Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Die Polizei Brandenburg ermitteln nun in den eigenen Reihen gegen Mario W. Foto: Ottmar Winter/PNN
© Ottmar Winter/PNN

Nazi-Affäre bei Brandenburger Polizei Polizist hortete Waffen und SS-Uniform

Mario W., Revierpolizist in Straupitz, posierte auf Fotos im „Erbsentarnmuster“ der Waffen-SS. Nun ermittelt die Brandenburger Polizei gegen ihn.

Im Spreewalddorf Straupitz mit fast 1000 Einwohnern war er bislang Revierpolizist, doch in seiner Freizeit trug er gern SS-Uniform, hantierte mit Schusswaffen – und hat offenbar einen Hang zu Kriegsaccessoires und Militaria wie etwa Orden. Jetzt ermitteln die Polizei Brandenburg und die Staatsanwaltschaft Cottbus gegen ihn.

Auslöser sind Recherchen der „B.Z.“. Der Zeitung waren Fotos von dem Beamten zugespielt worden. Darauf ist Mario W. in einer Uniform im „Erbsentarnmuster“ zu sehen, „wie sie durch die Waffen-SS getragen wurde“, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch bestätigte.

Nachdem das Blatt der Polizei die Fotos vorgelegt hat, leiteten Staatsanwaltschaft und der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz der Polizei Ermittlungen ein. Die Ermittler prüfen jetzt, wann und wo die Fotos mit der Nazi-Uniform entstanden sind. Hierbei geht es um das verbotene Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Daneben hat die Polizei „von Amts wegen“ auch Strafanzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Waffengesetz erstattet.

Die Fotos könnten den Verdacht nahelegen, der Mann sei im Besitz von Schusswaffen ohne waffenrechtliche Erlaubnisse. Vor allem wegen des Waffenverdachts konnte die Staatsanwaltschaft vor Gericht einen Durchsuchungsbeschluss gegen W. erwirken.

Mario W. wusste, was in Deutschland verboten – aber im Ausland erlaubt ist

Ob das Verwenden der Nazi-Symbole strafrechtlich relevant ist, muss noch geklärt werden. Strafbar wäre das Zeigen nur in der Öffentlichkeit – nicht aber im privaten Bereich.

Am vergangenen Freitag rückten die Ermittler dann bei W. in seinem Wohnort im Landkreis Dahme-Spreewald an. „Die Durchsuchungen bestätigten den Verdacht des Verstoßes gegen das Waffengesetz“, sagte der Polizeisprecher. „Zudem sind Uniformteile mit eindeutigem Bezug zur Waffen-SS sowie in der Öffentlichkeit verbotene Kennzeichen wie Hakenkreuz-Symbole und SS-Totenkopfabzeichen aufgefunden worden.“

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Neben dem Ermittlungsverfahren wurde gegen den Polizisten ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Bis zum Ende der strafrechtlichen Ermittlungen ist dem Beamten das Führen der Dienstgeschäfte verboten worden.

Mario W. selbst wusste wohl sehr genau, was er in Deutschland nicht tun darf, aber im Ausland erlaubt ist. Der „B.Z.“ sagte er: „Ja, das mit den Bildern stimmt. Aber die sind ja nicht in Deutschland entstanden, sondern in Polen. Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“

[Sicherheit vor der eigenen Haustür: In unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken geht es auch oft um Kriminalität und Polizei. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Ein anonymer Hinweisgeber, der auf die Nazi-Affäre aufmerksam gemacht hat, berichtete dem Bericht zufolge, dass W. „mit Kumpanen heimliche Treffen in voller Nazi-Uniform“ abgehalten haben soll. An solchen Abenden werde der „Heldentaten der damaligen Kriegsverbrecher gehuldigt“.

Die Fotos zeigen den Mann mit Kurzhaarschnitt und Schnauzbart, wie er stolz in der SS-Uniform samt Schulterklappe vor einem Kettenfahrzeug posiert. Auf einem anderen Foto ist er mit zwei weiteren Männern in Uniform mit "Erbsentarnmuster" auf einem Minipanzer zu sehen.

Zur Startseite