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Der Kinobetrieb im Filmtheater Colosseum in Prenzlauer Berg ist eingestellt, der Pacht-Vertrag gekündigt. Foto: Robert Klages
© Robert Klages

Kampf um das Traditionskino Colosseum-Mitarbeiter rufen zu weiterer Demonstration auf

Am Donnerstag um 18:30 Uhr soll erneut für das Traditionskino Colosseum demonstriert werden. Zumindest bis zum Ende der Pachtzeit soll es weiter betrieben werden. 

Das Ende des Kinos Colosseum in Prenzlauer Berg scheint besiegelt: Der Kinobetrieb ist eingestellt, der Pachtvertrag der Betreiber-Firma ist zum Jahresende gekündigt, der Bauvorbescheid vom Bezirk wurde schon 2019 erteilt - einem Verkauf und einer Umwandlung der Immobilie steht kaum noch was im Wege - wären da nicht die knapp 40 Mitarbeiter, die seit Wochen um ihren Arbeitsplatz kämpfen. Mit Unterstützung von Verdi informieren sie immer donnerstags auf Kiezspaziergängen oder vor dem Kino die Anrainer über die aktuelle Situation. Die Resonanz ist laut dem Betriebsratsvorsitzenden Martin Rathke durchgehend positiv. 

Für Donnerstag haben die Mitarbeiter ab 18:30 Uhr zu einer zweiten Demonstration gegen die Schließung des Kinos Colosseum aufgerufen, die wieder durch den Kiez gehen soll. Bei der ersten Demonstration am 2. Juli hatten die Veranstalter zwischen 800 und 1000 Teilnehmer gezählt. Das überraschend große öffentliche Interesse hat mittlerweile auch die Politik erreicht. 

Die Beschäftigten wollen das Kino wenigstens bis zum Ende der Pachtzeit weiter betreiben - auch für den Kiez und seine Bewohner. Dazu wollen sie mit den Erben der Kino-Legende Artur Brauner ins Gespräch kommen. Als Moderator stellte sich Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) zur Verfügung und auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat sich als Vermittler angeboten. „Wenn ich helfen kann, diesen traditionsreichen Kulturstandort zu retten, bin ich sofort dabei“, sagte Lederer am Montag dem Tagesspiegel Checkpoint. Die Erbengemeinschaft hat dazu laut Betriebsrat mitgeteilt, „dass die Gesprächsaufforderung aufgrund der Ferienzeit innerhalb der Erbengemeinschaft nicht erörtert werden könne“.

In der Politik geht man davon aus, dass Brauners Erben verkaufen wollen. In mit den Vorgängen vertrauten Kreisen kursieren Zahlen in zweistelliger Millionenhöhe. Auch deshalb ist eine Weiterführung als reiner Kinobetrieb ziemlich unwahrscheinlich. Der große Kinosaal steht aber unter Denkmalschutz, ebenso der alte Pferdestall. 

Der vom Bezirk bereits erteilte Bauvorbescheid ermöglicht es aber einem Investor, das Gelände nach seinen Vorstellungen umzubauen und neu zu bauen. Nach einem möglichen Verkauf geht es deshalb für die Politik und auch für die Fans vom Colosseum darum, welcher Investor den Komplex erwirbt und was er daraus machen will: Soll es die Entwicklung eines Kino- und Kreativzentrums geben und mit welchen Partnern könnte das geschehen? Könnten hier Kreativbüros entstehen mit angeschlossenem Kongress- und Kinosaal? Dann wäre zumindest der Geist des Colosseum ein wenig gerettet. 

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Einen reinen Bürokomplex lehnt die Pankower Politik ab. Nach dem erteilten Bauvorbescheid hat sie aber - außer Gesprächen und Hilfsangeboten - kaum noch eine zwingende Handhabe. In diese Lage hat sich das Bauamt des Bezirks Pankow selbst gebracht. Sören Benn sagt dazu dem Tagesspiegel: "Wir werden auch als Genehmigungsbehörde alles unterstützen, was an die Tradition als Kinostandort andockt und was etwas mit Kultur und Kreativität zu tun hat. Wir werden nichts unterstützen, was nichts damit zu tun hat.“ 

Kino Colosseum - war wir über die Schließung wissen

Da das Insolvenzverfahren am 3. August eröffnet wurde, ist jetzt nicht mehr der Geschäftsführer Sammy Brauner der Ansprechpartner in Sachen Kinobetrieb, sondern der Insolvenzverwalter Sebastian Laboga, der das Verfahren abwickelt. Laboga sieht aber wirtschaftlich keine Veranlassung, den Kinobetrieb wieder zu beginnen. Gemäß Insolvenzordnung dürfe der Geschäftsbetrieb eines insolventen Unternehmens nur dann fortgeführt werden, wenn es keine Verluste erwirtschafte.

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Die Mitarbeiter haben dazu den Sachverständigen Dr. Andreas Kramer beauftragt. Er war bis 2016 Geschäftsführer und stellvertretender Vorstand beim Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino). Nach dessen ersten Einschätzungen, so Rathke, sei ein kostendeckender Betrieb bis Jahresende möglich.

Für die Abstandsregeln in Berliner Kinos, durch die bisher nur etwa 20 Prozent der Plätze in Kinos besetzt werden konnten, wurde gestern eine Lockerung beschlossen. Künftig muss bei ausreichender Belüftung und Einhaltung der Maskenpflicht nur noch jeder zweite Platz freigehalten werden.

Laboga teilte heute durch seinen Pressevertreter mit, dass auch mit den neuen Abstandsregeln die Sitzplatzkapazitäten von Kinos unverändert deutlich verringert seien. Zudem änderten diese neue Regelungen nichts daran, dass es keine Filme gebe, mit denen nennenswerter Umsatz erwirtschaftet werden könne. Eine Fortführung des Geschäftsbetriebs sei deshalb aus wirtschaftlichen Gründen unverändert unmöglich.

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