Volles Haus. Die AGB ist einer von zwei Standorten der Zentral- und Landesbibliothek. Langfristig soll es nur noch einen geben. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Kreuzberg Landesbibliothek-Chef: Amerika-Gedenkbibliothek ist überlastet

Caspar Schwietering
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Andrang in der Bibliothek am Landwehrkanal: Das Haus ist überlastet. Der Chef fordert den Senat zu Entscheidungen über einen Neubau auf.

Dass die Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) überfüllt ist, zeigt schon ein flüchtiger Blick: An den Arbeitstischen, die für zwei Nutzer gedacht sind, sitzen vier Menschen. Und auch auf den Fensterbänken und dem Boden der Caféteria hocken Leser. Weil die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in den bestehenden Räumen an ihre Grenzen stößt, hat der Stiftungsvorstand der ZLB, Volker Heller, am Donnerstag eine rasche Entscheidung des Senats für einen Neubau gefordert.

„Die Amerika-Gedenkbibliothek war ursprünglich für 500 Besucher am Tag geplant. 2017 hatten wir samstags im Durchschnitt 4300 Besucher.“ Weiteres Wachstum sei allein wegen der Ausstattung mit Sanitäranlagen und Lüftung kaum tragbar, sagte Heller.

Seit Langem soll die ZLB, die bisher auf zwei Standorte verteilt ist, in einem großen Neubau zusammengeführt werden. Die Pläne für einen Standort auf dem Tempelhofer Feld mussten nach dem Volksentscheid 2014 allerdings ad acta gelegt werden. 2016 vorgelegte Machbarkeitsstudien haben daraufhin empfohlen, entweder die Gedenkbibliothek am Halleschen Tor auszubauen oder auf der Fläche des Marx-Engels-Forums in Mitte ein neues Gebäude zu errichten. „Jetzt muss die Politik sich endlich entscheiden“, sagte Heller.

Entscheidung über Standort vielleicht noch 2018

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zeigte auf Anfrage des Tagesspiegels Verständnis für Hellers Forderung. Allerdings habe der Senat sich darauf verständigt, „dass im Laufe der Legislatur über einen Standort entschieden wird.“ Möglicherweise gebe es schon Ende des Jahres eine Entscheidung.

Bis auf weiteres werden Heller und seine Mitarbeiter den Ansturm aber in den bestehenden Strukturen bewältigen müssen. Auch deshalb hat die Amerika-Gedenkbibliothek seit September 2017 sonntags geöffnet.

Luft für mehr Besucher gibt es jedoch vor allem am zweiten Standort der ZLB, in der Berliner Stadtbibliothek in der Breitestraße. Denn während die AGB im Durchschnitt rund 3000 Menschen pro Tag besuchen, kommen in die Stadtbibliothek nur etwa 1200 Besucher, obwohl der ZLB dort mehr Fläche zur Verfügung steht. „Durch die Neugestaltung der Caféteria und die Öffnung des Innenhofs haben wir versucht die Stadtbibliothek attraktiver zu machen“, sagte der Leiter der Publikumsdienste, Jonas Fansa. „Aber allein wegen der schlechten Verkehrsanbindung stoßen wir dabei an Grenzen.“

Noch eine Idee: E-Government in der Bibliothek

Heller und sein Team müssen nicht nur die Platznot bewältigen, sondern sich auch auf die Digitalisierung und ein geändertes Nutzungsverhalten einstellen. Die ZLB solle ein Ort der Wissensaneignung bleiben und zugleich zu einem Forum der Stadtgesellschaft werden, sagte Heller. An Computerterminals könnten künftig – so lautet eine weitere Idee – ZLB-Mitarbeiter den Nutzern bei digitalen Verwaltungsgeschäften helfen.

Die eigenen digitalen Angebote hat die ZLB zuletzt massiv ausgeweitet. Nutzer können Sachbücher und Belletristik als E-Books ausleihen, 650 Filme streamen und 5000 Zeitungen digital lesen. Und das alles für eine Jahresgebühr von zehn Euro.

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