Bislang mussten Kinder aus sozial schwachen Familien in der Schulkantine einen Euro zahlen. Foto: Photothek / Imago
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"Keine Auseinandersetzungen mehr mit Eltern" Neuköllner Schulleiterin lobt kostenloses Mittagessen

Viel Kritik gab es zum Start des Gratis-Schulessens in Berlin. Doch es hat auch Vorteile, wie die Leiterin einer Brennpunkt-Grundschule berichtet.

Frau Busse, das kostenlose Schulessen wird stark kritisiert. Als Leiterin der Ganztagsgrundschule in der Köllnischen Heide müssten Sie zu denen gehören, die richtig zufrieden sind. Bei Ihnen gehörte das Mittagessen schon vorher fest zum Alltag.

Na ja, die Probleme mit dem Schulessen sind ja grundsätzlich da. Aber es stimmt, für mich an unserer Schule hat es einen handfesten Vorteil. Wir müssen uns jetzt nicht mehr mit den Eltern über die Bezahlung des Mittagessens auseinandersetzen.

Bisher musste jemand, der staatliche Transferleistungen erhält, einen Euro bezahlen.

Ja. Und dabei wäre es eigentlich gar nicht unsere Aufgabe gewesen, dass wir uns als Schule überhaupt um die Bezahlung kümmern. Aber ich wollte natürlich, dass die Kinder verlässlich ein Mittagessen haben. Und dieses Bemühen ums Geld war durchaus aufwendig, das muss ich schon sagen.

Astrid-Sabine Busse leitet die Grundschule in der Köllnischen Heide. Foto: Kai-Uwe Heinrich Vergrößern
Astrid-Sabine Busse leitet die Grundschule in der Köllnischen Heide. © Kai-Uwe Heinrich

Ihre Schule ist auch Modellprojekt für Brennpunktschulen. Dort soll mit mehr Personal intensiver als bisher der Kontakt zu Eltern gepflegt werden, um frühzeitig Probleme zu erkennen und gegenzusteuern. Wie sind die bisherigen Erfahrungen?

Wir haben bis jetzt nur erste Eindrücken, das Modellprojekt läuft ja erst seit Beginn des neuen Schuljahres. Wir sind sehr glücklich, dass wir drei zusätzliche Schul-Sozialarbeiter erhalten haben. Vor allem aber bekommen wir jetzt auch noch Fort- und Weiterbildung für die Pädagogen. Unsere ersten Eindrücke von den neuen Kollegen sind sehr positiv. Deren Träger hat sich große Mühe gegeben, das zeigt sich.

Sie sind auch Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen. Was erwarten Sie von der soeben angekündigten Qualitätskommission zur Verbesserung der Schulen?

Dass die Experten Antworten auf die drängendsten Probleme haben: die Ausstattung der Schulen, genügend Unterrichtsräume, genügend qualifiziertes Personal. Es ist mal wieder ein Versuch, diese Fragen zu klären.

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