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Die Grünen fürchten, dass durch Reisen nach Mallorca die Zahlen in Berlin und Deutschland wieder steigen. Foto: imago/Stefan Zeitz
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Nach Aufhebung der Reisewarnung Berliner Grüne fordern Testpflicht und Quarantäne für alle Mallorca-Urlauber

Silke Gebel Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus, kritisiert die Aufhebung der Reisewarnung. Sie fordert strenge Regeln für Rückkehrer.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Nachdem das Auswärtige Amt am vergangenen Sonntag die Reisewarnung für die Ferieninsel Mallorca aufgehoben hatte, gab es für viele pandemiemüde Deutsche kein Halten mehr.

Verschiedene Fluggesellschaften berichten von einem regelrechten Ansturm auf die Tickets, mehr als 300 Sonderflüge wurden organisiert. Reiseforscher warnten vor einem "zweiten Ischgl". Angesichts dessen wurde wohl auch den Entscheidern im Auswärtigen Amt etwas mulmig.

„Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen“, erklärte eine Sprecherin. Die Entscheidung müsse aber jeder für sich treffen, sagte sie noch. Tausende Urlaubshungrige hatten das längst getan.

Silke Gebel, Fraktionschefin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, macht das Angst. „Wir hatten schon in der Vergangenheit immer einen Ferieneffekt. Das Vorgehen der Bundesregierung ist planlos und in diesem Fall sogar gefährlich“, sagt Gebel.

Sie fordert deshalb eine Testpflicht für alle, die jetzt nach Mallorca fliegen: „Es muss eine Testpflicht geben. Zunächst direkt nach der Landung am Flughafen, danach mindestens zwei weitere Tests mit verpflichtender Quarantäne“, fordert Gebel.

Erst nach drei negativen Tests soll die Quarantäne beendet werden

Wie das funktionieren soll? Reisende, die per Flugzeug von Mallorca zurückkehren, sollen noch am Flughafen auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet werden – deutschlandweit. Auch wenn der Test negativ ausfällt, sollen sich die Urlauber in Quarantäne begeben, schließlich dauert es ein wenig, ehe Infektionen per Test erkennbar sind.

Zwei Tage nach Rückkehr sowie vier Tage nach Rückkehr sollten sich die Reisenden erneut testen, entweder per Selbsttest oder in einem der Testzentren. Erst wenn auch der dritte Test negativ ausgefallen ist, darf die Quarantäne beendet werden.

Wird auf den Mix aus Tests und Quarantäne verzichtet, droht ein Anstieg der Infektionszahlen hierzulande durch Mallorca-Rückkehrer, ist sich Gebel sicher.

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Schärfer als die reisefreudigen Deutschen, die mit der hohen Nachfrage nach Flugtickets der am Boden liegenden Flug- und Touristikbranche neuen Auftrieb verleihen, kritisiert Gebel die Bundesregierung.

Diese habe mit der Aufhebung der Reisewarnung das „absolut falsche Zeichen gesetzt“, ist sich Gebel sicher. Nicht nur das Reisegeschehen in Richtung Balearen, sondern auch in andere Regionen werde nun sprunghaft zunehmen.

„Und das alles mitten in der auf uns zurollenden dritten Welle“, kritisiert Gebel, die sich seit Wochen für eine klare Strategie in der Anwendung von Schnelltests stark macht. Am Freitag, wenn die Gesundheitsminister:innen der Länder zusammenkommen, sollte eine Testpflicht nicht nur besprochen, sondern auch beschlossen werden, fordert Gebel. Ähnlich hatte sich am Dienstag bereits der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geäußert.

Die ersten Urlauber:innen aus Deutschland wiederum dürften dann schon auf Mallorca sein. Viel Zeit bis zur Rückreise und damit zum Handeln bleibt dann nicht mehr.

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