Das Potsdamer Hans Otto Theater inszenierte bereits im Jahr 2017 das Musical über Rio Reiser. Damals stand Moritz von Treuenfels als König von Deutschland auf der Bühne. Foto: HL Böhme
© HL Böhme

Musical "Mein Name ist Mensch" Rio bam! Reiser

Das Musical „König von Deutschland“ erhält eine Neuauflage: Diesmal soll ein intimes Porträt entstehen. Das Casting für „Mein Name ist Mensch“ läuft bereits.

Manche Dinge sind zeitlos. Wieder andere scheinen so sehr an eine Zeit gebunden, dass man sie sich vorher oder nachher nicht vorstellen kann. Rio Reiser ist so ein Fall. Der Sänger steht für Berlin während der Teilung, für die alternative Szene der 1970er Jahre und die Hausbesetzerzeit, ein junger Mann mit Idealen und einem Hang zum Radikalen. So hat man ihn kennengelernt, als Anarcho mit der krassen Stimme.

Aber so, wie es Frank Leo Schröder sieht, ist da viel mehr zu finden, weit über diese Zeit hinaus. „Irgendwann dachte ich so: Boah, ist das ein zerrissener Mensch“, erzählt der Regisseur beim Casting für sein neues Stück „Rio Reiser – Mein Name ist Mensch“, das im Herbst in der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater aufgeführt wird.

Das Schauspielmusical ist eigentlich eine Neuauflage des Stücks „Rio Reiser – König von Deutschland“, das noch bis zum 6. Mai im Hans Otto Theater in Potsdam zu sehen ist. „Das Stück in Potsdam gefiel mir aber nicht so wahnsinnig gut“, erzählt Schröder, „und dann habe ich Kontakt mit Rios Bruder, Gert Möbius, aufgenommen.“

Gemeinsam haben beide an Veränderungen des Stücks gearbeitet. „Ich wollte einfach ein bisschen herausfinden, warum ist Rio nie so populär geworden wie Grönemeyer oder Lindenberg?“, sagt Schröder, der mit Möbius zusammen bei der zweiten Runde des Castings für das Stück dabei ist.

Als Bruder des „Königs von Deutschland“ fand Möbius die ursprüngliche Version des Stücks „zu journalistisch“, sagt er. „Es fehlte einfach die Intimität.“ Das Ursprungsstück wurde bereits 2004 von Heiner Kondschak geschrieben, im November 2017 kam es zum ersten Mal nach Potsdam. Bei der Neuauflage soll es aber mehr als nur eine Biografie eines Künstlers werden. „Rio hatte eine ganz eigene Arbeitsweise, der hatte eine Idee, und dann: bam! Ich glaub, manchmal hatte er seine Liedtexte aus ’nem Traum“, erzählt Möbius.

Hausbesetzungen in Kreuzberg

Um bei dem neuen Stück mehr Intimität zu erzeugen, sollen auch neue Schauspieler her. Neun Bewerber stellten sich bei der zweiten Runde des Castings für die Hauptrolle vor. Die Messlatte für die Bewerber ist hoch, denn sie müssen nicht nur gut schauspielern und singen, sondern auch Klavier und Gitarre spielen können.

Um die 25 Songs werden in „Rio Reiser – Mein Name ist Mensch“ auf die Bühne gebracht. Jeder Bewerber hat 15 Minuten Zeit, um eine Vorstellung der beiden Songs „Junimond" und „Mein Name ist Mensch" zu präsentieren – einmal etwas Gefühlvolles, anschließend einen kantigen, politischen Song.

Auch die Schauspielszenen verlangen ihnen einiges ab. Sie müssen Rio mal betrunken, mal cholerisch, mal völlig verzweifelt am Boden liegend darstellen. „Beim vorherigen Casting haben wir auch schon gemerkt: Es gibt einen Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und Realität“, erzählt Schröder lachend. Aber keine Sorge, er glaubt fest daran, dass der perfekte Rio gefunden wird. Im Publikum sitzen beim Casting auch noch einige der Schauspieler aus der Potsdamer Besetzung, um ihr Urteil abzugeben. Darunter auch Friedemann Petter, der am Klavier musikalisch unterstützt.

Wer am Ende als Rio Reiser auf der Bühne des Schillertheaters stehen wird, kann man noch nicht sagen. Schon jetzt steht aber fest, dass Zuschauer bei diesem Stück einmal in die Vergangenheit reisen dürfen: zu den Ausschreitungen rund um die Hausbesetzungen in Kreuzberg und den radikalen Utopien linker Splittergruppen. Und vielleicht lernt man auch eine andere Seite des „Königs von Deutschland“ kennen. Die Seite, die einst in ein Tagebuch schrieb: „Mein Ziel ist die Liebe, wer sie sucht, von Herzen sucht, mit allen Kräften sucht, der wird sie finden.“

Die Premiere für „Rio Reiser – Mein Name ist Mensch“ findet am 6. Oktober im Schillertheater statt, ab dem 2. Oktober sind die Voraufführungen. Der Vorverkauf beginnt am 1. April.

Zur Startseite