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Gottesdienste dürfen weiterhin stattfinden. Foto: Sebastian Gabsch PNN
© Sebastian Gabsch PNN

Lockdown-Einschränkungen für Kultur Die Kirchen sollten auf ihre Gottesdienste verzichten

Ab Montag können Theater nicht mehr öffnen, Gottesdienste dürfen aber weiter stattfinden. Das ist für die Glaubwürdigkeit der Kirchen fatal. Ein Kommentar.

„Lockdown light“, unsichere Zeiten. Das Virus kann jeden in einem unglücklichen Moment treffen, da nehmen selbst die Schutzengel Reißaus. Weiß der Himmel, warum in der Logik des Lockdown-Konzeptes dennoch ausgerechnet die Gottesdienste offenbar weiterhin eine sichere Bank bieten und stattfinden dürfen, während Theater, Kinos und viele andere Kulturorte schließen müssen. Warum soll es weniger gefährlich sein, sich durch Orgelklänge und eine Predigt inspirieren zu lassen als durch die Arie des Zarastro in Mozarts „Zauberflöte?  

Engagiert ausgearbeitete Hygienekonzepte, Desinfektionsspender, Trennscheiben, Abstandsstreifen,  all das gibt es hier wie dort. Manche Theater und Gotteshäuser haben sogar spezielle Umluftsysteme. Doch fragt man nach gravierenden Corona-Pannen in den vergangenen Monaten, so stehen die Kirchen gleichwohl ungünstigster da:  

Ende Mai dieses Jahres stieg die Zahl der Corona-Fälle im Umfeld einer Baptistengemeinde in Frankfurt a.M. auf 200. Zuvor hatten dort an einem Gottesdienst rund 180 Menschen teilgenommen. Eine ähnliche Massenansteckung ereignete sich im Juni in Stralsund nach einem katholischen Pfingstgottesdienst. 

Verständlich, dass vor allem Kulturschaffende, aber auch Gastronomen und Hoteliers den absurden Freibrief für die Kirchen zornig und verbittert kommentieren. Zumal viele um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, während den Gemeinden durch gestrichene Andachten allerhöchstens Spendengelder und andächtige Momente verloren gehen.  

Unsinnige Regeln provozieren zu Recht Widerspruch. Sie verhindern eine breite Akzeptanz der ansonsten sinnvollen Corona-Restriktionen und sind „Superspreader“ für Verschwörungsphantasien. 

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Kaum hatte die Kanzlerin den „Lockdown light“ verkündet, da wurde ihr bereits „Lobbypolitik zugunsten der Kirchen“ vorgeworfen. Für die Glaubwürdigkeit der christlichen Gemeinden ist dies fatal. Denn sie leisten auch in Berlin durch ihr gelebtes praktisches Christentum vielerlei unverzichtbare soziale, kulturelle und seelsorgerische Aufgaben, kurz: Sie übernehmen Verantwortung für Menschen.  

Gerade deshalb sollten die Kirchen nun ihre Gottesdienste schnellstens absagen und sich mit allen anderen vom Lockdown Betroffenen solidarisch erklären: Nur so können sie viele Gläubige gesundheitlich schützen und sich selbst vor einem gravierenden Ansehensverlust bewahren.

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