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Feuerschlucker in der Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
© Doris Spiekermann-Klaas

Kultur-Verdrängung im Kiez Wer schützt Berlin vor dem Ausverkauf?

Eine Stadt muss sich verändern, Stillstand geht nicht. Aber der Wandel darf die Seele Berlins nicht gefährden. Ein Kommentar.

Der Maler Jörg Frey aus Prenzlauer Berg, der eine große Liebe zum Leierkasten hat und damit durch Berlin tingelt, sagt: Das ist ein Stück Kultur, das verlischt. Frey betrachtet sich als Teil dieser Kultur, sieht auch sich somit als aus der Zeit gefallen (mehr hier im aktuellen Pankow-Newsletter).

Das gab mir zu denken. Selbst wenn ich persönlich dem Leierkasten nicht hinterher trauere: Was macht es mit der Stadt, wenn Teile der Berliner Kultur vergehen? Was gehört überhaupt dazu? Was ist es wert, geschützt zu werden und was kann getrost auf dem Misthaufen der Geschichte landen?

Noch gibt es ja nicht so etwas wie ein Berlin-Kulturerbe. Klar, es gehört zum Lauf der Geschichte, dass Neues entsteht, altes dafür weichen muss. Nur so steht die Stadt nicht still, kann sich weiterentwickeln.

Und doch. Letzte Woche berichteten wir im Mitte-Newsletter über Jackie Klawonn, die ihre Kneipe Biermichel in der Brunnenstraße nach vielen Jahren schließen musste. Weil der Investor des Hauses, in dem die Kneipe war, plötzlich sehr viel mehr Geld und eine Sperrstunde ab 20 Uhr verlangte. Es war ein Ort, der Altberliner Stammgäste gleichermaßen wie Studierende anzog.

Nur noch Schreibtische statt Tresen, das kann es nicht sein

Oder die Kulturbrauerei: Derzeit gibt es Streit über die Zukunft des Kulturzentrums. Ein Leuchtturm, der weit über die Grenzen Berlins hinaus Leute anzieht. Der neue Investor wird wohl das Ensemble in Büros umwandeln.

Und nicht zuletzt: unzählige Clubs machten dicht oder wurden in der Vergangenheit an den Stadtrand verdrängt, weil die Besitzer es vorzogen, die Räume lukrativer zu vermieten oder sich Zugezogene durch Lärm belästigt fühlten. Wie schützt die Politik solche Räume vor dem Ausverkauf?

Wenn in der letzten Kneipe statt eines Tresens ein Schreibtisch steht, im letzten Club im Zentrum sich keine Discokugel mehr dreht, die kleinen Kiezkinos ihren Vorhang für immer zuziehen: dann wird auch die Seele Berlins verloschen sein.

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