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Trotz Lockdown macht die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Schlagzeilen. Foto: Doris Spiekermann-Klaas TSP
© Doris Spiekermann-Klaas TSP

Update Nach #MeToo-Vorwürfen Volksbühnen-Intendant Klaus Dörr gibt Amt vorzeitig auf

Volksbühnenintendant Klaus Dörr soll Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. Auch die Senatsverwaltung in Berlin ging den Vorwürfen nach. Ein Kommentar.

Das ging jetzt schnell. Sehr schnell. Am Samstag kam die „taz“ mit einem ausführlichen Beitrag über die Volksbühne heraus, darin warfen Mitarbeiterinnen des Theaters Intendant Klaus Dörr wiederholtes übergriffiges Verhalten vor („Metoo an der Volksbühne – Eine Bühne für Sexisten“). Am Montagnachmittag trat er zurück, mit sofortiger Wirkung und im Einvernehmen mit Kultursenator Klaus Lederer.

Der 60-jährige Theatermann übernimmt „für die gegen mich erhobenen Vorwürfe als Intendant der Volksbühne Berlin die komplette Verantwortung“. In Dörrs Erklärung heißt es weiter: „Ich bedaure zutiefst, wenn ich Mitarbeiter:innen mit meinem Verhalten, mit Worten oder Blicken verletzt habe. Ich bedaure, dass mir nicht gelungen ist, ein offenes und diskriminierungssensibles Klima zu schaffen, das Probleme rechtzeitig erkennt und es Mitarbeiter:innen ermöglicht, sich vertraulich mit ihren Fragen, Beschwerden und ihrer Kritik an die notwendigen und vorhandenen Stellen in der Volksbühne zu wenden.“

Seit Beginn des Jahres hatte es in der Kulturverwaltung vertrauliche Gespräche mit den Frauen und auch mit Dörr gegeben. Zehn Volksbühnen-Mitarbeiterinnen hatten zuvor eine Beschwerde bei Themis eingereicht, der Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt.

Dörr kam als Interimslösung an die Volksbühne

Klaus Dörr wurde 2018 von Klaus Lederer an die Volksbühne geholt, um den Scherbenhaufen aufzuräumen, den die Kulturpolitik mit verursacht hat. Dörrs Vorgänger Chris Dercon hatte nach nur wenigen Monaten an der Volksbühne aufgegeben. Viele hielten ihn für ungeeignet, das Erbe von Frank Castorf zu übernehmen.

Gegen Dercon lief eine beispiellose Schmutzkampagne, der er allerdings nichts Substanzielles entgegenzusetzen wusste. Der Kulturbürgerkrieg um die Volksbühne war ein Stellvertreterkampf um die Zukunft der Stadt. Es ging um Gentrifizierung, Internationalisierung, Teilhabe. Zwischenzeitlich war die Volksbühen auch von Aktivistengruppen mit seltsamen künstlerischen Projekten besetzt.

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In der kommenden Spielzeit übernimmt René Pollesch das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz, der Wunschkandidat von Lederer und vielen Castorfianern. Von ihm erhofft man sich eine produktive Unruhe und ein Ende der massiven Probleme, die an dem geplagten Theater nicht aufhören wollen. Lederer hat diesmal sofort gehandelt. Dörr allerdings auch. Seine Erklärung ist als Eingeständnis zu lesen. Und als Versuch, eine für die Volksbühne, für die gesamte Theaterszene und ihn selbst schädliche und schändliche Hängepartie zu verhindern.

Vor drei Jahren eröffnete die "Zeit" die MeToo-Debatte

Drei Jahre liegt der Beitrag im „Zeit-Magazin“ zurück, mit dem Metoo in Deutschland richtig begann. Schauspielerinnen beschuldigten den Film- und Fernsehregisseur Dieter Wedel, er habe sie sexuell angegriffen. Der Fall kommt jetzt vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft München hat gegen Wedel Anklage wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung erhoben.

Die Vorwürfe gegen Klaus Dörr sind laut „taz“ nicht gerichtsfähig. Der Fall Volksbühne wurde am Montag ausführlich im Kulturausschuss behandelt. Lederer wehrte sich gegen Vorwürfe, er sei Gerüchten nicht früher nachgegangen. Das zeigt, wie schnell sich die Zeiten wandeln und auch die Sitten. Die Strukturen müssten sich ändern, heißt es immer. Und das geschieht. Dörrs Abgang ist am Theater hierzulande ein Novum, eine Warnung. Übergriffige Führungspersonen kommen nicht mehr einfach so durch. Metoo entfaltet starken politischen Druck. Das Thema ist präsent, und es hat Konsequenzen, wenn die Vorwürfe berechtigt und geprüft sind.

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