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Der Radweg soll zwischen der Schulstraße/Luxemburger Straße am Leopoldplatz und dem S-Bahnhof Wedding entstehen. Foto: IMAGO / Petra Schneider
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Nach elf Jahren Planung in Berlin-Mitte Die Müllerstraße bekommt ein bisschen Radweg

2010 starteten die Planungen an der Müllerstraße, auch ein Pop-up-Radweg wurde versprochen. In Kürze gibt es endlich mehr Sicherheit für Radfahrer.

Mit dem Fahrrad über die Müllerstraße in Berlin-Mitte zu fahren, ist etwas für Hartgesottene. Rechts neben der Fahrbahn lauert die Gefahr, durch ein auf dem Parkstreifen abgestelltes Auto in einen Dooring-Unfall verwickelt zu werden. Auf den Fahrspuren selbst tobt der dichte Verkehr einer Berliner Hauptstraße.

Dennoch haben Anwohner und Fahrradpendler bislang vergeblich auf einen Radweg auf der zentralen Nord-Süd-Achse in Richtung Zentrum gewartet. Nun aber kommt Bewegung in die Sache. Die Müllerstraße erhält endlich einen Radweg.

Der neue, geschützte Radstreifen soll zwischen der Schulstraße/Luxemburger Straße am Leopoldplatz und dem S-Bahnhof Wedding entstehen, sagte Mittes Verkehrsstadträtin Sabine Weißler (Grüne). Der Bezirk zieht damit auf diesem Abschnitt die Einrichtung eines Radwegs zeitlich vor. Sie soll überarbeitet werden, wenn später die bereits für die gesamte Straße in Planung befindliche Strecke kommt.

Schon im April 2020 hatte Weißler angekündigt, auf der Müllerstraße einen Pop-up-Radweg einzurichten. Doch daraus wurde bislang nichts. Bekommt nun zumindest der rund 650 Meter lange Straßenabschnitt einen Pop-up-Radweg in beide Richtungen – wenn auch den wohl langsamsten der Welt?

Stadträtin Weißler widerspricht: „Die Terminologie führt in die Irre. Es ist kein Pop-up-Radweg sondern eine Zwischenlösung hin zum endgültigen Radweg.“ Auf dem Abschnitt werde nicht schnell gelbe Farbe aufgesprüht und anschließend Baken positioniert. Schon die Zwischenlösung werde hier „ein richtiger Radweg“.

Fertig werden soll der Abschnitt in diesem Sommer

Dazu gehört, dass wegen tiefer Spurrillen auch die Deckenschicht des Asphalts zunächst erneuert wird. „Bei einem Pop-up-Radweg auf der Strecke müssten die Leute durch Wasserpfützen und Spurrillen fahren, das wollen wir nicht“, sagt Weißler. Auch Schutzelemente seien sofort vorgesehen.

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Ob Leitboys oder flachere Protektionselemente die Radfahrer sichern sollen, werde noch entschieden. Fertig werden soll der Abschnitt in diesem Sommer. In drei bis vier Monaten solle es soweit sein, so Weißler.

Durch den geschützten Radweg an der Müllerstraße werde „endlich mehr Platz und Sicherheit für den Radverkehr geschaffen“, sagt Johannes Schneider, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte. „Ich freue mich, wenn die harte Arbeit an diesem Projekt Früchte trägt und die Mobilitätswende auch im Wedding sichtbarer wird, die wir gleichzeitig mit der Einrichtung von Fahrradstraßen in den Kiezen vorantreiben.“

Pläne für Radweg auf der Müllerstraße laufen seit 2010

Angesichts der gesamten Planungszeit des Projekts wirkt das nur wie ein Wimpernschlag. Die Pläne für einen Radweg auf der vielbefahrenen Müllerstraße reichen bis ins Jahr 2010 zurück. Zwischenzeitlich mussten die Ergebnisse unter anderem komplett überarbeitet werden, um den neuen Vorgaben des 2018 beschlossenen Mobilitätsgesetzes zu entsprechen.

Hoffnung, dass es plötzlich doch schneller gehen könnte, keimte im Frühjahr 2020 auf. Als der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nach Ausbruch der Corona-Pandemie zügig begann, Pop-up-Radwege zu errichten, wollte auch der Mitte nachziehen, unter anderem mit einer Piste auf der Müllerstraße. Doch dann passierte: nichts.

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„Der Radweg an der Müllerstraße ist so kompliziert. Wenn wir jetzt etwas bauen, soll das die Zeit bis zum richtigen Radweg gut überbrücken. Da heißt die Lösung nicht: Bake, Bake, Bake“, sagt Weißler, die den Pop-up-Radwegen insgesamt distanziert gegenübersteht. Tatsächlich machen an der Müllerstraße unter anderem Bushaltestellen und Lieferzonen den Planern das Leben schwer. Dennoch: Im Bezirk Mitte gibt es bis heute nur einen kurzen, provisorischen Abschnitt entlang des Schöneberger Ufers.

Friedrichshain-Kreuzberg erhält Auszeichnung für Pop-up-Radwege

Anders sieht die Welt in Friedrichshain-Kreuzberg aus. Dort entstanden in kürzester Zeit kilometerweise neue Radwege. Am Dienstag erhielt der Bezirk dafür den Deutschen Fahrradpreis in der Kategorie Infrastruktur. Mittlerweile werden die zunächst provisorischen Strecken etwa auf dem Kottbuser Damm und am Halleschen Ufer verstetigt.

„Es gibt in diesem Land die Sehnsucht nach pragmatischem Umsetzen, mit Mut und persönlicher Verantwortung statt übertriebenem Perfektionismus, der zu jahrzehntelangen, verschleppten Planungen führt“, schrieb der dortige Straßen- und Grünflächenamtsleiter Felix Weisbrich auf Twitter. Es klang fast wie ein Kommentar in Richtung seiner Kollegen in Mitte.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass der Radweg rund 500 Meter lang wird. Es handelt sich jedoch um einen 650 Meter langen Abschnitt, der in beide Richtungen einen Radweg erhält. Insgesamt werden also 1300 Meter Radweg eingerichtet.

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