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Stabilisierung. In der Industrie, im Bau, beim Onlinehandel und der Digitalwirtschaft sieht es wirtschaftlich laut Konjunkturbericht wieder gut aus. Foto: imago images/Sabine Gudath
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Mehr Beschäftigte, mehr Wachstum „Die Zeit der Hauptstadt der Arbeitslosigkeit ist passé“

Vor allem die Digitalwirtschaft hilft der Hauptstadt, sich trotz der Pandemie wieder zu stabilisieren. Das ergab der aktuelle Konjunkturbericht.

Es geht wirtschaftlich wieder voran in Berlin - auch, wenn einige Branchen aufgrund der Folgen der Coronakrise immer noch leiden. Doch die Berliner Wirtschaft stabilisiert sich, auf dem Arbeitsmarkt gibt es wieder deutlich mehr Beschäftigte. Dies ergab der Konjunkturbericht für das zweite Quartal 2021, das die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe heute vorgelegt hat.

Es gibt vor allem eine Branche, die dazu beiträgt, dass die Lage sich trotz der Pandemie wieder stabilisiert: die Digitalwirtschaft. "Mit einem Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten von 7,7 Prozent expandierten die Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sehr stark", heißt es bei der Senatswirtschaftsverwaltung.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) teilte mit, dass die Digitalwirtschaft in Berlin der "wichtigste Treiber und Impulsgeber" sei. Laut dem Start-up-Barometer der Unternehmensberatungsagentur EY gingen im ersten Halbjahr 4,1 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der bundesweiten Investitionen an Start-ups aus Berlin.

Dies zeigt sich laut Konjunkturbericht auch anhand der Neugründungen in Berlin: In Berlin gab es von Januar bis Juni insgesamt 20.691 Neugründungen von Unternehmen. Dies waren knapp elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 18.685 neuen Unternehmen, beziehungsweise 4,6 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2019 . Wie auch schon die Wirtschaftsförderungsagentur Berlin Partner kürzlich bekannt gab, könnte es im gesamten Jahr 2021 in Berlin wieder Gründungen in einer Größenordnung von etwa 40.000 geben.

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Mit der kürzlichen Investitionsankündigung von Google und nun fünf Dax-Unternehmen am Standort Berlin - zuletzt gingen vergangene Woche Zalando und Hello Fresh an die Börse - sei die Hauptstadt einen weiteren Schritt zur "digitalen und ökonomischen Transformation der Wirtschaft" gegangen, sagte Ramona Pop.

Die Zeit Berlins als Hauptstadt der Arbeitslosigkeit ist passé

Die Hauptstadt werde nach der Coronakrise wieder kräftig durchstarten, ist Pop überzeugt. Auch die Beschäftigungszahlen zeigen, dass sich die Wirtschaft stabilisiert. Laut Senatsverwaltung für Wirtschaft gab es mit Stand Juni in Berlin 1,582 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Dies waren 42.400 ( 2,8 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Das Wachstum im Bundesdurchschnitt bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs liegt bei 1,4 Prozent.

"Die Zeit als Hauptstadt der Arbeitslosigkeit ist endgültig passé", sagte Pop. Die Berliner Wirtschaft wächst seit 2016 über dem Bundesschnitt – sie stand damit meistens auf dem ersten oder zweiten Platz der Bundesländer. "In den vergangenen fünf Jahren sind in Berlin mehr als 170.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden - trotz Corona."

"Der Fokus auf Zukunftsbranchen und Innovation hat sich auch auf dem Arbeitsmarkt für die Stadt bezahlt gemacht", lobte Ramona Pop. Sorgen bereiteten der Wirtschaft immer noch der stark angeschlagene Tourismus und das Gastgewerbe: Laut Konjunkturbericht hat sich der Berlin-Tourismus im Verlauf des zweiten Quartals zwar etwas erholt und lag bei den Gäste- und Übernachtungszahlen über dem bereits stark Corona-belasteten Vorjahresstand.

Allerdings gibt es deutliche Rückgänge im Vergleich zum Jahr 2019, also vor Corona. Ein Beispiel: Zwar erhöhte sich die Übernachtungszahl im Juni um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, erreichte aber nur gut ein Viertel des Vorkrisenniveaus von Juni 2019.

Beim Einzelhandel steigen die Umsätze, vor allem der Onlinehandel boomt

Vor allem bei der Industrie, in der Bauwirtschaft und im Onlinehandel sieht es gut aus in Berlin. Letzterer boomt regelrecht. Auch der Einzelhandel konnte erneut zulegen, auch wenn das Bild in der Branche nicht einheitlich ist. Bei „IK-Technik, Haushaltsgeräten, Textilien, Heimwerker- und Einrichtungsbedarf“ wurden von April bis Juni die Umsätze des Vorjahres nicht erreicht.

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Das insgesamt positive Ergebnis im Handel ist besonders dem Onlinehandel zu verdanken, der weiter expandiert ist: Die Umsätze sind im zweiten Quartal um rund 20 Prozent und im ganzen ersten Halbjahr sogar um 28 Prozent gegenüber den Vergleichswerten aus dem Jahr 2020 gestiegen, heißt es im Konjunkturbericht.

Allerdings gab die Wirtschaftssenatorin zu, dass die Lage pandemiebedingt durch Lieferengpässe fragil sei. "Ich bin aber optimistisch, denn das produzierende Gewerbe zeigt sich gefestigt", sagte Ramona Pop. Ihre Prognose: Aktuell sei für Berlin im laufenden Jahr mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um gut drei Prozent zu rechnen.

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