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Nur 50 Gläubige nehmen im Berliner Dom an einem Gottesdienst teil, der zum ersten Mal nach den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stattfindet. Foto: picture alliance/dpa
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Messen und Beerdigungen Humanisten-Präsident fordert Ende der Corona-Ausnahmen für Religionsgemeinschaften

Trotz harter Lockdown-Maßnahmen dürfen zu Trauerfeiern und Gottesdiensten mit Priester oder Imam unbegrenzt viele Menschen kommen. Für Bestattungen und Messen ohne Prediger gilt das nicht. 

Während Kunsthallen und Konzerthäuser aktuell leer bleiben müssen, gelten für Kirchen Sonderregeln. Trotz harter Lockdown-Maßnahmen dürfen an Gottesdiensten und Trauerfeiern mit Priester oder Imam unbegrenzt viele Menschen teilnehmen. 

Denn sogenannte „religiös-kultische Veranstaltungen“ sind in Berlin explizit von den Teilnehmerobergrenzen für Veranstaltungen ausgenommen. Diese Sonderregel führt zu einer kuriosen Situation: An Bestattungen ohne Priester oder Prediger dürfen in geschlossenen Räumen maximal 20 Personen teilnehmen, im Freien liegt die Obergrenze bei 50 Personen. 

Hält dagegen ein Priester oder Imam die Trauerrede, kann die Veranstaltung laut der Berliner Gesundheitsverwaltung als religiös-kultische Veranstaltung gewertet werden, sodass unbegrenzt viele Menschen teilnehmen dürfen.
Der Präsident des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, Jan Gabriel, kritisiert diese Regelung scharf. 

„Religion macht nicht immun gegen Corona“, sagte er dem Tagesspiegel. Die aktuelle Verordnung sei nicht nachvollziehbar. 

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„Wie viele Menschen gemeinsam von einem geliebten Menschen Abschied nehmen dürfen sollte für alle gleich sein.“ Der Infektionsschutz sei eine biologische und keine spirituelle Angelegenheit. Gabriel fordert, dass „gleiche Regeln für alle Menschen gelten“.

Der Humanistische Verband Deutschlands ist ein 1993 gegründeter Verein zur Förderung und Verbreitung einer humanistischen Weltanschauung. Er sieht sich als Interessenvertretung konfessionsloser Menschen."

Erst am Donnerstag hatten sich 62 Prozent der Deutschen gegen Ausnahmen für Gottesdienste ausgesprochen. 20 Prozent äußerten sich zustimmend. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“. Auch unter Protestanten und Katholiken war die Ablehnung der Sonderregelungen mit 60 Prozent sehr hoch.

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