SPD-Stadtrat Gordon Lemm überreicht Bürgermeisterin Dagmar Pohle Blumen. Links wartet der AfD-Verordnete Bernd Pachal. Foto: Ingo Salmen
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Lob auch von der AfD Dagmar Pohle darf Bürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf bleiben

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Die Linken-Politikerin wird bald 65 Jahre alt und muss deshalb von der BVV Marzahn-Hellersdorf bestätigt werden – erfolgreich. Die AfD lobt ihre Arbeit gar.

Ein kleines Berliner Kuriosum hat dazu geführt, dass die Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf am Donnerstag Dagmar Pohle als Bürgermeisterin bestätigen musste: Mit großer Mehrheit verlängerte sie die Amtszeit über das Renteneintrittsalter hinaus.

Das wurde notwendig, weil Pohle am 7. September 65 Jahre alt wird. Sogar die AfD lobte die „hervorragende Arbeit“ der Linken-Politikerin – und verweigerte ihr doch die Zustimmung. Der Verordnete Bernd Pachal führte dafür eine fortbestehende „Kränkung“ an, weil seine Partei trotz 23 Prozent bei der Wahl nur einen Stadtratsposten mit schmalem Zuschnitt bekommen hat, nämlich Bürgerdienste und Wohnen. Sein Wunsch nach einer anderen Ressortverteilung im Bezirksamt ist jedoch politisch aussichtslos.

Neben der Linken stimmten auch CDU, SPD, Grüne und die beiden aus der AfD-Fraktion ausgeschiedenen Verordneten Nicole Blank und Steffen Richter für eine Verlängerung von Pohles Amtszeit. Die verwaltungserfahrene Politikerin stand dem Bezirk bereits zwischen 2006 und 2011 vor und amtierte von 2011 bis 2016 unter Stefan Komoß von der SPD als Vize-Bürgermeisterin und Stadträtin für Gesundheit und Soziales. Seit November 2016 hat sie nicht nur wieder den Chefposten übernommen, sondern ist auch als Stadträtin für Stadtentwicklung, Gesundheit, Personal und Finanzen zuständig.

„Die alten Besen wissen, wo der Dreck liegt“

Die Personalie war in jüngster Zeit immer mal wieder Thema zwischen den kooperierenden Parteien Linke, CDU und SPD. Es soll „diverse Gespräche“ gegeben haben, war zu hören. Offenbar nahm die SPD die Abstimmung zum Anlass, um mehr Unterstützung für ihren Schulstadtrat Gordon Lemm einzufordern. Das schimmerte auch in der BVV-Debatte noch einmal durch, als der sozialdemokratische Fraktionsvize Klaus Mätz die Zustimmung der Genossen verkündete - in der Hoffnung, "dass das Bezirksamt uns nicht enttäuscht". Pohle betonte nach ihrer Wahl hingegen den Charakter des Bezirksamts als „Kollegialorgan“.

Nur eine Frage blieb am Ende offen: „Neue Besen kehren gut, doch wenn die alten noch gut fegen, brauchen wir keine neue“, begründete Sozialdemokrat Mätz etwas holprig die Unterstützung seiner Fraktion für Pohle. Er habe das Sprichwort ganz anders in Erinnerung, konterte Thomas Pfeifer von der CDU: „Neue Besen kehren gut, doch die alten wissen, wo der Dreck liegt.“

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