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Kristin Brinker bei der Konstituierenden Sitzung der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Foto: Fabian Sommer/dpa
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„Kettenhund und Vollstrecker“ Weiter heftiger Streit in Berliner AfD-Fraktion

"Starke Oppositionsarbeit" will Kristin Brinker mit der AfD-Fraktion machen. Dem entgegen stehen Grabenkämpfe, die sich so schnell nicht überwinden lassen.

Eine Woche nach dem für die Berliner AfD verheerenden Ausgang der Abgeordnetenhauswahl gehen die Grabenkämpfe innerhalb der Partei unvermindert weiter.

Nachdem AfD-Landeschefin und Spitzenkandidatin Kristin Brinker am Donnerstag zur Fraktionschefin gewählt und ein neuer Fraktionsvorstand bestimmt worden war, hagelte es Vorwürfe aus dem verfeindeten Lager.

Brinker habe die Fraktion den radikalen Kräften um Thorsten Weiß, Ex-Obmann des offiziell aufgelösten Flügels der Partei, ausgeliefert und führe sie auf den „thüringischen Höcke Weg“, heißt es in einem intern kursierenden Beitrag, der dem Tagesspiegel vorliegt.

Attackiert wird darin auch Harald Laatsch, zuletzt baupolitischer Sprecher der Fraktion und Vertrauter Brinkers. Der über die Landesliste erneut in das Abgeordnetenhaus eingezogene Laatsch wird als „Kettenhund und Vollstrecker“ Brinkers und als „hochgradig toxisch“ bezeichnet.

Die 49-jährige Parteichefin ließ die Vorwürfe am Samstag unkommentiert, Laatsch reagierte nicht auf eine Anfrage.

Pazderski kritisiert Brinker scharf

Klar scheint: Die Kontrahenten der mit deutlicher Mehrheit gewählten Brinker, allen voran Ex-Parteichef Georg Pazderski und dessen Vertrauter Frank- Christian Hansel, haben die Auseinandersetzung noch nicht aufgegeben. Pazderski, der bei der Wahl am Einzug in den Bundestag scheiterte und dem parteiintern ein großer Abschiedsschmerz von der politischen Bühne nachgesagt wird, hatte bereits am Tag nach der Wahl eine Kritik veröffentlicht, die kein gutes Haar an Brinker gelassen hatte.

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Deren Wahl zur Fraktionschefin konterte Pazderski mit einer „Klarstellung“. Darin informierte er alle Abgeordneten sowie Mitarbeiter:innen der Fraktion darüber, dass bis zur konstituierenden Sitzung des Abgeordnetenhauses die alten Abgeordneten und damit auch der alte Fraktionsvorstand – unter seiner Führung – sämtliche Rechten und Pflichten tragen. 

Hansel wiederum war im über Monate hinweg anhaltenden Streit über die Fraktionsfinanzen Kontrahent Brinkers. Bei der Wahl des Fraktionsvorstands büßte er den Posten als parlamentarischer Geschäftsführer (PGF) ein, im Duell um einen der drei Stellvertreter-Posten unterlag Hansel gegen Weiß. Ausschlaggebend war dem Vernehmen nach die Stimme von Antonin Brousek, dem einzigen Neumitglied der Fraktion.

Fraktion hat sich nahezug halbiert

Diese besteht künftig statt zu Beginn der vergangenen Legislatur aus 25 künftig nur noch aus 13 Abgeordneten. Darunter ist mit dem direkt gewählten Gunnar Lindemann ein Vertreter, der im Parlament zwar mit Zwischenrufen auf sich aufmerksam gemacht, einen Großteil der Legislatur aber im Ausland verbracht hatte. Ebenfalls direkt gewählt wurde die dem Flügel nahestehende Jeannette Auricht.

Unter den wiedergewählten Abgeordneten befinden sich mit Ronald Gläser, Karsten Woldeit und Marc Vallendar drei Vertreter des Pazderski-Lagers. Gläser als neuer PGF und Woldeit als Stellvertreter Brinkers verfügen über Einfluss. Am die Fraktion lähmenden Patt der beiden Lager hat sich demnach nicht viel geändert.

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