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Mehr als 20.000 Demonstranten werden am Sonntag in Berlin erwartet. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Kilometerlange Menschenkette durch Berlin Politiker warnen vor hohem Corona-Risiko bei „Unteilbar“-Demonstration

20.000 Teilnehmer werden heute zur wohl größten Demonstration seit Beginn der Coronakrise erwartet. Michael Müller und Karl Lauterbach fürchten Leichtsinn.

Unmittelbar vor der mutmaßlich größten Demonstration seit Beginn der Coronakrise an diesem Sonntag in Berlin warnt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor dem Risiko von Neuinfektionen durch Massenansammlungen. Lauterbach sagte dem Tagesspiegel: „Das Risiko ist viel zu hoch.“ Er teile zwar das Anliegen der Demonstration, ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung sowie für Klimaschutz und Gleichberechtigung zu setzen.

Es stehe aber zu befürchten, dass sich viele Menschen bei der Protestaktion mit dem Virus infizierten. „Die Abstände werden im Zweifel nicht eingehalten, da wird gerufen und skandiert auf engem Raum – das sind ideale Bedingungen für eine Verbreitung des Virus durch Superspreader.“

Berlin könnte Corona-Hotspot werden

Berlin laufe Gefahr, „die erste Stadt in Deutschland mit großen Corona-Hotspots“ zu werden. Es bestehe das Risiko, dass sich das Virus nach der Demonstration in ganz Deutschland verbreite, wenn Teilnehmer von außerhalb in ihre Heimatorte zurückkehrten.

Die als Menschenkette organisierte „Unteilbar“-Demonstration soll sich am Sonntagnachmittag neun Kilometer lang durch die Berliner Innenstadt ziehen und so ein „Band der Solidarität“ bilden. Es werden mehr als 20.000 Teilnehmer erwartet. Am vergangenen Wochenende hatten Polizeiangaben zufolge bereits etwa 15.000 Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz gegen Rassismus demonstriert. Weil der Mindestabstand auf engem Raum nicht eingehalten werden konnte, gab es danach heftige Kritik, auch von Behörden.

„Wir dürfen nicht leichtsinnig sein“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) stellte sich zwar hinter die Ziele der Kundgebung, mahnte aber zugleich zur Vorsicht. „Wir müssen uns weiter gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung starkmachen. Wir müssen am Wochenende und auch in den kommenden Wochen aber weiter rücksichtsvoll sein und aufeinander achtgeben“, sagte er dem Tagesspiegel. Auch auf Demonstrationen blieben Masken sowie Abstands- und Hygieneregeln wichtig. „Wir dürfen nicht leichtsinnig sein und das Erreichte verspielen.“

Berlins stellvertretende Bürgermeisterin Ramona Pop (Grüne) und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) appellierten ebenfalls an die Vernunft der Teilnehmer. Pop bat auf Twitter darum zu zeigen, „wie man verantwortungsvoll in Corona-Zeiten in Berlin demonstriert. Mit Abstand und Mund-Nasenschutz gegen Rassismus und Antisemitismus!“ Kalayci sagte dem Tagesspiegel: „Ich appelliere an die Teilnehmer, einen Mundschutz zu tragen und gemeinsam dazu beizutragen, dass Verletzungen der Corona-Regeln verhindert werden.“

Maskenpflicht und 170 Ordner

Die Versammlungsbehörde der Hauptstadt hat Veranstalter und Teilnehmer der Demonstration per Auflage zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen verpflichtet. Bei Verstößen drohen Strafzahlungen und im härtesten Fall die Auflösung der Kundgebung durch die Polizei. Anna Spangenberg, Sprecherin des Bündnisses, kündigte an, bis zu 170 Ordner bereitzustellen. Es handele sich bei der Einhaltung der Corona-Regeln um einen „kollektiven Lernprozess“, sagte Spangenberg und versicherte, auch das Bündnis rufe zum Tragen von Atemmasken auf.

Die Aktion steht unter besonderer Beobachtung, weil die Zahl der Neuinfektionen in Berlin zuletzt in die Höhe schnellte. Allein am Freitag wurden 87 neue Fälle verzeichnet, der höchste Wert seit Ende April. Außerdem sorgte eine illegale Party im Park am Gleisdreieck für Aufsehen. Bis zu 500 Menschen hatten sich dort versammelt. Die Polizei löste das Treffen auf.

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