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Wasser marsch: Im Sommer 2017 wurde in Berlin wegen eines Unwetters der Ausnahmezustand ausgerufen. Foto: Stefan Jaitner/dpa
© Stefan Jaitner/dpa

Klimawandel Regenwasseragentur soll Berlin gegen Unwetter wappnen

Mit einem Jahresbudget von 300.000 Euro soll die Agentur Ansprechpartner für Verwaltungen, Bauherren und Wirtschaft sein - und das Regen-Management leiten.

Wenn Berlin verdichtet wird, wird es auch zunehmend wasserdicht: Regen von Gebäudedächern und versiegelten Böden kann nirgends versickern – und überflutet bei Unwetter im besseren Fall nur die Kanalisation. Im schlechteren Fall laufen dann allerdings auch Keller und Straßen über. Um dieses Problem nicht weiter zu verschärfen, haben der Senat und die Berliner Wasserbetriebe (BWB) am Freitag eine Regenwasseragentur gegründet.

Die Agentur startet als Drei-Frau-Betrieb unter dem Dach der Wasserbetriebe. „Wir sind keine Behörde und kein Planungsbüro“, sagt die Umweltingenieurin Darla Nickel, die die Agentur leitet.

Mit einem Jahresbudget von je 300.000 Euro für Personal- und Sachmittel soll eine Austausch- und Informationsplattform für Beteiligte geschaffen werden – also für Verwaltungen, Bauherren und die Wirtschaft.

Es gebe schon jetzt viele Akteure, sagt Nickel, „aber niemand hat den Hut auf.“ Während bei großen, von der Senatsbauverwaltung betreuten Projekten das Regenwassermanagement schon zuverlässig mitgeplant werde, seien die Erfahrungen mit den Bezirksämtern durchwachsener.

Die Optionen sind vielfältig

Jetzt also haben sich Darla Nickel und ihre beiden Kolleginnen den Hut aufgesetzt – unter Aufsicht eines neunköpfigen „Steuerungskreises“ unter Regie der Umweltverwaltung. So soll dezentrales Regenwasser-Management in Berlin zum Standard werden.

Wie das funktionieren kann, hängt vom konkreten Fall ab; die Optionen sind vielfältig: Gründächer beispielsweise können bei kurzen Gewittergüssen als Schwamm wirken und Wasser zwischenspeichern.

Wo auf dem Grundstück Platz ist, bieten sich Teiche an, an Straßenrändern in der Peripherie können es Rinnen oder Mulden sein, am besten kombiniert mit durstigen Straßenbäumen. Bei Neubauten kann es sich lohnen, von vornherein Zisternen zur Grundstücksbewässerung oder für Brauchwasser wie die Toilettenspülung einzuplanen.

Und im Idealfall nimmt eine begrünte Fassade einen Teil des am Ort versickernden Wassers auf – und trägt durch die Verdunstung bei der nächsten Hitzewelle zu einem angenehmeren Mikroklima bei. Diesen Effekt bringen auch Grünflächen und Straßenbäume.

Eine erwünschte Nebenwirkung ist, dass auch die Artenvielfalt davon profitiert, denn viele Pflanzen und Tiere sind nicht dafür geschaffen, trockene Hitzeperioden zwischen aufgeheizten Mauern und Steinböden zu überstehen.

Nach Auskunft der Wasserbetriebe gilt bereits seit Jahresbeginn eine Verwaltungsvorgabe, derzufolge die Menge des in die Kanalisation geleiteten Wassers durch Neubauten auf einem Grundstück nicht zunehmen darf. Zusätzliche Einleitungen in die Mischkanalisation – also die innerstädtische, in der sich Hausabwässer mit dem Regenwasser treffen und bei Güssen die Brühe in den nächstbesten Fluss schwemmen – sind laut Wassergesetz schon jetzt nicht mehr erlaubt.

In den Außenbezirken ist die Lage dank getrennter Kanäle für Hausabwasser und den Regen etwas weniger brisant, aber auch da lohnt es nach Auskunft von Darla Nickel, Überläufe gering zu halten. Denn wenn beispielsweise bei einem Gewitterguss sämtliches Wasser von den Straßen ins nächste Gewässer rausche, enthalte es oft reichlich Schadstoffe, beispielsweise Mikroplastik aus Reifenabrieb.

Die dreiköpfige Regenwasseragentur der BWB startet auch insofern schlank, als es bisher weder eine Telefonnummer noch einen Internetauftritt gibt. Bis der steht, muss es eine E-Mail-Adresse tun: regen@bwb.de.

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