Polizeibeamte stehen in einer Einfahrt eines Gebäudekomplexes an der Goebenstraße. Foto: Paul Zinken/dpa
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Update Mann in Berlin-Schöneberg schwer verletzt „Ich habe Schüsse gehört und Angst bekommen“

Felicia Klinger

Bei einer Auseinandersetzung in einem Schöneberger Hinterhof erleidet ein Mann Schlagverletzungen. Zeugen hören Schüsse. In Kreuzberg wird eine Person festgenommen.

Autos, LKW und Fahrradfahrer rauschen im morgendlichen Verkehr am Dienstag über die Goebenstraße in Berlin-Schöneberg. Nichts deutet daraufhin, dass hier am Montag geschossen wurde. Zwischen einer Sportsbar und Büros liegt der Hinterhof, aus dem einen Tag zuvor ein Verletzter getragen wurde.

Die Mitarbeiterin eines kleinen Ladens, der etwa 20 Meter von dem Hinterhof entfernt liegt, erzählt: „Ich dachte erst, das sind vielleicht laute Autos“, sagt sie. „Dann habe ich nochmal zwei Schüsse gehört und Angst bekommen. Ich habe die Tür meines Ladens zugesperrt und dann beobachtet wie ein Verletzter an meinem Fenster vorbeigetragen wurde.“

Eine Anwohnerin und ihre Tochter laufen auf den Hinterhof zu, aus dem ein Rasenmäher tönt. „Ich habe das aus meiner Wohnung beobachtet“, sagt die Mutter. Erst sei ein Mann auf einen anderen jungen Mann mit einem Baseballschläger auf dem Parkplatz des Hinterhofs zugelaufen. Dann hätten drei weitere Männer ihn festgehalten und ihn weiter bedroht. „Ich bin immer noch ziemlich geschockt“, so die Anwohnerin, „aber das sind Leute, mit denen es hier immer wieder Probleme gibt“, behauptet sie. Die erwachsene Tochter findet die Schießerei furchtbar. „Eigentlich tut mir hauptsächlich der Mann leid“, sagt sie.

Zwei andere Anwohner, die vor dem Hof stehen, erzählen, dass viele Gerüchte in der Nachbarschaft kursierten. Sie selbst hätten von einer Schießerei nichts mitbekommen. „Es gibt so viele Versionen wie Menschen hier“, sagt einer. Die Gegend sei nicht besonders auffällig, meint der andere Anwohner: „Das hier ist nicht Wannsee, aber auch nicht wie in den schlimmeren Ecken von Neukölln.“ Die Goebenstraße verläuft in Schöneberg zwischen der Pallasstraße Ecke Potsdamer Straße und der Yorckstraße.

24-Jähriger erlitt Schlagverletzung am Kopf, Zeugen hörten Schüsse

Die Ermittlungen einer Mordkommission und der Berliner Staatsanwaltschaft zu der gewalttätigen Auseinandersetzung in der Goebenstraße dauern an. Die Ermittler prüfen auch einen möglichen Streit im Clanmilieu. „Man kann nichts ausschließen, es wird in alle Richtungen ermittelt“, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag auf eine entsprechende Anfrage. Noch seien die Hintergründe aber unklar.

Nach Angaben der Polizei am Dienstagvormittag spielte sich am Montag hier Folgendes ab: Unter mehreren Männern gab es auf einem Hinterhof eines Wohnhauses in der Goebenstraße am Nachmittag eine Auseinandersetzung, ein 24-Jähriger wurde dabei schwer verletzt.

Einsatzfahrzeuge der Polizei auf der Goebenstraße. Foto: Paul Zinken/dpa Vergrößern
Einsatzfahrzeuge der Polizei auf der Goebenstraße. © Paul Zinken/dpa

Mehrere Zeugen hörten laut Polizei gegen 17.30 Uhr Schüsse von dem Hof. Kurz darauf sollen mehrere Personen durch die Hofdurchfahrt in verschiedene Richtungen geflüchtet sein. Eine Polizeistreife hätte den Mann auf dem Gehweg der Goebenstraße in der Nähe der Kulmer Straße gefunden.

