Das Phantombild des mutmaßlichen Täters. Im Hintergrund der Tatort in Kleinmachnow: das Panzerdenkmal. Montage: Thilo Rückeis/PD West
© Montage: Thilo Rückeis/PD West

Nach Vergewaltigung in Kleinmachnow bei Berlin „Ich würde dort nicht mehr hingehen – erst recht nicht alleine“

In Kleinmachnow wurde eine Frau in einem Wald überfallen und vergewaltigt. Es gibt erste Hinweise auf den Täter und Spuren nach Wannsee. Der Schock sitzt tief.

Brahmsweg, Schubertweg, Bachweg – die Straßen im äußersten Nordwesten Kleinmachnows haben klingende Namen. Je mehr man sich dort der Gemeindegrenze nähert, desto größer werden die Gärten und seltener die Häuser.

Schließlich steht man in üppigem Grün, es ist ein prächtiger, dichter Wald, der hier anschließt. Bis vor ein paar Tagen wirkte die Szene wohl idyllisch, einladend für Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer. Seit dieser Woche hat sich das verändert.

Sonntagabend ereignete sich hier eine schreckliche Tat. Eine 27-jährige Frau, womöglich selbst wohnhaft in dem angrenzenden Viertel, wurde in dem Waldstück vergewaltigt.

Nahe des bekannten Panzerdenkmals an der A115 wurde sie von einem Mann überwältigt und in ein Gebüsch gezerrt. Jetzt gibt es auch ein Gesicht zu dem Täter, der etwa 25 Jahre alt, schlank und 1,75 Meter groß sein soll.

Am Mittwoch veröffentlichte die Polizei ein Phantombild, das mit Hilfe des Opfers angefertigt wurde. Bekannt ist außerdem, dass er mit einer blauen Jogginghose bekleidet war, einen orangefarbenen Rucksack trug und mit osteuropäischem Akzent sprach. Mehrere Medien berichten zudem von rötlich-orange eingefärbten Haaren.

Die Frau floh mit dem Fahrrad des Täters

Gegen 18 Uhr war die 27-Jährige am Sonntag zu einer Joggingrunde aufgebrochen. Weil sie nicht zur erwarteten Zeit nach Hause kam, hatten Angehörige die Polizei alarmiert. Die Beamten trafen etwa drei Stunden nach dem Verschwinden der jungen Frau ein – ungefähr zeitgleich mit ihr.

Sie hatte sich befreien können und sich mit dem Fahrrad des Täters nach Hause gerettet. Laut Polizei war sie offensichtlich geschockt und wies „unter anderem sichtbare Hautabschürfungen“ auf.

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Noch am selben Abend hatten Polizisten aus Berlin und Brandenburg sowie der Bundespolizei mit der Suche nach dem Täter begonnen. Sie überflogen das Waldstück bis etwa 23.30 Uhr mit einem Hubschrauber, gegen Mitternacht kam eine Hundestaffel der Polizei zum Einsatz – ohne Erfolg. Zudem observierten Beamte am nächsten Tag den Bahnhof Wannsee. Dort hatte die Frau dem Täter während der Vergewaltigung ein Treffen vorgeschlagen, damit er sie gehen lässt. Doch er kam nicht.

Nachbarn sind verunsichert

Die Hubschrauber in der Nacht hat auch eine Frau Mitte 50 gehört, die hier in der Siedlung am Rande Kleinmachnows wohnt. „Am nächsten Tag haben wir es dann erfahren“, sagte sie am Mittwoch. Auch sie habe das Waldstück bislang zum Spazieren genutzt, allerdings immer „mindestens zu zweit“. Jetzt könne sie sich das vorerst nicht mehr vorstellen. „Man ist sensibilisiert.“

Von der Tat gelesen hat auch eine Frau Mitte 20, die gerade für Besorgungen am Rathausmarkt unterwegs ist, dem Zentrum Kleinmachnows. Auch sie ist verunsichert. „Ich würde dort nicht mehr hingehen. Erst recht nicht alleine.“ Bislang habe sie das Waldstück, das auch von ihrem Zuhause nicht weit entfernt ist, öfter für Spaziergänge genutzt, zumindest tagsüber. „Bislang hatte ich keine Bedenken. Man war dort eigentlich auch nie wirklich alleine, immer wieder kamen Jogger oder Hundebesitzer vorbei.“

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Dass es sich bei dem Wald zwischen Kleinmachnow, Berlin-Zehlendorf und Autobahn um eine beliebte Joggerstrecke handelt, weiß auch die Frau Anfang 60, die gerade bei Lidl in der Karl-Marx-Straße einkaufen war. Sie wohnt nur etwa 500 Meter vom Tatort entfernt, auch sie hat mit Sorge das Dröhnen des Hubschraubers gehört.

Sie gehe ohnehin nicht mehr gerne in dem Wald spazieren, sagte sie am Mittwoch. Schließlich seien dort immer wieder Wildschweine anzutreffen, die mitunter sehr aggressiv auf Menschen reagierten. Sie hofft – wie alle Befragten am Mittwoch –, dass der Täter schnell gefasst wird.

Bei der Fahndung nach dem Täter arbeiten die Brandenburger Ermittler auch mit der Berliner Polizei zusammen. Auch in Wannsee gab es in den vergangenen Tagen mehrere Vorfälle, die zu dem Täter passen könnten. Zunächst hatte die „B.Z.“ darüber berichtet, am Mittwoch veröffentlichte die Polizei dazu eine Pressemitteilung.

Demnach soll es am 22. Juni in der Nähe des Sees eine Vergewaltigung gegeben haben, am 28. konnte in der Gegend eine von einem bislang unbekannten Täter angegriffene Frau flüchten. 

Zudem hatte ein Zeuge am 25. Juni auf einem Waldweg nahe des Teufelsberges eine Sexualstraftat beobachtet, die aber vom Opfer nicht angezeigt wurde. Weitere Details nannte die Polizei vorerst nicht – bat jedoch um Hinweise.

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