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Bei der letzten Großdemo gegen Corona-Maßnahmen in Berlin setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Foto: imago/Future Image
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Nach Protesten in Berlin und Leipzig „Querdenker“ rufen zu Corona-Demo an deutsch-polnischer Grenze auf

Corona-Skeptiker und Verschwörungsideologen wollen in Frankfurt (Oder) und Slubice protestieren. Beobachter sprechen von steigender Radikalisierung.

Noch vor wenigen Wochen bat das polnische Slubice seine Zwillingsstadt Frankfurt auf der westlichen Seite der Oder um Hilfe. Das Corona-Krankenhaus in Slubice war durch die hohe Rate an Corona-Neuinfektionen völlig überlastet, Hygieneprodukte gingen zur Neige. Die Nachbarn aus Frankfurt (Oder) sprangen ein, die Kirche sammelte Sachspenden und viele Frankfurter organisierten Desinfektionsmittel, Mülltüten und Papierhandtücher.

Am Samstag wollen Polen und Deutsche in beiden Städten auf die Straße gehen – aber aus anderen Gründen. Die Initiative „Querdenken 711“ ruft zur Großdemonstration auf, offenbar angemeldet vom Duisburger „Querdenken“-Ableger. Prominente Gesichter der Bewegung wie Gründer Michael Ballweg und die Verschwörungsideologen Bodo Schiffmann und Samuel Eckert haben sich angekündigt.

Zu erwarten ist ein Spektrum aus Skeptikern der Pandemie-Maßnahmen, Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern wie bei den Corona-Protesten in Berlin und Leipzig. In internen Kanälen wird nach Mitfahrgelegenheiten und Schlafplätzen in Frankfurt gesucht.

Durch die bundesweite Mobilisierung ist eine Teilnehmerzahl im vierstelligen Bereich zu erwarten. Bei der Polizei in Frankfurt (Oder) sind zwei Versammlungen am Grenzübergang angemeldet, 1000 Teilnehmer für die „Querdenken“-Versammlung, 100 Menschen für den Gegenprotest. Da noch Kooperationsgespräche mit den Anmeldern folgen, konnte die Polizei noch keine näheren Angaben zur Gefahrenlage machen.

Anti-Corona-Front mit Antisemiten und Rechtsextremen verstrickt

Die „Querdenken“-Veranstaltung richtet sich ausdrücklich auch an Polen. Auf polnischer Seite existiert eine Anti-Corona-Front, die eng mit Antisemiten und Rechtsextremen verstrickt ist. Eines der bekanntesten Gesichter ist der Politologe Janusz Zagórski. Gerade erst sprach er sich für eine engere Kooperation mit den Chefs der deutschen Corona-Demos aus.

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Auf dem zweisprachigen Werbeposter für Samstag ist ein Handschlag abgebildet: eine Hand mit deutscher, die andere mit polnischer Flagge. Die grenzüberschreitende Mobilisierung wirkt: Eine Initiative von Corona-Skeptikern aus Szczecin will kommen. Pawel Tanajno, 2015 Präsidentschaftskandidat, seit März maßgeblich an den Protesten gegen die Maßnahmen der Regierung in Warschau beteiligt, ruft zur Demo auf.

Stadt erwartet bewusste Verstöße gegen Auflagen

Verwickelt in die Proteste in Polen ist auch der Abgeordnete und antisemitische Verschwörungsideologe Grzegorz Braun von der rechtsextremen Konfederacja. Ende August war er bei der Corona-Demo am Reichstag in Berlin – mit Brandenburgs Landtagsvizepräsident Andreas Galau (AfD).

Frankfurts Stadtverwaltung ist in Sorge. Zwar habe die Mobilisierungskraft der Bewegung abgenommen, es sei aber eine steigende Radikalisierung zu beobachten, sagte ein Rathaussprecher. Die Stadt rechne mit anreisenden Personen, die sich bewusst über Auflagen der Versammlungsbehörde hinwegsetzen wollen. Auch Slubice wird im Blick behalten: „Wir stehen im ständigen Kontakt mit den polnischen Behörden, die von einer starken Mobilisierung ausgehen.“

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