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Mutter und Kind fast getötet Prozess um Berliner Raser neu aufgerollt

2017 wurde der Raser Djordje S. wegen zweifachen versuchten Mordes schuldig gesprochen. Nun wird der Fall neuverhandelt.

Die Mutter war mit ihrer kleinen Tochter auf dem Weg zur Kita, als ein Auto angerast kam. Djordje S. saß laut Anklage am Steuer – alkoholisiert, ohne Führerschein und auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle. Die junge Frau und ihr damals fünfjähriges Kind betraten die Straße in Berlin-Kreuzberg, als die Ampel für Fußgänger auf Grün stand. Sie wurden erfasst, meterweit geschleudert – beinahe tödlich. S. wurde im ersten Prozess des zweifachen versuchten Mordes schuldig gesprochen. Der Bundesgerichtshof aber hob das Urteil auf und ordnete eine Neuverhandlung an.

Knapp drei Jahre nach dem schweren Verkehrsunfall ist der Fall am Freitag vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts neu aufgerollt worden. Der 35-jährige S., der mit der Revision erfolgreich war, schien gut gestimmt und freute sich über Verwandte unter den Zuhörern. Der dreifache Vater befindet sich in Untersuchungshaft.

Der Unfall passierte, weil Djorde S. flüchten wollte. Als Polizisten ihn wegen Verdachts auf Trunkenheit am Steuer kontrollieren wollten, trat er auf das Gaspedal. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wollte er andere Straftaten verdecken. Er hatte keinen Führerschein. Er war illegal eingereist. Ihm drohte Haft auf einer früheren Verurteilung. Und im Auto lagen gestohlene Bohrmaschinen.

Mutter und Tochter wurden meterweit geschleudert

Es herrschte Berufsverkehr, als Sultan A. mit ihrer Tochter Melek am 21. September 2017 in Kreuzberg auf dem Weg zur Kita war. Djordje S. in einem 3er BMW sei an dem Morgen mit bis zu 100 km/h  gerast, um der Polizei zu entkommen. Dann der Unfall. Mutter und Tochter wurden durch die Luft geschleudert – bis zu 15 Meter weit. Sie wurden lebensgefährlich verletzt. In einem Gutachten hieß es später, es sei „von einem Vollanstoß mit 53 bis 75 km/h auszugehen“. Nach Zeugenaussagen erscheine der obere Wert „hoch wahrscheinlich“. 

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Die Richter im ersten Prozess gingen von einem bedingten Tötungsvorsatz aus – und sprachen S. im September 2018 unter anderem des zweifachen versuchten Mordes schuldig. Er erhielt eine Gesamtstrafe von 13 Jahren Haft. „Es war eine Horrorfahrt, eine Flucht um jeden Preis“, stand für die Richter im ersten Prozess fest.

 2019 wurde das Urteil aufgehoben

Der BGH hob das Urteil im Oktober 2019 auf. Einer der Gründe: Die Feststellungen zum konkreten Unfallgeschehen, auf das die Richter im ersten Prozess einen bedingten Tötungsvorsatz stützten, seien „in wesentlichen Punkten lückenhaft beziehungsweise stehen mit dem weiteren Urteilsinhalt nicht in Einklang", heißt es in der Entscheidung.

 Djordje S. stammt aus Serbien. Sieben Vorstrafen hat er – mehrfach waren es Haftstrafen. Der Mann sei „straßenverkehrsrechtlich ein Intensivtäter“, hieß es. Er hätte sich gar nicht in Deutschland aufhalten dürfen, als es zum Unfall kam. Er war zuletzt im August 2017 abgeschoben worden. Zehn Tage vor der Fluchtfahrt kehrte er zurück. Minuten zuvor sei S. beobachtet worden, wie er mit einer Jack-Daniels-Dose in der Hand aus einer Bar kam und zu einem silberfarbenen BMW wankte. 

 Nun also alles auf Anfang. S. hofft auf ein mildes Urteil – sein Anwalt hatte in der ersten Verhandlung auf einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung plädiert. In der neuen Verhandlung will er sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern. Der Prozess geht am 19. August weiter.

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