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Den Mobilitätsanbieter Bolt gibt's nun auch auf vier Rädern. Foto: Bolt
© Bolt

Mietwagen-Duell in Berlin Roller-Anbieter Bolt startet Fahrdienst – Uber versorgt Außenbezirke

Der Roller-Anbieter Bolt bietet nun auch Taxifahrten in Berlin an. Die Konkurrenz reagiert auf die „Kampfpreise“ – und bringt U-Bahn-Passagiere nach Hause.

Im Wettbewerb neuer Mobilitätsdienste in der Hauptstadt können Nutzer:innen ab sofort auf ein weiteres Angebot zugreifen: An diesem Mittwoch hat auch das Mobilitätsunternehmen Bolt, ehemals Taxify, einen taxiähnlichen Fahrdienst in Berlin gestartet – sogenanntes Ridehailing. Kund:innen können damit nun über die App des Unternehmens im gesamten Stadtgebiet Mietwagenfahrten buchen. Zugleich könnten auf diesem Wege auch reguläre Taxis bestellt werden, erklärte das Unternehmen aus Estland.

Bolt war erst vor einem Monat mit einem E-Scooter-Angebot in Deutschland gestartet. Kund:innen können seither in 15 deutschen Städten die elektrischen Tretroller des Unternehmens ausleihen, weit günstiger als bei der Konkurrenz, auch in Berlin. Seinen Fahrdienst bietet Bolt zunächst jedoch einzig in der Hauptstadt an. Wie bei Ridehailing-Diensten üblich, bietet die Firma dabei die Fahrten nicht selbst mit eigenen Flotten an, sondern tritt über seine Plattform nur als Vermittler zwischen Nutzer:innen und Mietwagenunternehmen auf.

Die Angebote sind nicht unumstritten. Insbesondere Taxiverbände kritisieren, die Mietwagendienste raubten ihnen das Geschäft, da sie nicht an die gleichen, rechtlichen Regelungen gebunden sind. So gilt für Taxis in der Regel eine Tarifpflicht, bei den Fahrdiensten legt das Unternehmen den Fahrpreis selbst fest. Dieser richtet sich nach Entfernung und Dauer und könne „in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage variieren“. Häufig liegen die Angebote damit jedoch unter dem Taxitarif.

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Mit dem neuen Personenbeförderungsgesetz, das im August in Kraft tritt, bietet der Gesetzgeber Städten und Kommunen allerdings nun mehr Steuerungsmöglichkeiten. So haben sie unter anderem die Möglichkeit, eine Preisuntergrenze für die per App bestellbaren Fahrdienste einzuziehen. Das soll Preisdumping verhindern. Für Taxis wird die Tarifpflicht im Gegenzug bei sogenannten Bestellfahrten in Zukunft gelockert: Im Vorfeld kann ein Festpreis vereinbart werden.

Zur Abgrenzung der Angebote besteht grundsätzlich eine Rückkehrpflicht der Mietwagen zum Unternehmenssitz nach jeder gebuchten Fahrt – es sei denn, ihnen liegt ein direkter Folgeauftrag vor. Künftig erhalten Mietwagenunternehmen hier mehr Freiheiten. Während Taxis weiterhin als Einzige spontan Fahrgäste aufnehmen dürfen, müssen Mietwagenunternehmen laut dem neuen Gesetz nicht zwingend nach einer Fahrt an den Sitz ihrer Betriebsstätte zurückkehren. In großen Gemeinden können für sie weitere Abstellorte bestimmt werden.

Mehr als 4500 Mietwagen in Berlin

Die Mietwagenbranche wächst in Berlin stark. Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Fahrzeuge um ein Drittel auf 4589 Fahrzeuge Ende 2020. Der mit Abstand größte und bekannteste Fahrdienstvermittler ist die Plattform Uber. Daneben ist auch FreeNow, eine Tochter der Autokonzerne BMW und Daimler, in dem Geschäft tätig.

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Mit Bolt kommt nun ein neuer Wettbewerber auf den Berliner Markt und lockt die Kund:innen mit Kampfpreisen. So zahlen Fahrgäste zum Start des Dienstes nur den halben Preis, wobei der Rabatt auf acht Euro begrenzt ist, wie das Unternehmen mitteilte. „Wir sind immer bestrebt, die günstigsten Preise für unsere Kunde anzubieten, was dank unseres schlanken Geschäftsmodells möglich ist“, sagte Laurent Koerge, der das Ridehailing-Geschäft für Bolt in Deutschland steuert.

Uber will in Außenbezirken die „letzte Meile“ versorgen

Die Ankündigung bleibt nicht ohne Reaktion der Konkurrenz. Das US-Unternehmen Uber startet zeitgleich ein Pilotprojekt in Berlin: Wer sich über die gleichnamige App einen Mietwagen samt Fahrer:in zu einer U-Bahn-Endhaltestelle außerhalb des Berliner S-Bahn-Rings bestellt, zahlt pro Fahrt einen Fixpreis von sechs Euro. Vorausgesetzt, das Ziel liegt im Umkreis von 2,5 Kilometern. Das kündigte Uber-Deutschlandchef Christoph Weigler auf dem Future Mobility Summit des Tagesspiegels an.

Uber macht den Taxis Konkurrenz. Foto: Toby Melville/REUTERS Vergrößern
Uber macht den Taxis Konkurrenz. © Toby Melville/REUTERS

Uber möchte damit die „Letzte Meile“-Anbindung zwischen dem Öffentlichen Nahverkehr und den Wohnorten der Berliner maßgeblich verbessern und zu Alternativen zum privaten Auto beitragen, teilte das Unternehmen mit. In München soll zeitgleich ein ähnliches Angebot an den Start gehen.

Damit will die Plattform dem Vorwurf entgegentreten, ihre Dienste nur innerhalb des Stadtzentrums anzubieten. Kritiker bemängeln, dass neue Mobilitätsangebote nur dort verfügbar seien, wo ohnehin ein dichtes Netz von öffentlichen Verkehrsmitteln gespannt sei und damit der Stadtverkehr noch dichter werde als ohnehin schon. Zum Start des Angebots ist die Option an elf U-Bahn-Endhaltestellen außerhalb des Berliner S-Bahn-Rings verfügbar.

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