Erst Theater und Kino, dann Disko und Konzerthalle, schließlich Eventlocation: Nun soll das Haus wieder eine feste Adresse des Nachtlebens werden. Foto: Gregor Fischer / dpa
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Legendäre Disko in Schöneberg Das Metropol am Nollendorfplatz kommt zurück

Iggy Pop, David Bowie, die Ärzte traten hier auf. Nachdem der Club „Goya“ scheiterte, soll das neue Metropol an die Tradition des Ortes anknüpfen.

Das Metropol am Nollendorfplatz war lange eine Institution des Berliner Nachtlebens. Fünf Jahre blieben seine Türen geschlossen; am heutigen Freitag wird es mit einer großen Party wieder eröffnet, DJ-Acts wie die Hamburger von Moonbootica und der Berliner Gunjah sind dabei.

Der Betreiber Trinity Music, eine Berliner Konzertagentur, spricht davon, dass nach einer „dramaturgischen Auszeit“ die Sehnsucht gewachsen sei „nach einem Platz für Konzerte im Herzen der Stadt“. Die Pforten sollen sich jetzt öffnen für R’n’B, Soul, Electro, Singer-Songwriter, Indie-Rock oder Pop. Auch Galadinners, After-Show-Partys oder Modeschauen sollen künftig im Metropol stattfinden.

Das markante Haus hat eine bewegte Zeit hinter sich. Gebaut wurde es Anfang des 20. Jahrhunderts als Theater. Erwin Piscator inszeniert dort in den zwanziger Jahren; der Bau wird früh auch als Kino genutzt, ab 1952 werden nur noch Filme gezeigt. Zu der Zeit erhält das Haus auch seinen Namen. Ende der Siebziger dann wird das Metropol neu erfunden – als Diskothek.

Genau am richtigen Ort zu dieser Zeit, denn das Schöneberger Nachtleben der folgenden Jahre ist legendär. Die Szene tanzt im Metropol am Nollendorfplatz oder der Turbine Rosinenheim, trinkt im Café M., dem früheren Mitropa, in der Goltzstraße oder im Fischlabor, und stürzt am frühen Morgen in der Domina Bar ab, um irgendwann nach Hause zu wanken.

Nick Cave in knielangem Sakko, mit Whiskyflasche

Fast noch bedeutender als der Diskobetrieb sind die Konzerte im Metropol – sowohl im großen Saal als auch im kleineren Loft im Obergeschoss. Deutsche und internationale Musiker kommen nach Schöneberg, starten dort teils ihre Karriere. Die Ärzte treten auf, David Bowie, Iggy Pop, Kraftwerk, Nina Hagen, The Cure, Elvis Costello, The Cramps. Udo Lindenberg testet am Nollendorfplatz im Februar 1988 sein Programm für die Deutschlandtournee.

Unvergessen auch der Gig von Nick Cave and the Bad Seeds mit Blixa Bargeld Mitte der Achtziger – ein Abend, von dem mancher Konzertbesucher heute noch schwärmt: Mittendrin reißt einem Gitarristen eine Saite, er fordert das Instrument seines Kollegen. Die beiden geraten sich ordentlich in die Haare. Cave, alkoholmäßig anscheinend schwer angeschlagen, die Whiskyflasche fest im Griff, verfolgt das Ganze einige Momente regungslos. Er steht nur da in seinem knielangen Sakko, Schultern und Kopf gesenkt. Bis er irgendwann ansetzt zu seiner Hymne „Wanted Man“. Der Saal tobt.

Mit den Nachwendejahren beginnt das Ende der großen Schöneberger Zeit. Die Szene zieht weiter – Richtung Osten nach Mitte. Auch das Metropol verliert an Bedeutung. In den folgenden Jahren verblasst der Ruhm. Der sollte Mitte der Nuller Jahre wieder erstrahlen.

Der Berliner Gastronom Peter Glückstein denkt groß, an einen Club wie in London oder New York. Das Metropol soll zum exklusiven Amüsierort für ein zahlungskräftiges Publikum werden. Dieses kann Anteile erwerben und soll dafür lebenslang Vorteile erhalten. 2005 startet er dort das „Goya“, der berühmte Architekten Hans Kollhoff, auch mit mehreren Gebäuden am Potsdamer Platz vertreten, war für die Umbauten verantwortlich.

Berlin feiert anders

Das Konzept: Erst sollen die Gäste an langen Tafeln exquisite baskische Spezialitäten genießen können, anschließend wird der Saal zum Dancefloor geöffnet. Zur Eröffnung kommen auch einige Wirtschaftbosse, unter ihnen der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie und spätere AfD-Mitgründer Hans-Olaf Henkel, der mit dicker Zigarre im Kreis seiner Entourage von der Empore auf das Treiben blickt.

Schon an diesem Abend ist die Stimmung nicht überschäumend; Berlin scheint keinen Bedarf zu haben nach dieser Form des Feierns und der Unterhaltung – nach einem halben Jahr meldet das Goya Insolvenz an. Zwei Jahre später wird es erneut geöffnet und vor allem als Veranstaltungsort genutzt, bis es 2014 wieder schließt.

Das neue Metropol will an die wilden Achtziger anknüpfen und zu einem Partyort werden. Ob das gelingt, entscheidet am Ende die Szene.

Eröffnungsparty am 27. September, ab 21 Uhr. Infos: www.metropol-berlin.de

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