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Ein Passagierflugzeug der United Airlines wird am Hauptstadtflughafen BER von der Flughafenfeuerwehr zum Erstflug vom BER zum New Yorker Flughafen Newark verabschiedet. Foto: Bernd Settnik/dpa-
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Update Mit United Airlines täglich nach New York Erster Direktflug vom BER in die USA am Montag gestartet

Rainer W. During

Franziska Giffey will die Maschine persönlich verabschieden: Am Montagmorgen hebt am BER erstmals ein Flugzeug direkt nach New York ab. Und das fortan täglich.

Die Hauptstadt tut sich weiter schwer mit dem Anschluss an die außereuropäische Welt. Am Montag wurde von United Airlines die Flugverbindung nach New York wieder aufgenommen, die dritte von insgesamt nur sieben Langstrecken, die es vor der Corona-Pandemie gab. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die gerade erst groß für Ende Mai angekündigte Sommerroute nach Washington D.C. wieder abgesagt wurde. Und weitere Interkontinentalflüge sind trotz der Langstreckeninitiative der Berliner Wirtschaft vorerst nicht in Sicht.

Entsprechend groß wurde der Neustart der täglichen Flüge vom und zum Newark-Airport gefeiert. Laut Burkhard Kieker, dem Chef der Tourismusförderung Visit Berlin, bringt die New-York-Verbindung jährlich rund 90 000 Berlin-Besucher, die durchschnittlich drei bis vier Tage in der Hauptstadt bleiben und der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe bescheren.

Auch Firmen wie Bayer, BMW und viele andere haben auf die Wiederaufnahme der Route gewartet, betonte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner, Stefan Franzke. Sie hoffe, dass dies „erst der Anfang“ neuer Flugverbindungen sei, sagte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). „Berlin lebt davon, gut angebunden zu sein“. Das sei „ganz entscheidend“ für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Doch darauf besteht vorerst wenig Aussicht. United Airlines hatte die für Ende Mai angekündigte Zusatzverbindung nach Washington D.C. kurzfristig wieder abgesagt. Nach einer aktuellen Analyse von Kosten, Nachfrage und Alternativen für die Passagiere „pausiert das Thema“, sagt Thorsten Lettnien, Verkaufsdirektor der Fluggesellschaft , für Kontinentaleuropa.

Auch Transatlantikflüge und Strecken in Richtung Asien im Fokus

Und nach Angaben von Flughafenchefin Aletta von Massenbach liegt der Schwerpunkt derzeit auf der Rückgewinnung der noch ruhenden Langstrecken, die vor Corona bestanden (Beijing, Philadelphia, Toronto, Ulan Bator), wobei China „noch zu“ sei. Daneben stünden weitere Transatlantikflüge und Strecken in Richtung Asien im Fokus. „Wir arbeiten mit Herzblut und ganz viel Engagement“. Frühestens im kommenden Jahr wird mit Ergebnissen gerechnet.

Die Bemühungen konzentrieren sich auf ausländische Airlines, denn auf die Lufthansa hofft man hier schon lange nicht mehr. Diese hatte zwar zu Zeiten alliierter Lufthoheit stets vehement ihre Rückkehr nach Berlin gefordert und nach dem Mauerfall  Langstrecken nach New York, Beijing, Tokio, Bangkok und Singapur angekündigt.

Doch als sie nach der Vereinigung die Möglichkeit dazu hatte, verlor sie nach einem Wechsel an der Vorstandsspitze schnell ihr Interesse an der Hauptstadt. Flüge nach New York und Washington D.C.wurden jeweils nach kürzester Zeit mit dem Hinweis auf angebliche Unwirtschaftlichkeit wieder eingestellt. Lieber zwingt man die Berliner zum Umstieg in Frankfurt oder München, die einzigen Ziele, die Lufthansa vom BER noch unter eigenem Namen ansteuert.

Initiative forderte 17 neue Routen bis 2025

Dass es auch anders geht zeigte seinerzeit die Air Berlin, deren Streckennetz ab Tegel von New York bis Bangkok reichte. Während die Flüge in Richtung Asien nach dem Einstieg von Etihad Airways auf Zubringerdienste nach Abu Dhabi beschränkt wurden, bediente man bis zur Pleite 2017 allein fünf Non-Stop-Ziele in den USA.

Eine von der Wirtschaft kurz vor dem Beginn der Pandemie gestartete Kampagne hatte auf die Diskrepanz zu anderen Hauptstädten verwiesen. London verzeichnete zu diesem Zeitpunkt 127 Interkontinentalverbindungen, Paris 120, und selbst Oslo (zwölf) und Athen (neun) lagen vor Berlin. So forderte die Initiative damals 17 neue Routen bis 2025, doch stattdessen wurden auch alle bestehenden Langstreckenflüge wegen Corona gestrichen.

Als zuverlässigster Partner erwiesen sich Qatar Airways, die bereits vor der BER-Eröffnung die Flüge nach Doha wieder aufnahmen und gerade bei Reisen in Richtung Asien und Ozeanien der Lufthansa mächtige Konkurrenz machen. Auch Scoot verbindet Berlin bereits wieder mit Singapur.

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Emirates wollen seit Jahrzehnten in Deutschland zusätzlich auch Berlin anfliegen, doch gibt es zwischen der EU und den Vereinigten Arabischen Emiraten bisher kein so liberales Luftverkehrsabkommen wie mit Katar. Sehr zur Freude der Lufthansa, die dank gemeinsamer Mitgliedschaft in der Star Alliance die Berlin-Flüge von United auch unter eigener Flugnummer anbieten darf.

Auch am Boden gibt es in Sachen BER Handlungsbedarf. „In den nächsten Monaten“ will man „genau überlegen“, wie die Anbindung des Flughafens an Berlin und Potsdam verbessert werden kann, sagte  Berlins Wirtschaftssenator  Stephan Schwarz (parteilos, für die SPD).

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