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Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) eröffnet die neue Behelfsbrücke der Elsenbrücke. Foto: Christian Latz
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Marode Berliner Spreequerung Behelfsbau an der Elsenbrücke wird heute eröffnet

Mit der Ersatzbrücke zwischen Alt-Treptow und Friedrichshain gibt es stadtauswärts wieder eine Spur mehr. Besonders viel Platz bekommen Fußgänger und Radfahrer.

Im Wahlkampf hatte sich Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch wiederholt als Brückenbauerin bezeichnet. Der Zufall wollte es, dass sie dies bei ihrem ersten öffentlichen Termin als Verkehrssenatorin gleich unter Beweis stellen konnte. Am Mittwochmittag gab Jarasch den Verkehr frei auf der neu errichteten Behelfsbrücke, die in den kommenden Jahren anstelle der Elsenbrücke den Verkehr zwischen Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg über die Spree führen soll. An der wichtigen Verkehrsverbindung stehen damit stadtauswärts wieder zwei Fahrstreifen für den Kfz-Verkehr zur Verfügung. In Richtung Friedrichshain bleibt es bei einer Spur.

Nachdem 2018 bekannt geworden war, dass die Elsenbrücke wegen schwerer Schäden abgerissen und neu gebaut werden muss, entschied die damalige Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne), den Verkehr in der Bauphase über eine provisorische Behelfsbrücke zu führen. Sie steht an der Stelle des bereits abgerissenen östlichen Brückenteils, der besonders schlechte Zustandsnoten erhalten hatte. Der provisorische Bau nimmt nun den Verkehr auf, der bislang über den westlichen Brückenteil geführt wurde.
Wie vorausschauend diese Entscheidung war, zeigte sich erst vor Kurzem. Denn auch beim westlichen Brückenteil hatte es zuletzt Sorgen um die Tragfähigkeit gegeben: Mitte Dezember hatten Messsysteme für den Zustand des Bauwerks Alarm ausgelöst. Die Brücke musste komplett gesperrt werden, rund um die wichtige Spreequerung entstand ein Verkehrschaos.

Erst nach mehreren Tagen konnte die Brücke für den Autoverkehr wieder freigegeben werden. „Vor fast genau einem Monat herrschte hier plötzlich Stau, Chaos und Frust“, sagte Jarasch. Die längerfristig unsichere Situation mit dem alten Betonbau werde nun durch das Provisorium gelöst. „Es hat sich gezeigt, dass das eine sehr prophetische und kluge Entscheidung war.“
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Freude bereitet den Verantwortlichen zudem, dass die provisorische Brücke schneller fertig geworden ist als geplant. Ursprünglich war erst im März mit der Eröffnung des Kolosses aus 1500 Tonnen Stahl und 20 000 Schraubbolzen gerechnet worden. „Trotz aller Unkenrufe: Berlin kann bauen“, kommentierte Jarasch.

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Besonders viel Platz gibt es dank des neuen Behelfsbaus nun für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen: Sie können vorerst weiter den nun autofreien, alten Westteil der Brücke nutzen. Erst in den kommenden Wochen erhält auch die Behelfsbrücke Fuß- und Radwege. Der alte Überbau soll ab dem Frühsommer 2022 abgerissen werden.

Neue Elsenbrücke kostet fast 100 Millionen Euro

Die neue Verkehrsführung soll bis 2025 Bestand haben. Dann soll nach derzeitiger Planung der neue Westteil der Elsenbrücke fertig sein. Anschließend macht die Behelfsbrücke Platz für den neuen östlichen Überbau der Spree.

Im Dezember musste die Elsenbrücke zeitweise komplett gesperrt werden, da Tragfähigkeitssensoren ausgelöst hatten. Foto: Christoph Soeder/dpa Vergrößern
Im Dezember musste die Elsenbrücke zeitweise komplett gesperrt werden, da Tragfähigkeitssensoren ausgelöst hatten. © Christoph Soeder/dpa

Die aus dem Jahr 1968 stammende Elsenbrücke soll bis 2028 ganz durch einen Neubau mit den beiden 190 Meter langen Bögen ersetzt werden. Die kalkulierten Gesamtkosten des Projekts belaufen sich aktuell auf 97,7 Millionen Euro, teilte die Verkehrsverwaltung mit. Davon entfallen 18 Millionen Euro auf die Behelfsbrücke. Die Kosten sind damit deutlich in die Höhe geschnellt – bislang war von 50 Millionen Euro ausgegangen worden.

Jarasch will mit Bundesverkehrsminister über Autobahnrückbau sprechen

Weitere Diskussionen wird es bald um die Verkehrsführung am südlichen Ende der Brücke in Treptow geben. Dort endet der 16. Bauabschnitt der A100. Rot-Grün-Rot hat sich im Koalitionsvertrag gegen eine Verlängerung und für einen „qualifizierten Abschluss“ am Treptower Park ausgesprochen.

Nun sei es Sache des Bundes, ein entsprechendes Verkehrskonzept zu entwickeln, sagte Jarasch. „Ich werde dazu in Kürze das Gespräch mit dem Bundesverkehrsminister suchen.“ Dabei solle es auch um bestehende Autobahnabschnitte wie die A103 in Steglitz gehen, erklärte Jarasch. „Wir wollen die Autobahnbrücke am Breitenbachplatz zurückbauen“, sagte die Verkehrssenatorin.

Auch der Anschluss der A111 am Kurt-Schumacher-Damm solle wegen des Baus der Urban Tech Republic abgerissen werden.

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