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Stand Mai 2018: So soll das neue Stadion liegen, das Hertha BSC sich wünscht - ganz am Rand des Olympiaparks. Links das Olympiastadion, rechts unten der U-Bahnhof. Simulation: Hertha BSC/AS+P
© Simulation: Hertha BSC/AS+P

Kein Stadionneubau für Hertha BSC Lästig, halbherzig, selten dämlich

Die Politik wollte nicht, Hertha hat die Lage völlig unterschätzt. Jetzt gibt es nur Verlierer - und eine Lösung. Ein Kommentar.

Kein neues Stadion für Hertha, jedenfalls nicht im Olympiapark, wo es hingehört hätte. Dass die Pläne des Bundesligavereins in sich zusammengefallen sind, hat zwei Gründe. Mindestens.

Einerseits war Rot-Rot-Grün nie ernsthaft daran interessiert, eine privat finanzierte Fußball-Arena in wirtschaftlicher Konkurrenz zum landeseigenen Olympiastadion zu sponsern. Es waren nur Lippenbekenntnisse, mit denen der Verein zum Berliner Wahrzeichen hochgejubelt wurde.

Der Senat verhandelte von Beginn an halbherzig, den Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus war das Projekt nur lästig. Jetzt, da die Anwohner, die dem Stadionbau weichen müssten, bei der Suche nach einem Ausweichstandort für ihre Wohnungen nicht länger mitmachen, lässt Rot-Rot-Grün die Pläne Herthas wie eine heiße Kartoffel fallen. Nicht unser Problem!

Andererseits hat sich die Vereinsführung in den komplizierten Verhandlungen über die Grundstückspacht, über den Lärm- und Denkmalschutz, Anwohner- und Verkehrsprobleme selten dämlich verhalten.

Anstatt die Landes- und Bezirkspolitik, aber auch die eigenen Fans und betroffene Bewohner eng und vertrauensvoll einzubinden und geduldig Überzeugungsarbeit zu leisten, wurde versucht, die eigene Agenda von oben herab durchzusetzen.

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Die Kommunikation mit „der anderen Seite“ war katastrophal schlecht. Am Ende verscherzte sich vor allem der für den Neubau verantwortliche Hertha-Manager Klaus Teichert auch die letzten Sympathien.

Präsidium und Aufsichtsrat haben die Situation offenbar völlig unterschätzt. Nun steht der Verein vor einem Scherbenhaufen.

Das Olympiastadion ist keine Alternative

Was tun? Unzweifelhaft ist, dass ein moderner Profi-Verein, der noch was vorhat, ein echtes Fußballstadion braucht. Das Berliner Olympiastadion ist schön, aber für den alltäglichen Liga-Betrieb mit 40- bis 50.000 Zuschauern auf Dauer keine Alternative. Eine neue Arena muss her, notfalls doch jenseits der Stadtgrenze.

Das sollten sich auch die Fans, die das nicht wollen, angesichts der neuen Lage noch einmal gut überlegen.

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