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Die Kaufhauskette "Galeria Kaufhof" will Häuser schließen, hier ein Schaufenster in Leipzig. Foto: dpa
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Mieterlass für Karstadt-Kaufhof? Senat will Kaufhaus-Schließungen verhindern

Berlins Regierender Bürgermeister und die Wirtschaftssenatorin bitten den Kaufhof-Konzern um Gespräche. Die Schließung von sechs Häusern gefährde den Standort Berlin als Ganzes.

Um die Schließung von sechs Kaufhäusern und die drohende Verweisung der Wilmersdorfer Straße und anderer bezirklicher Einkaufsstraßen in letzter Minute doch noch zu verhindern, kommt es zu einem Rot-Grünen Schulterschluss im sonst oft zerstrittenen Senat: Spitzenpolitiker wollen mit den Vermietern der Häuser reden über die Miethöhe und suchen das Gespräch mit dem Kaufhauskonzern Karstadt/Kaufhof um diesen umstimmen. 

„Berlin wird um die bedrohten Standorte und Arbeitsplätze kämpfen“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) dem Tagesspiegel. Und kündigte „Gespräche mit allen Beteiligten an, um Standorte und Arbeitsplätze zu retten.“

Das Berliner Kaufhaussterben ist Chefsache: Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) greift ein: Gemeinsam mit Pop verfasste er einen Brief an den Konzern, wie der RBB zuerst meldete. 

In dem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, melden die Spitzenpolitiker „eine dringende Gesprächsanfrage über mögliche Fortführungsperspektiven“. Die Schließungspläne seien „für die Beschäftigten dramatisch und wirken sich darüber hinaus negativ auf Berlin als Handelsstandort, aber auch die Berliner Wirtschaft in Gänze aus“.

Für Wirtschaftssenatorin Pop sind die Schließungen allerdings auch ein Symptom für das kränkelnde Geschäftsmodell Kaufhaus, das „modernisiert“ werden müsse beispielsweise durch „Kooperationen mit anderen Akteuren, Öffnung zum Kiez mit Erlebnischarakter, Gastronomie“.

Vorstoß sei mit Betriebsräten und Bürgermeistern abgestimmt

Den Vorstoß hat der Senats mit den Betriebsräten und den Bürgermeistern der betroffenen Bezirke abgestimmt. Müller suche außerdem das Gespräch mit dem Ministerpräsidenten des ebenfalls betroffenen Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU).

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Neben der Wilmersdorfer Straße will der Konzern Häuser in der Müllerstraße (Wedding) schließen, ebenso am Tempelhofer Damm, in den Gropiuspassagen (Neukölln), im Ringcenter in Friedrichshain, in Hohenschönhausen sowie in Potsdam.

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Ob der Konzern die Gespräche aufnimmt, war am Mittwochnachmittag nicht zu erfahren.

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