Mittlerweile etwas angestaubt: Das Alliiertenmuseum soll am neuen Standort modern werden. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Marodes Tempelhof Alliiertenmuseum kann vielleicht nicht in Hangar umziehen

Schlechte Bausubstanz des früheren Flughafens verteuert alles und gefährdet den Zeitplan.

An sich ist alles vertraglich vereinbart, auch der Zeitplan stand bisher: Bis 2026 soll das Alliiertenmuseum aus der Clayallee in einen Hangar im Flughafen Tempelhof ziehen. Der Vertrag zwischen dem Bund und Berlin sieht vor, dass Berlin, vertreten durch die Tempelhof Projekt GmbH, dafür sorgt, das Gebäude in Schuss zu bringen, und dass der Bund dann den Innenausbau übernimmt, um ein zukunftsweisendes Museum daraus zu machen. Die alten Helden der Luftbrücke wie der "Candy-Bomber" Gail Halvorsen zeigten sich ebenfalls begeistert von dem Plan.

Doch der ist nun in Gefahr. Die Bausubstanz sei "schwierig", sagt Irina Dähne von der Tempelhof Projekt GmbH, und Christiana Brennecke vom Alliiertenmuseum will zwar nicht von "Problemen" sprechen, räumt aber ein, dass die Kosten wesentlich höher sein dürften als die 27 Millionen, auf die das Projekt 2014 geschätzt wurde. Es soll sogar jetzt überlegt werden, das Haus am alten Standort zu lassen.

Das allerdings würde dem Vorhaben des Senats schaden, am Standort Tempelhof einen "Kunst-, Kultur- und Kreativstandort" zu entwickeln, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht. "Das Museum ist eines der großen Highlights, das für diesen Kultur- und Eventstandort gedacht ist", sagt Petra Rohland aus der Stadtentwicklungsverwaltung. "Wir würden das sehr schade finden, wenn es nicht käme." Außer dem Museum gehört zu diesen Projekten die Einrichtung eines Besucherzentrums, die Öffnung des ehemaligen Flughafen-Towers und der Bau einer Dachgalerie auf dem Airport.

Erst jetzt eine wirkliche Ermittlung der Bausubstanz?

Das sei ein schwieriges Thema, so Rohland. Immerhin handele es sich um Europas größtes Bauwerk, einen "riesigen Klotz", der auch unterirdisch mehrere Stockwerke habe. Durch Siwana sei man jetzt in der Lage, Gutachten zu beauftragen, die Bausubstanz und Statik untersuchen, um ein "seriöses und bautechnisch fundiertes Bild" zu erbringen. Siwana sind Haushaltsmittel, also Geld. Auf welcher Grundlage die Schätzung erfolgt sei, wenn nicht auf einer seriösen und bautechnisch fundierten, könne sie nicht sagen, das sei Sache des Bundes.

Im Hause von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) äußert man sich zurückhaltend. „Richtig ist, dass die Bausubstanz in Tempelhof wohl schwieriger ist als alle Beteiligten erwartet haben“, teilte Hagen Philipp Wolf, der Sprecher der Kulturstaatsministerin, dem Tagesspiegel mit. „Geplant war ja, dass die Stadt Berlin die Ertüchtigung der Gebäude verantwortet und der Bund den Hangar anmietet“, so Wolf. „Im Moment werden dazu noch mehrere Szenarien und Konzepte geprüft“, sagt er. „Diese Prüfungen bleiben abzuwarten.“

Zu befürchten ist, dass aus dem Vorhaben eine der typischen unendlichen Berliner Geschichten wird. Schon der damalige kommissarische Leiter des Alliiertenmuseums, Bernd von Kostka, zeigte sich nach zwei zähen Jahren im November 2017 froh, den Job abgeben zu können. Die Verwaltung verwalte sich nur selbst, nichts gehe voran, klagte er im Interview mit dem Tagesspiegel.

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