Gail Halvorsen, ehemaliger Luftbrückenpilot des «Rosinenbombers», auf dem Tempelhofer Feld. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Update Luftbrücken-Legende Gail Halvorsen Berliner Baseballer ehren den Candy-Bomber

Vor 70 Jahren endete die Berlin-Blockade. Der berühmte US-Pilot Gail Halvorsen eröffnete die Feierlichkeiten auf dem Tempelhofer Feld.

Samstagvormittag, der Baseballplatz auf dem Tempelhofer Feld, die Berlin Braves spielen gegen die Challengers aus Charlottenburg. Plötzlich ein Alarmruf, der Ball fliegt über den Zaun, direkt zwischen die Zuschauer. Die ducken sich rechtzeitig weg, nichts passiert. Aber nicht auszudenken, wenn zehn Minuten später der Ball auf dem Kopf des Mannes gelandet wäre, der neben dem Zaun vor Kameras, Mikrofonen und beeindruckten Zuschauern sitzt. Mit Militär-Schirmmütze, olivfarbener Jacke und Orden um den Hals. Dann hätte es einen Helden der Luftbrücke getroffen, Gail Halvorsen, inzwischen 98 Jahre alt, Ehrengast bei den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Jubiläum des Endes der Luftbrücke.

Der US-Pilot läutet mit einem Fest zu seinen Ehren die Gedenktagsfeier ein, die am Sonntag offiziell beginnt. Halvorsen ist mittlerweile außer Gefahr, weil das Spiel vorbei ist und die Spieler nicht mehr den Ball werfen, sondern der Legende spalierstehend applaudieren. Denn ihr Baseballfeld wird ab sofort „Gail S. Halvorsen Park“ heißen.

Halvorsen erzählt strahlend, dass er sich zehn Jahre jünger fühle, wenn er hier und die Zeit in Berlin geliebt habe. Er war ja nicht bloß Pilot eines Rosinenbombers, er war auch vier Jahre Kommandeur der US Army-Gruppe auf dem Tempelhofer Flughafen.

Mit breitem Akzent rät er der Jugend: „Man darf nie aufgeben, man muss immer Hoffnung haben und gut zueinander sein.“ Und natürlich erzählt er nochmal die Geschichte, die ihn berühmt gemacht hat. Als Pilot sprach er einmal am Ende der Piste mit Kindern und gab ihnen Kaugummis.

„Ich werfe Euch Schokolade an kleinen Fallschirmen ab“

Er war beeindruckt, dass sie nicht bettelten und fast ehrfürchtig nur an den Kaugummis rochen. „Ich werfe euch Schokolade an kleinen Fallschirmen ab“, versprach er den Kindern. „Damit ihr meine Maschine erkennt, werde ich beim Landeanflug kurz mit den Tragflächen wackeln.“ Nun war er der „Candy-Bomber“.

Noch ein Veteran der Luftbrücke ist am Sonnabend gekommen, Ralph Dionne, ein ehemaliger Mechaniker, mit Baseballkappe und Windjacke. Die beiden Männer geben sich die Hand, später gibt es auf dem Platz Trommelwirbel, die Nationalhymnen der USA und Deutschlands ertönen, Halvorsen salutiert und darf den ersten Pitch, den ersten Ball, werfen.

Eine symbolische Geste, die weit über das Feld hinausreicht. Eine Art vorgezogener Startschuss. Denn am Sonntag findet das „Fest der Luftbrücke“ auf dem Feld statt, Motto: „Feiern und erinnern für die ganze Familie“. 50.000 Besucher werden erwartet.

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