnen am Ku’damm.

Jürgen Wölffer sagte einmal, dass im Theater die Pointe am Ende immer Lachen oder Weinen sei. Die Ausstellung zum fast 100. Geburtstag des Hauses zeigt kurz vor seinem Abriss, dass es auch beides sein kann.

Die Ausstellung ist bis zum 27. Mai zu sehen. Zutritt zur Ausstellung nur mit Eintrittskarte für das Theater.

Mehr zu Charlottenburg-Wilmersdorf