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Vor Gericht (Symbolbild). Foto: dpa
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Kannibalismus-Verdacht Berliner Lehrer soll einen Date-Partner getötet und zerteilt haben

Ab Dienstag muss sich der 41-jährige Stefan R. in Berlin wegen Mordes verantworten. Die Anklage geht von einer kannibalistisch-sexuellen Tatmotivation aus.

Ein Lehrer und ein Monteur verabreden sich über eine Dating-Plattform zu einem Rendezvous. Einer der Männer bleibt danach verschwunden. Bis zwei Monate später in einem Waldstück am Buchholzer Graben im Pankower Ortsteil Französisch-Buchholz ein Beinknochen gefunden wird. Komplett skelettiert.

Aus dem Vermisstenfall wird eine Mordsache: Lehrer Stefan R. soll den Monteur getötet haben, um sexuelle Befriedigung zu erlangen und Teile der Leiche zu verspeisen. Ab Dienstag steht der mutmaßliche Kannibale vor dem Landgericht.

Nach und nach haben Ermittler Indizien zusammengetragen – bis zum gruseligen Verdacht gegen den 41-jährigen aus Pankow. Die Staatsanwaltschaft geht von einer „sadistisch-kannibalistisch geprägten sexuellen Tatmotivation“ aus. Ein Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs und aus niedrigen Beweggründen. Es sei auf „bislang nicht bekannte Weise“ geschehen.

Den Toten soll R. in seiner Wohnung zerteilt und Leichenteile an verschiedenen Orten in Berlin abgelegt haben. Bei Anklageerhebung im Mai hieß es, es hätten sich keine Hinweise dafür ergeben, dass das Opfer in seine Tötung eingewilligt habe.

Mitbewohner verständigten Polizei

Das Verbrechen kam ans Licht, nachdem Spaziergänger am 8. November 2020 beim Gassigehen mit ihrem Hund in einem Waldstück am Buchholzer Graben einen Knochen entdeckt hatten. Sie alarmierten die Polizei. Spürhunde wurden eingesetzt, weitere Knochenteile entdeckt. Rechtsmediziner untersuchten den Fund. Bald stand fest: Es handelte sich um sterbliche Überreste des vermissten 43-jährigen Stefan T..

Die Ermittlungen sollen ergeben haben, dass der Monteur im Hochleitungsbau am 5. September kurz vor Mitternacht seine Wohngemeinschaft in Lichtenberg verlassen hatte. Weil er spurlos verschwand, verständigten seine Mitbewohner die Polizei. Die Beamten hatten daraufhin mit Fotos und Hinweisen nach dem Vermissten gesucht und zweimal die Öffentlichkeit um Hilfe gebeten – ohne Erfolg. Bewegung kam in den Fall erst, nachdem die Spaziergänger die Knochenteile gefunden hatten.

Stefan T., ein hochgewachsener Mann mit gelockten Haaren, soll am Tag seines Verschwindens ein Taxi genommen haben. Über die Handydaten des Opfers war es laut Staatsanwaltschaft dann später gelungen, einen Taxifahrer ausfindig zu machen, der Angaben zum wahrscheinlich letzten Zielort von T. machen konnte. Personenspürhunde nahmen die Witterung auf.

In „einschlägigen Kannibalismus-Foren“ aktiv

Bei der Fahndung wurden außerdem die Chatverläufe ausgewertet. Demnach sollen sich R. und T. kurz vor dem Verbrechen über ein Dating-Portal kennengelernt haben. Aus den Protokollen gehe hervor, dass sie sich verabredet hatten, stellte die Staatsanwaltschaft fest. Die Ermittler hätten in den Google-Suchverläufen von R. auch entdeckt, dass er sich für Kannibalismus interessiert haben soll. Und er soll in „einschlägigen Kannibalismus-Foren“ aktiv gewesen sein.

Was die Ermittler der Polizei dann bei einer Hausdurchsuchung sicherstellten, führte schließlich zum ungeheuerlichen Verdacht auf Kannibalismus. Man habe „einschlägige Instrumente“ gefunden, sagte später ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es habe sich um Sägen und Messer gehandelt. Auch Blutspuren sollen Ermittler sichergestellt haben. Und sie fanden mehrere Kilogramm einer Chemikalie, die zum Auflösen menschlichen Gewebes geeignet sei.

Stefan R. soll aus einer kleinen Gemeinde in Rheinland-Pfalz stammen und seit etwa neun Jahren in Berlin leben. Zuletzt arbeitete er in einer Sekundarschule in Pankow, die sich in freier Trägerschaft befindet. Der Lehrer für Mathematik und Chemie galt als freundlicher Kollege. Seit dem 18. November befindet er sich in Untersuchungshaft. Bisher hat er zu den Vorwürfen geschwiegen.

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War es sexueller Kannibalismus? Es sind Vorwürfe, die an den Fall des „Kannibalen von Rotenburg“ erinnern, der vor rund 20 Jahren für Schlagzeilen gesorgt hat. Im März 2001 hatte ein damals 39-jähriger Computertechniker einen damals 43-jährigen Berliner Diplom-Ingenieur, den er über eine Kontaktanzeige in einem einschlägigen Internet-Forum kennengelernt hatte, kastriert, getötet, zerlegt und Teile des Körpers verspeist.

Er soll ihn vor laufender Kamera getötet haben – angeblich mit dessen vollem Einverständnis. Der Mann teilte sich das Menschenfleisch ein, die Polizisten fanden es, portioniert in Plastiktüten, in seiner Gefriertruhe. Erst im Dezember 2002 wurde der Fall aufgedeckt. Der Täter ist noch immer in Haft.

Bereits im Jahr 2005 ging es am Berliner Landgericht in einem Mordprozess gegen einen Mann aus Neukölln um Kannibalismus. Er hatte in einem Internet-Forum einen Mann gesucht, „der sich als Festbraten zur Verfügung stellt“. Er ermordete und zerstückelte seinen Sexualpartner. Das Fleisch des Opfers aß er allerdings nicht. Vor Gericht gestand der Maler die blutige Tat. Im Urteil hieß es, er habe sich seit Jahren in immer bestialischere Kannibalismusfantasien hineingesteigert.

Nun kommt es gegen Stefan R. zum Indizien-Prozess – begleitet von großem öffentlichen Interesse. Die 32. Große Strafkammer hat zunächst 18 Verhandlungstage geplant.

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