Husten im Konzertsaal kann ganz schön nerven. Was tun? Foto: Stefan Höderath/Universal Music Entertainment GmbH/obs
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Kolumne Sonntagsfragen Darf man Konzertgäste zum Gehen bewegen?

Wie umgehen mit hustenden Damen im Publikum? Und das während Beethovens 9. Sinfonie! Unsere Autorin weiß Rat.

Gerade habe ich mich gründlich geärgert über eine nonstop hustende Dame während Beethovens 9. Sinfonie. Gerne wäre ich zu ihr hingegangen, um sie zum Verlassen des Raumes zu bewegen. Aber damit hätte ich ja noch mehr Lärm veranstaltet. Und darf man jemanden zum Gehen bewegen? Sie saß übrigens am Rand, hätte geräuschlos den Saal verlassen können. Das Konzert kostete nur 10 €, sie hätte also keinen großen finanziellen Verlust gehabt. Nach dem Konzert bin ich zu ihr hin und sagte: „Ich wünsche Ihnen gute Besserung.“ Tonlos sagte sie danke, ohne Entschuldigung wegen ihres Hustens.

Schlechtes Benehmen durch Hilflosigkeit

Viel häufiger, als die meisten Menschen es sich vorstellen, wird schlechtes Benehmen durch Hilflosigkeit verursacht. Unreflektierter Egoismus spielt auch gern eine Rolle dabei. Natürlich auch Rücksichtslosigkeit. Und Mangel an Empathie. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, mit einem solchen Husten einem Konzert und möglichst auch anderen Menschenansammlungen jeglicher Art fernzubleiben, auf dass das eigene Leiden nicht übertragen werde.

Dass man es auch noch zur Schau stellt in dem irrigen Glauben, dadurch das Mitleid der Umsitzenden zu wecken, ist eine Unsitte, die gerne Männern unterstellt wird. Aber Empathiemangel und Fehleinschätzungen sind leider geschlechterübergreifend verteilt. Zu bewundern ist Ihre sehr milde Reaktion auf die hustende Dame, die Ihnen schließlich das Konzert verdorben hat. Vielleicht hätten Sie für den pädagogischen Effekt dem guten Wunsch noch eine Frage anheften sollen. So in etwa: „Warum gehen Sie mit einem solchen Husten ins Konzert? Ist Ihnen das nicht unangenehm?“ Wenn jemand sich so krass danebenbenimmt, ist es eigentlich offensichtlich, dass feine Andeutungen nicht ausreichen, um eine Verhaltensänderung zu bewirken.

meinefrage@tagesspiegel.de

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