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Gemeinsamer Kampf. Jürgen Schulze-Ksinzyk und seine Frau Ilona. Foto: Sven Darmer
© Sven Darmer

Nach Protestbrief an die Gesundheitssenatorin Berlinerin in Intensivpflege-WG erhält ihre Impfung nun doch schneller

Eva Steiner

Spätestens ab Februar sollen die Bewohner der 600 Pflege-WGs geimpft werden. Für Ilona Ksinzyk und ihren Mann ist das ein riesiger Erfolg.

Die Freude war groß: Ilona Ksinzyk, 61 Jahre alt und nach einem schweren Radunfall seit zehn Jahren intensiv-pflegerisch in einer Wohngemeinschaft betreut, wird nicht erst in mehreren Monaten, sondern bereits kommende Woche gegen Corona geimpft. Dies erfuhr ihr Ehemann Jürgen Schulze-Ksinzyk am Dienstag durch den Träger der Pflege-WG.

Schulze-Ksinzyk hatte, wie vom Tagesspiegel berichtet, mit einem Brief an Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) dagegen protestiert, dass seine tracheotomierte Frau allein aufgrund ihres Alters erst zur Prioritätengruppe 3 der Impfberechtigten gehörte. Da ambulant betreute Pflege-WGs rechtlich nicht als stationäre Pflegeeinrichtungen gelten, gehörten ihre teils hoch vulnerablen Bewohner bisher nicht in die Prioritätengruppe 1.

Dies soll sich nun aber ändern, wie ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit dem Tagesspiegel am Mittwoch mitteilte: Spätestens im Februar werde damit begonnen, die Bewohner der berlinweit über 600 Pflege-Wohngemeinschaften mit mobilen Teams zu impfen.

Ilona Ksinzyk soll bereits Ende Januar ihre erste und drei Wochen später ihre zweite Impfung erhalten. Auch alle anderen Bewohner der insgesamt sechs Intensivpflege-WGs und fünf Demenz-WGs des Trägers Renafan sollen ab kommender Woche geimpft werden können. „Das Angebot des Senats ist ein Riesenerfolg für uns“, sagt Christina Brandt vom Träger.

Und natürlich ist auch Jürgen Schulze-Ksinzyk, der am Montag noch eine „Mini-Demonstration“ am Impfzentrum im Weddinger Erika-Heß-Stadion organisiert hatte, überglücklich: „Ich freue mich nicht nur für meine Frau, sondern auch für alle anderen Intensivpatienten und Demenzkranken in den WGs.“

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Inwieweit dieser Schritt dazu führen könnte, dass auch andere Risikopatienten früher ihre Impfung erhalten, ist offen. Die Ständige Impfkommission spricht in ihrer im Januar aktualisierten Impfempfehlung von möglichen „Einzelfallentscheidungen“ für „Menschen mit seltenen, schweren Vorerkrankungen“.

Mediziner wie Norbert Suttorp, Leiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie an der Charité, fordern generell eine beschleunigte Impfung auch „jüngerer Menschen mit hoher Vulnerabilität. Zum Beispiel nach Organtransplantationen, mit Krebs- oder Autoimmunerkrankungen.“ Suttorp plädiert dafür, dass die Bundes- und Landesärztekammer für eine gerechtere Regelung eintritt.

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