Nach sechswöchiger Schließzeit dürfen die Berlinerinnen und Berliner wieder den Zoo und Tierpark besuchen. Foto: imago/Emmanuele Contini
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Nach Coronavirus-Lockdown in Berlin Zoo und Tierpark öffnen am Dienstag für Besucher

Am Dienstag öffnen Zoo und Tierpark unter strengen Auflagen. Zu sehen gibt es Tierbabys und Toiletten mit handfreien Öffnern.

Die Erdmännchen im Zoo gucken so oder so vergnügt. Sie haben Nachwuchs, es ist Frühling, ob nun Besucher da sind oder nicht – egal. Aber die Berlinerinnen und Berliner sehen das anders: Viele werden sich darüber freuen, bei dem Wetter wieder den Zoologischen Garten in Tiergarten besuchen zu dürfen – wie auch den Tierpark Friedrichsfelde. Derzeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, denn es ist eine Herausforderung, die großen Freizeiteinrichtungen unter den erschwerten Arbeitsbedingungen zu Coronazeiten wiederzueröffnen.

Nachdem Zoologischer Garten, Tierpark und Aquarium zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung des Coronavirus vorsorglich am 17. März 2020 bis auf Weiteres geschlossen worden waren, öffnen zumindest Zoo und Tierpark die meisten Außenanlagen ab Dienstag, 28. April, 9 Uhr. Tickets sollen bereits ab Montag – aber nur per Buchung eines bestimmten Zeitfensters über das Internet – wieder zu haben sein.

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„Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv an einem Konzept gearbeitet, wie wir vor allem Berliner Familien in dieser schwierigen Zeit unterstützen können“, und zwar im engem Austausch mit Senat und Bezirken, sagt Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem. Nun wolle man mit einer kontrollierten, verantwortungsbewussten Wiederöffnung die Möglichkeit geben, „Tiere und Natur zu genießen, vor allem in dieser turbulenten Zeit. Dies kann allerdings nur klappen, wenn sich alle an die klaren Hygiene- und Verhaltensleitlinien halten.“

Tickets müssen online gekauft werden - mit festen Zeitfenstern

Das fängt schon in den Eingangsbereichen an. Um Verzögerungen und Wartesituationen durch erweiterte Kontrollen zu vermeiden, stünden ermäßigte Tickets vorerst nicht zur Verfügung, heißt es beim Zoo. Eintrittskarten gibt es nur übers Internet, und dann muss ein konkreter Besuchstag sowie ein vorgegebenes Besuchszeitfenster, mit 9-13 Uhr oder 13-17 Uhr angepasst an die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Besucher, angegeben werden. Die Ticket-Kontingente betragen vorerst je Zeitfenster 2000 im Zoo und 3000 im Tierpark, und sie sind ausschließlich in dem jeweiligen Zeitraum gültig. „Nadelöhre sind sicherlich die beiden Eingänge“, sagt Philine Hachmeister von der Pressestelle.

So wollen Zoo und Tierpark möglichst viel Abstand zwischen möglichst wenigen Gästen ermöglichen – allerdings dürfte die Kontrolle trotz Abstandsstreifen am Boden und aufmerksamen Mitarbeitern bei den 33 Hektar im Zoo und auf 120 Hektar in Friedrichsfelde auch eine Herausforderung sein. Der Zoo sagt, man wolle es ausprobieren, und dann aus Erfahrung lernen.

Ermäßigte Tickets gibt es erstmal nicht - um Gedränge zu vermeiden

Direkt in den Einrichtungen sollen die Jahreskarten-Kassen zur Ausstellung und Verlängerung geöffnet sein. Bei zu hoher Nachfrage könne es zu Einschränkungen oder gar Schließung dieser Kassen kommen, lautet die Vorwarnung. Ermäßigte Tickets und Coupon-Einlösungen gibt es erst mal nicht.

Weil am Panda-Jungtiergehege im Zoo besonders viel Andrang zu erwarten wäre, bleibt dieser Bereich zu. Dafür aber gibt es den Nachwuchs etwa bei den Krauskopfpelikanen und den Mantelpavianen im Zoo draußen zu begutachten.

Da alle Tiere Futter, tierärzliche Versorgung und noch viel mehr brauchen, aber natürlich jetzt die Einnahmen fehlen, hat sich die Fördergemeinschaft von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e.V eine Pfotenpatenschaft für Unterstützer ausgedacht: Als Dankeschön erhalten alle spendenden Pfoten-Paten eine persönliche digitale Urkunde, auf die man auch Namen, Logo oder Firmenname auf der Vereins-Webseite anzeigen lassen kann.

Eine Bronze-Patenschaft kostet 25 Euro, Platin 1000 Euro.

„Und damit auch die älteren Stammkartenbesitzer, die sich mit dem Internet nicht auskennen oder keinen Computer besitzen, die Chance haben, hereinzukommen, bieten wir all jenen Senioren an, über uns die Eintrittsslots zu bestellen, wir senden die Nachweise dann per Post gratis zu“, kündigt Thomas Ziolko von den Freunden der Hauptstadtzoos an.

Nasen an Scheiben platt drücken - geht nicht

Unterdessen ist auch hinter den Kulissen der Freizeit- und Umweltbildungsstätten etliches zu tun. Infoschilder sollen auf dem gesamten Gelände auf die Verhaltensregeln aufmerksam machen, Bodenmarkierungen müssen für Sicherheitsabstände in Wartesituationen angebracht werden. Zoo und Tierpark seien auch dem Unternehmensverbund JF Group dankbar, dank dessen die Toiletten mit Handfrei-Türöffnern ausgestattet werden können – da funktioniert das Öffnen und Schließen von Toilettentüren mit Ellenbogen oder Unterarm.

Nasen an Scheiben platt drücken, das muss unterlassen werden, wegen potenzieller Coronaviren im Atem. Gemäß der Kontaktsperre ist der Besuch von Zoo und Tierpark nur von Personen eines Haushalts möglich, grundsätzlich ist wie überall in der Stadt von anderen Personen ein Abstand von etwa zwei Metern einzuhalten. Das Verweilen an einem Ort ist nur kurzzeitig gestattet, Picknicke sind es nicht. Kommentierte Fütterungen und Flugshows gibt es erst mal genauso wenig wie die Tierpark-Bahn und den Bollerwagen-Verleih.

Dafür kann man sich an einzelnen Standorten Speisen und Getränke „to go“ besorgen. Zoo und Tierpark Berlin behalten sich indes vor, bei Regelverstößen auch mal ein Parkverweis auszusprechen.

Wer die Stars gerade seien, Hertha und Co.? „Highlights dürften nach über einem Monat ohne Tiere aber all unsere Bewohner sein“, heißt es bei Zoo und Tierpark.

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