Alarmierte Rettungskräfte brachten ihn mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus. Er hatte eine stark blutende Schlagverletzung am Kopf und wurde sofort operiert. Auch die Polizei sprach von „stumpfer Gewalt“, das Opfer sei nicht durch Schüsse verletzt worden. Die Identität des Opfers ist der Polizei wegen früherer Straftaten bekannt.

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Ein ebenfalls 24-Jähriger wurde gegen 18.15 Uhr in Kreuzberg in der Gneisenaustraße Ecke Nostitzstraße festgenommen – er steht laut Polizei im Verdacht, an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen zu sein. Er wurde allerdings wieder frei gelassen, da es gegen ihn keine belastbaren Beweise gebe, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstagabend.

In der Nähe des Tatorts fanden Beamte außerdem eine Machete. Auch zu den Hintergründen des Streits auf dem Hinterhof wird nun ermittelt. Über die Menschengruppe, aus der heraus die Schüsse gefallen sein sollen, ist sonst noch nichts Weiteres bekannt.

Die Polizei nahm am Abend in der Nähe des Tatorts einen Mann fest. Foto: REUTERS Vergrößern
Die Polizei nahm am Abend in der Nähe des Tatorts einen Mann fest. © REUTERS

Video zeigt, wie Männer einen offenbar Verletzten aus der Einfahrt tragen

Ein kurzes Video in sozialen Medien zeigt offenbar Szenen, die sich in der Goebenstraße abgespielt haben: In der Aufnahme sind mehrere Personen zu sehen, die aus der Einfahrt eines Hauses in der Straße herauseilen, Schussgeräusche und Schreie sind zu hören. Unter den Hinauseilenden sind auch zwei Personen, die beide einen länglichen Gegenstand bei sich tragen.

Kurz darauf trägt ein Mann, begleitet von drei weiteren, eine offenbar verletzte Person hinaus über die Einfahrt auf die Straße, wo sie zu einem haltenden Polizeiwagen laufen. Der Verletzte wird schließlich auf den Gehweg getragen, wo sich die Männer und eine Einsatzkraft um ihn versammeln.

Ein halbes Dutzend Polizeiwagen stand am Montagabend im Bereich der Goebenstraße, die zwischen Potsdamer Straße/Pallasstraße und Yorckstraße verläuft. Großflächig war der Bereich mit Flatterband abgesperrt. Zunächst hieß es am Montag, aus einer größeren Menschengruppe heraus hätten ein oder mehrere Täter mehrfach auf das Opfer geschossen. Das Opfer sei schwer verletzt gewesen, schwebe allerdings nicht in Lebensgefahr.

„Nach ersten Ermittlungserkenntnissen liegt der Auseinandersetzung ein Streit zwischen zwei Bekannten zugrunde", schrieb die Staatsanwaltschaft am Abend auf Twitter.

Die Polizeiabsperrungen an der Kulmer Straße Ecke Goebenstraße. Foto: privat Vergrößern
Die Polizeiabsperrungen an der Kulmer Straße Ecke Goebenstraße. © privat

Die Spurensicherung war am Abend am Tatort, eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Beamte untersuchten noch am späten Abend die Straßen mit Taschenlampen.

Beamte untersuchen einen Mittelstreifen mit Taschenlampen unweit des Tatorts. Foto: privat Vergrößern
Beamte untersuchen einen Mittelstreifen mit Taschenlampen unweit des Tatorts. © privat

Als die Schüsse fielen, demonstrierten rund 200 Meter vom Tatort entfernt junge Menschen gegen die Räumung des Jugendzentrums „Potse“ an der Potsdamer Straße.

Die Polizei empfahl am Montagbend, den abgesperrten Bereich zwischen der Potsdamer Straße und der Kulmer Straße in der Nähe des S-Bahnhof Yorckstraße weiträumig zu umfahren. Gegen 22.45 Uhr war die Goebenstraße in Richtung Kreuzberg wieder frei, kurze Zeit später auch in Richtung Schöneberg. (mit dpa)

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